Ein „Kalter Schuss ins Herz“ von Wallace Stroby

Stroby - Kalter Schuss ins Herz

Crissa Stone ist nur auf dem Papier eine Frau. Ihre Tochter wird von ihrer Cousine in Texas groß gezogen. Sie hat keinen Mann; jedenfalls keinen Mann an ihrer Seite. Denn ihre große Liebe sitzt seit einigen Jahren im Gefängnis und all die anderen Männern in „Kalter Schuss ins Herz“ nehmen sie nur als Kollegin oder als Teil eines Auftrages wahr. Auch Wallace Stroby verschwendet in seinem Roman keine Zeit darauf, ihre Äußerlichkeiten zu beschreiben. Denn Crissa Stone ist Profi-Einbrecherin und damit steht sie in der Tradition von Parker (erfunden von Richard Stark, der damit die Blaupause für alle Profi-Verbrecher schuf) und Wyatt (erfunden von Garry Disher).
Gemeinsam mit Stimmer und Chance überfällt sie in Broward, Florida, in einem Hotelzimmer ein illegales Kartenspiel. Statt der versprochenen Million erbeuten sie nur eine halbe Million Dollar, was für einige Minuten Arbeit kein schlechter Stundenlohn ist. Dummerweise wird Stimmer nervös und er tötet einen der Spieler. Wie Stone später erfährt, ist es Louis Letteri und sein Schwiegervater, der Mafiosi Tino Conte, engagiert Eddie den Heiligen, einen gerade aus dem Knast entlassenen Psychopathen und skrupellosen Mörder. Eddie soll eigentlich nur Stimmer töten. Aber Eddie will auch die gesamte Beute haben.
Wallace Stroby, der vor „Kalter Schuss ins Herz“ bereits drei hochgelobte, nicht ins Deutsche übersetzte Krimis schrieb, stellt sich mit seinem ersten Crissa-Stone-Roman in die ehrenwerte Tradition des Hardboiled-Gangsterkrimis, der seine Geschichte schnörkellos, ohne Sentimentalitäten oder überflüssige Beschreibungen auf wenigen Seiten erzählt. Das ist, zwischen den dicken Serienkillerthrillern, den braven Ermittlerkrimis, den verschieden gelagerten Romantic Thrillern und den überdrehten, oft nur pseudo-witzigen Post-Tarantino-Gangstergrotesken, angenehm altmodisch. Auch wenn die Welt, in der Stone lebt, aufgrund der zunehmenden Totalüberwachung, immer mehr verschwindet,
„Kalter Schuss ins Herz“ ist ein guter Gangsterkrimi. Auch wenn Stone am Ende für einen Profi einen vollkommen dämlichen Fehler begeht. Sie stellt dem Killer Eddie eine Falle und denkt nicht daran, dass er diese Falle ahnt, sie umgeht und sie so überraschen kann. Das wäre Parker nicht passiert.
Nach „Kalter Schuss ins Herz“ schrieb Wallace Stroby bis jetzt drei weitere Abenteuer mit Crissa Stone, die hoffentlich bald auf Deutsch erscheinen.
Anmerkung 1: Das Cover führt ziemlich in die Irre. Denn die Geschichte spielt im Winter, um Weihnachten (obwohl sich niemand für das Fest interessiert) in und um New York herum, garniert mit einem kurzen Ausflug in den Süden.
Anmerkung 2: Im Nachwort hat sich auf Seite 344 ein ärgerlicher Fehler eingeschlichen. Denn natürlich ist mit „Peter Rave“ der bei uns fast vollkommen unbekannte Noir-Autor „Peter Rabe“ gemeint.

Wallace Stroby: Kalter Schuss ins Herz
(übersetzt von Alf Mayer)
Pendragon, 2015
352 Seiten
15,99 Euro

Originaltitel
Cold Shot to the Heart
St. Martin’s Press, 2011

Hinweise
Homepage von Wallace Stroby

Blog von Wallace Stroby

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One Response to Ein „Kalter Schuss ins Herz“ von Wallace Stroby

  1. Hi,

    hab den jetzt eingekauft und auch heute erhalten. Wird demnächst angegangen.
    Von Rabe hab ich auch ein Buch hier liegen, aber noch ungelesen.

    Gruß
    Günter

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