Neu im Kino/Filmkritik: Es führt keine „Highway to Hellas“

Das ist nicht „Local Hero“. Das ist nicht „Local Hero“. Das ist nicht „Local Hero“, obwohl die Prämisse von „Highway to Hellas“ sehr nach „Local Hero“ klingt, dieser herzigen Komödie von Bill Forsyth, in der ein US-Amerikaner aufgrund seines schottischen Namens ein abgelegen an der Küste gelegenes schottisches Dorf überzeugen soll, dass eine riesige Ölraffinerie vor der Haustür eine tolle Angelegenheit sei.
In „Highway to Hellas“ soll Jörg Geissner für die AVO-Bank die Sicherheiten für einen Kredit, den die Bank der griechischen Insel Paladiki vor Jahren zur Entwicklung des Tourismus gewährte, überprüfen. Die Inselbewohner sind von dem Besuch aus Deutschland nicht begeistert. Aber südländisch gewitzt wie sie sind, wollen sie den stocksteifen deutschen Aktenfresser so lange an der Nase herumführen, bis er bestätigt, dass die in der Realität nicht vorhandenen Sicherheiten für den Kredit vorhanden sind.
Deshalb beginnen die wenigen Inselbewohner (insgesamt scheint die Insel mit einem großen Leerstand bezugsfertiger Wohnungen nur von einer Handvoll Menschen bewohnt zu sein) mit einer Charade, die alles das enthält, was einem halt so einfällt, wenn man die bekannten Klischees über Griechenland und die Südeuropäer so sammelt. Es gibt also bunte Fassadenhäuser, epische Beerdigungen, reichlich Alkohol und wonneproppige Frauen. Es gibt Improvisationen und kleine Gemeinheiten, wenn Herr Geissner (gespielt von Christoph Maria Herbst, der seit Stromberg nur noch einen Typ spielen darf) auf einem Esel reitet oder, tags drauf, Sozius auf dem Motorrad des deutsch-griechischen Klein-Casanova-Einzelhändlers Gigolo Panos (Adam Bousdoukos) sein darf, das natürlich prompt liegen bleibt.
Diese eher weniger witzigen Episoden plätschern dann so aufregend wie eine schlechte „Traumschiff“-Folge bis zum vorhersehbaren und auch unbefriedigenden Ende vor sich hin. Da gibt es dann sogar ein, zwei Überraschungen, die, wenn sie früher präsentiert worden wären, auch aus dieser arg vor sich hin langatmigen Geschichte einen besseren Film gemacht hätten.
Allerdings, das muss auch gesagt werden, taugt das auf Harmonie machende Ende noch nicht einmal als Scheinlösung. Jedenfalls wenn man sich nur eine Zehntelsekunde fragt, was jetzt aus den Plänen der AVO-Bank wird. Diese und der Widerstand der Inselbewohner dagegen hätten die Grundlage für einen guten Film sein können. Aber die Macher drehten einen anderen Film.
So ist „Highway to Hellas“ vor allem behauptete Völkerverständigung mittels sich bestätigender Klischees.

Highway to Hellas - Plakat

Highway to Hellas (Deutschland 2015)
Regie: Aron Lehmann
Drehbuch: Arnd Schimkat, Moses Wolff, Aron Lehmann
LV/Buch zum Film (oder so): Arndt Schimkat/Moses Wolff: Highway to Hellas, 2014
mit Christoph Maria Herbst, Adam Bousdoukos, Akillas Karazisis, Christos Valavanidis, Giorgos Kotanidis, Rosalie Thomass, Eva Bay, Errikos Litsis, Gitta Schweighöfer
Länge: 89 Minuten
FSK: ab 6 Jahre

Hinweise
Homepage zum Film
Filmportal über „Highway to Hellas“
Film-Zeit über „Highway to Hellas“
Moviepilot über „Highway to Hellas“

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