TV-Tipp für den 1. Januar: Fräulein Smillas Gespür für Schnee

Dezember 31, 2015

Eins Plus, 20.15 (VPS 20.14)
Fräulein Smillas Gespür für Schnee (Deutschland/Dänemark/Schweden 1996, Regie: Bille August)
Drehbuch: Ann Biderman
LV: Peter Høeg: Frøken Smillas fornemmelse for sne, 1992 (Fräulein Smillas Gespür für Schnee)
Für die Polizei ist der Tod des kleinen Jungen ein tragischer Unfall. Für Fräulein Smilla ist es Mord. Die Suche nach dem Mörder führt sie in die Arktis.
Erstklassig besetzte, eher durchschnittliche Literaturverfilmung. Ist halt Qualitätskino ohne Ecken und Kanten.
Mit Julia Ormond, Gabriel Byrne, Richard Harris, Vanessa Redgrave, Robert Loggia, Mario Adorf
Hinweise
Rotten Tomatoes über „Fräulein Smillas Gespür für Schnee“
Wikipedia über „Fräulein Smillas Gespür für Schnee“ (deutsch, englisch)

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TV-Tipp für den 31. Dezember: Pop around the Clock

Dezember 30, 2015

3sat, ab 06.20
Pop around the Clock
Inzwischen gibt es das 24-Stunden-nur-Konzerte-zeigen-Programm auch an anderen Tagen und auf anderen Sendern, wie auf ZDFkultur, ZDFneo und Eins Plus (dort wird ab 17.45 Uhr gerockt mit dem Reeperbahn Festival). Aber nicht in dieser Menge. Außerdem sind die meisten Konzertmitschnitte (oder Ausschnitte) brandneu und erstmals (und oft auch letztmals) im Fernsehen zu sehen.
Es beginnt um 06.20 Uhr bluesig mit Joe Bonamassa. Um 07.05 Uhr gibt es dreißig Minuten B. B. King. Danach folgen, unter anderem, um 08.20 Uhr Frank Sinatra (Dank eines runden Geburtstages in aller Munde.), um 10.25 Uhr die Rolling Stones, um 11.00 Uhr die Dire Straits, um 12.15 Uhr Deep Purple, um 14.00 Uhr Shania Twain, um 14.45 Uhr Lynyrd Skynyrd, um 15.45 Uhr Bruce Springsteen, um 18.00 Uhr Eric Clapton (von seinen diesjährigen Royal-Albert-Hall-Konzerten, die ich besprochen habe), um 19.15 Uhr Jeff Lynne’s ELO (soll inzwischen ja musikalisch rehabilitiert sein) und danach wird es sehr uninteressant. Da helfen auch Aerosmith um 21.15 Uhr, die Fantastischen Vier um 01.30 Uhr und Lenny Kravitz um 4.15 Uhr nicht wirklich. Immerhin gibt es um 5.15 Uhr mit „The Who“ (das 2015er Hyde-Park-Konzert) und um 06.15 Uhr, als Abschluss, mit Status Quo, mit ihren größten Hits ein weniger popiges Ende.
Das vollständige Programm gibt es hier und etliche Konzerte bis Mitte Januar in der Mediathek.


Seamus Smyth spielt die „Spielarten der Rache“ durch

Dezember 30, 2015

Smyth - Spielarten der Rache - 2

In seinem Vorwort findet „pulp master“-Herausgeber Frank Nowatzki lobende Worte über Seamus Smyth, was nicht verwundert. Immerhin brachte er mit „Spielarten der Rache“ die erste Übersetzung eines Werkes des irischen Autors bei uns heraus und ein Verleger muss, auch wenn er nicht ständig damit hausiert, von seinen Büchern begeistert sein. Smyth wird allerdings auch von Kollegen wie Ken Bruen und Declan Burke, die beide Smyths 1999 erschienenes Debüt „Quinn“ für einen der wichtigsten irischen Kriminalromane der letzten Jahre halten, abgefeiert. In Japan und Frankreich erschienen seine Bücher. In seiner irischen Heimat nicht.
Wer dann im Internet über Seamus Smyth recherchiert, wird wenig finden.
Über „Red Dock“, so der Originaltitel von „Spielarten der Rache“, ist noch weniger zu finden, weil es anscheinend im englischsprachigen Raum immer noch nicht veröffentlicht wurde, obwohl Smyth den Roman bereits 2010 beendete und er schon in Frankreich veröffentlicht wurde. Dabei hat der Roman alles, was das Herz des Noir- und Hardboiled-Fans erfreut und auch in England, Irland und den USA gibt es für solche Romane ein Publikum.
Der im Original titelgebende Red Dock wurde als Kind zusammen mit seinem Zwillingsbruder in ein christliches Waisenhaus gegeben. Sein Bruder starb an den Misshandlungen durch die Klosterbrüder.
Als Erwachsener will er einen sich über Jahre erstreckenden Racheplan ausführen. Er entführt das Baby des Polizisten, der ihn im Waisenhaus ablieferte, erstellt eine falsche Geburtsurkunde und gibt das Baby in einem Waisenhaus ab. Die katholischen Schwestern nehmen es auf und zwanzig Jahre später macht sich Red, der in Dublin seine Brötchen als Gangster verdient, an sie, die inzwischen Lucille Kells heißt, heran. Jetzt will er sich endgültig an Chilly Winters, der ihn damals als zuständiger Polizist in dem Waisenhaus abgab, und seiner leiblichen Familie, die ein Gestüt betreibt, rächen.
Zur gleichen Zeit beschließt der Maler Cornelius Hockler, der als Serienmörder Picasso genannt wird und von der Polizei schon seit gut zehn Jahren erfolglos gesucht wird, seine Zeichenobjekte zuerst zu entführen und dann zu verstümmeln und zu töten. Bislang tat er es umgekehrt. Aber er hofft, in seinem Atelier mit einem lebendem Modell zu besseren Ergebnissen kommen.
Als er die auch als Prostituierte arbeitende Gemma, Lucilles Zimmergenossin, in einem Hotelzimmer tötet, fällt Red Dock eine Videoaufzeichnung davon in die Hände. Normalerweise werden die Aufnahmen benutzt, um von den honorigen und einflussreichen Freiern Geld oder Gefälligkeiten zu erpressen. In diesem Fall ist Red Dock eher an anderen Gefälligkeiten interessiert.
Smyth erzählt diese in Irland spielende Geschichte vor dem Hintergrund der Geschichte des Landes, was jetzt einerseits eine Selbstverständlichkeit ist, andererseits aber grell die unschöne Geschichte Irlands beleuchtet. Denn erst in den vergangenen Jahren wurden die Umtriebe der katholischen Kirche gegenüber Schutzbefohlenen thematisiert und breit diskutiert. Jeder wusste es oder ahnte es, aber alle schwiegen darüber.
„Spielarten der Rache“ ist kein perfekter Roman. Dafür ist der Racheplan von Red zwar perfide, aber über die Jahrzehnte, die er bis zur Vollendung braucht, auch viel zu anfällig für viel zu viele verschiedene Arten des Scheiterns. Und wenn Red nach dem Mord im Hotelzimmer die Identität von Hockler erfährt und ihn erpresst, auch etwas zu, hm, episodisch. So als habe Smyth einige Wendungen eingeführt, um auf die nötige Seitenzahl zu kommen. Es sind allerdings auch, weil kein Plan wie geplant funktioniert, einige sehr überraschende und hundsgemeine Wendungen.
Trotzdem ist Smyths Noir für alle, die von einem Roman mehr als nur ein Feierabendvergnügen, eine Ablenkung vom grauen Alltag erwarten, absolut lesenswert. Und jetzt sollte pulp master sich an das Übersetzen von „Quinn“ machen.

Seamus Smyth: Spielarten der Rache
(übersetzt von Ango Laina und Angelika Müller)
pulp master, 2015
272 Seiten
14,80 Euro

Originalausgabe
Red Dock
2010

Hinweis
pulp master über Seamus Smyth


TV-Tipp für den 30. Dezember: No Way Out – Es gibt kein Zurück

Dezember 30, 2015

Eins Plus, 22.15

No Way Out – Es gibt kein Zurück (USA 1987, Regie: Roger Donaldson)

Drehbuch: Robert Garland

LV: Kenneth Fearing: The big clock, 1946

Offizier Farrell hat eine Affäre mit der Geliebten des Verteidigungsministers. Als sie stirbt, soll Farrell die Spuren vertuschen und den Augenzeugen für die Tat finden: sich.

Enorm spannender Krimi mit Top-Besetzung und überraschenden Story-Twists bis zur letzten Sekunde.

Und wer danach noch nicht ins Bett will, sollte auf Eins Festival umschalten. Dort läuft ab 00.15 Uhr die gesamte britische Spionageserie „The Game“ über die Arbeit des MI5 in den frühen Siebzigern. Die Geheimagenten wollen eine große KGB-Operation vereiteln und einen Verräter in den eigenen Reihen finden. Meine Besprechung der deutlich von John le Carré beeinflussten Miniserie gibt es die Tage.

Mit Kevin Costner, Gene Hackman, Sean Young, Will Patton

Wiederholung: Donnerstag, 31. Dezember, 03.20 Uhr (Taggenau!)

Hinweise

Rotten Tomatoes über “No Way Out”

Wikipedia über „No Way Out“ (deutsch, englisch)

Meine Besprechung der früheren Verfilmung “Spiel mit dem Tode” (The Big Clock, USA 1947)

Meine Besprechung von Roger Donaldson Bill-Granger-Verfilmung „The November Man (The November Man, USA 2014)


Über Brian Azzarellos Interpretation von „Wonder Woman“

Dezember 29, 2015

Mit „Königin der Amazonen“, dem sechsten „Wonder Woman“-Sammelband im neuen DC-Universum, ist Brian Azzarellos Neuinterpretation der Geschichte von Wonder Woman zu Ende. In 35 Heften (bzw. sechs Sammelbänden) mit den Hauptzeichnern Goran Sudžuka, Cliff Chiang und Tony Akins erzählte er die Geschichte von Wonder Woman neu. Diana wuchs auf der Paradiesinsel Themyscira als Amazone auf. Erst später erfuhr sie von ihrer Mutter Hippolyta, dass ihr Vater Zeus ist.
Zeus (Ja, genau der Zeus aus dem alten Griechenland.) ist spurlos verschwunden und seine mehr oder weniger göttlichen Kinder zoffen sich ordentlich. Denn nach einer alten Prophezeiung soll das gerade geborene Kind der Menschenfrau Zola später einen Gott töten und dessen Thron besteigen. Daher wollen die Götter das Baby töten. Diana und ihre mehr oder weniger göttlichen Gefährten wollen das Baby beschützen und den Göttermord verhindern.
Dass die griechischen Götter oft recht irdische Anwandlungen hatten und ihre Konflikte in verschiedenen Welten, auch unter den Menschen, austrugen, hat man irgendwann in der Schule gelernt.
Brian Azzarello nimmt jetzt diese Mythologie, transformiert sie in die Gegenwart, verbindet sie mit der Geschichte von Wonder Woman, deren Herkunftsgeschichte hier eine umfassende Neubetrachtung erfährt, und die aus einer anderen Dimension kommenden New Gods, vertreten durch Orion, haben auch ein Gastspiel.
Dabei geht es neben dem Verhindern der Prophezeiung und ihrer düsteren Folgen und der Rettung des Thronnachfolgers, auch um Diana (aka Wonder Woman), die mit ihrer Herkunft und ihrer bis dato ungeahnten Bestimmung ins Reine kommen muss. Das alles wird mit großer Lust am Fabulieren erzählt. Auch wenn in dieser Geschichte, die mit „Königin der Amazonen“ ihren Abschluss findet, die Kämpfe und olympischen Familienzwistigkeiten der Götter und Halbgötter im Mittelpunkt stehen.
Ob das den 1941 von William Moulton Marston erfundenen Charakter wirklich fit für die Gegenwart macht, weiß ich nicht. Aber Brian Azzarellos Geschichte macht Spaß in ihrer kindischen Unbekümmertheit, mit der er sich aus dem reichhaltigen Fundus unserer Mythologien, vor allem bei den Griechen, bedient und sie, kongenial von den Zeichnern unterstützt, neu in schönster Space-Opera-Tradition zusammensetzt.
Jedenfalls geht die Geschichte von „Wonder Woman“, inzwischen von Meredith Finch geschrieben und ihrem Mann David Finch gezeichnet, weiter.
Und im Kino darf Gal Gadot in den nächsten Jahren in mehreren Spielfilmen Wonder Woman spielen. Ihren ersten Auftritt als Wonder Woman hat sie in dem am 24. März startenden Zack-Snyder-Film „Batman v Superman: Dawn of Justice“.
Azzarello - Wonder Woman 6 - 2
Brian Azzarello (Autor)/Goran Sudžuka/Cliff Chiang (Zeichner): Wonder Woman: Königin der Amazonen (Band 6)
(übersetzt von Steve Kups)
Panini, 2015
128 Seiten
16,99 Euro

Originalausgabe
Wonder Woman # 30 – 35
DC Comics, Juni 2014 – Dezember 2014

Hinweise

DC Comics über Wonder Woman

Wikipedia über Wonder Woman (deutsch, englisch) und über Brian Azzarello (deutsch, englisch)

Meine Besprechung von Brian Azzarello/Eduardo Rissos “Jonny Double” (Jonny Double, 2002)

Meine Besprechung von Brian Azzarello/Marcello Frusins “Loveless 1 – Blutrache” (Loveless: A Kin’ of Homecoming, 2006)

Meine Besprechung von Brian Azzarello/Marcello Frusins „Loveless 2 – Begraben in Blackwater“ (Loveless: Thicker than Blackwater, 2007)

Meine Besprechung von Brian Azzarello/Danijel Zezeljs „Loveless 3 – Saat der Vergeltung” (Loveless: Blackwater Falls, 2008)

Meine Besprechung von Brian Azzarello/Danijel Zezeljs “Loveless 4 – Stunde der Abrechnung” (Loveless, Vol. 19 – 24, 2008)

Meine Besprechung von Brian Azzarello/Eduardo Rissos “100 Bullets 3 – Alle guten Dinge” (100 Bullets: Hang up on the Hang Low, 2001)

Meine Besprechung von Brian Azzarello/Eduardo Rissos „100 Bullets 5 – Du sollst nicht töten“ (100 Bullets Vol. 5: The Counterfifth Detective, 2002)

Meine Besprechung von Brian Azzarello/Eduardo Rissos „100 Bullets – Dekadent (Band 10)“ (100 Bullets: Decayed, Volume 68 – 75)

Meine Besprechung von Brian Azzarellos/Eduardo Rissos „!00 Bullets: Das Einmaleins der Macht (Band 11)“ (100 Bullets: Once upon a crime, Volume 76 – 83)

Meine Besprechung von Brian Azzarello/Eduardo Rissos „100 Bullets: Das dreckige Dutzend (Band 12)“ (100 Bullets: Dirty, Volume 84 – 88)

Meine Besprechung von Brian Azzarello/Eduardo Rissos “100 Bullets: Freitag (Band 13) (100 Bullets: Wilt, Volume 89 – 100)

Meine Besprechung von Brian Azzarello (Autor)/Eduardo Risso (Zeichner): Batman – Kaputte Stadt, 2012 (Broken City: Part 1 – 5, Conclusio (Batman # 620 – 625), Dezember 2003 – Mai 2004)

Meine Besprechung von Brian Azzarellos “Wonder Woman: Blut (Band 1)” (Wonder Woman #1 – 6, 2011/2012)

Meine Besprechung von Brian Azzarello/Lee Bermejos „Before Watchmen: Rorschach“ (Before Watchmen: Rorschach – Damntown (Part One – Four), 2012/2013)


Cover der Woche

Dezember 29, 2015

Kahn - Die Rückkehr der Jedi-Ritter


TV-Tipp für den 29. Dezember: Tatort: Reifezeugnis

Dezember 28, 2015

WDR, 22.00

Tatort: Reifezeugnis (Deutschland 1977, Regie: Wolfgang Petersen)

Drehbuch: Herbert Lichtenfeld

Gymnisiastin Sina hat ein Verhältnis mit ihrem Lehrer Fichte. Als ein Klassenkamerad davon erfährt, erpresst er sie. Sie erschlägt ihn und Kommissar Finke hat einen neuen Fall.

Die Kommissar-Finke-Tatorte von Herbert Lichtenfeld und Wolfgang Petersen erstellten in der ersten Hälfte der Siebziger eine Ethnographie der norddeutschen Provinz. Sie gehören zu den zeitlosen Tatorten, die den legendären Ruf der Reihe begründeten und auch heute noch besser als die meisten aktuellen Tatorte sind. Ihre sechste und letzte Zusammenarbeit (Lichtenfeld schrieb noch einen weiteren Finke-Tatort) ist ein spannender Psychothriller, der sich in erster Linie für die Motive von Tätern und Opfern interessiert.

Der Klassiker „Reifezeugnis“ „stellt die Lüge eines gesicherten, konfliktfreien Lebens einmal nicht durch gesellschaftliche Verhältnisse, sondern durch die Größe einer Emotion in Frage, für die im antiautoritären Lebensentwurf nicht so leicht ein Platz zu finden ist. (…)

Über sieben Jahre hinweg entwickelte die Finke-Reihe, die Lichtenfeld und Petersen als junges Team begonnen hatten, eine erstaunliche inhaltliche, aber auch formale Kontinuität. Einen nicht geringen Anteil daran hat die Musik von Nils Sustrate (…) Vor allem aber natürlich Klaus Schwarzkopf, dessen zurückhaltendes, stilles und äußerst präzises Spiel die Grundlage bietet, auf der sich die Geschichten entfalten können und damit auch die beeindruckende Star-Galerie, die darin agiert.“ (Wolfgang Struck: Kommissar Finke und die Ethnographie der Provinz, in Eike Wenzel, Hrsg.: Tatort, 2000)

Nastassja Kinski wurde mit ihrer ersten Hauptrolle als Mörderin zum Star. Danach drehte sie „Tess“, „Cat People“, „One from the heart“ und „Paris,Texas“.

mit Klaus Schwarzkopf, Rüdiger Kirchstein, Nastassja Kinski, Christian Quadflieg, Judy Winter, Marcus Boysen

Hinweise

Wikipedia über „Reifezeugnis“

Tatort-Fundus über die Finke-Tatorte


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