Neu im Kino/Filmkritik: „Knock Knock“, wer klopft denn da an meine Tür?

Als Regisseur machte Eli Roth sich die letzten Jahre, eigentlich seit seinem 2007er Horrorfilm „Hostel 2“ (Hostel: Part 2) rar. Sein schon vor zwei Jahren auf Festivals gezeigter Kannibalenhorrorfilm „The Green Inferno“ soll bei uns im März 2016 auf DVD erscheinen. Es ist eine Hommage/Quasi-Remake von Ruggero Deodatos „Nackt und zerfleischt“ (Ultimo Mondo Cannibale/Cannibal Holocaust, Italien 1980), der in etlichen Ländern verboten ist, an der Kinokasse gut lief und inzwischen als Kultfilm gilt.
Auch Eli Roths neuester Film „Knock Knock“, wieder nach einem Drehbuch von ihm, Nicolás López und Guillermo Amoedo, mit denen er bereits „The Green Inferno“ schrieb, ist ein Remake. Allerdings ist Peter Traynors „Tödliche Spiele“ (Death Game, USA 1977) viel unbekannter (und dabei ist es unerheblich ob man den Film wirklich gesehen oder nur von ihm gehört hat) und es ist ein Thriller mit einem Star in der Hauptrolle.
Keanu Reeves spielt den glücklich verheirateten Architekten Evan Webber. Während seine Frau, eine erfolgreiche Künstlerin, mit ihren beiden Kindern über das Wochenende wegfährt, will er in aller Ruhe ein Projekt abschließen. Am Abend – Knock Knock – klopft es an seine Haustür und zwei junge, spärlich bekleidete, durchnässte Schönheiten stehen davor. Sie haben sich auf dem Weg zu einer Party gründlich verlaufen. Evan bittet sie hinein – sein erster Fehler – und er hilft ihnen mit Handtüchern und einem Anruf bei einem Taxiunternehmen aus.
Als das Taxi ankommt, springen Genesis (Lorenza Izzo) und Bel (Ana De Armas) unter die Dusche und sie verführen den Biedermann, der plötzlich williger als ein brünstiger Hengst ist, zu heißem Sex unter der Dusche. Das ist sein zweiter Fehler, der in den heutigen USA und bei ihrer allgegenwärtigen Hatz gegen Pädophile (und seine beiden Gäste sehen nicht sonderlich erwachsen aus) vollkommen unverständlich ist. Während wir uns noch fragen, warum er als treuer Ehemann nicht einfach vor die Tür zum Taxifahrer ging, quartieren sich die beiden Mädchen bei ihm ein, verwüsten seine Wohnung, fesseln den hoffnungslos überforderten Hausherrn und beginnen ein perfides Wahrheit-oder-Lüge-Spiel mit ihm, bei dem seine gesamte bürgerliche Existenz auf dem Spiel steht.
Das ist jetzt nicht der Auftakt für einen spannenden Psycho-Thriller, sondern für einen zunehmend absurden Film. Evan und die beiden Folterinnen, bei denen man nie genau weiß, ob sie jetzt die Wahrheit oder eine weiter Lüge erzählen und wie geistig zurechnungsfähig sie sind, verhalten sich durchgehend dumm und unvernünftig. Bei Evan wird das schon schnell offensichtlich. Denn er muss – obwohl er doch als intelligenter Mann eingeführt wird – während des gesamten Films eine Dummheit nach der nächsten begehen. Sogar wenn es ihm gelingt, zu flüchten, wird er schnell, aufgrund eigenen Verschuldens, von den beiden eher dumpfbackigen Perlen geschnappt. Wenn Genesis und Bel am Ende ihren großen, teuflischen Plan enthüllen, dann weiß man endgültig, dass eine Geschichte die vor knapp vierzig Jahren funktionierten konnte, heute, auch ohne Handy-Aufnahmen, unter keinen Umständen mehr funktioniert.
Und damit fällt das gesamte Moralstück über Untreue und Bestrafung schneller als ein Kartenhaus in sich zusammen. Immerhin bemüht Eli Roth sich hier durchgehend erfolgreich, seinen Torture-Porn-Ruf nicht gerecht zu werden. Und Keanu Reeves, der nach „John Wick“ ja wieder beliebt ist, hat „Knock Knock“ wohl primär als Zeitvertrieb vor seinen nächsten Filmen, wie Nicolas Winding Refns „The Neon Demon“, gesehen.

Knock Knock - Plakat

Knock Knock (Knock Knock, USA/Chile 2015)
Regie: Eli Roth
Drehbuch: Eli Roth, Nicolás López, Guillermo Amoedo (nach dem Drehbuch „Death Game“ von Anthony Overman und Michael Ronald Ross; ihrer einzigen Filmarbeit)
mit Keanu Reeves, Lorenza Izzo, Ana De Armas, Aaron Burns, Ignacia Allamand, Aaron Burns, Colleen Camp
Länge: 100 Minuten
FSK: ab 16 Jahre

Hinweise
Amerikanische Homepage zum Film
Deutsche Homepage zum Film
Film-Zeit über „Knock Knock“
Moviepilot über „Knock Knock“
Metacritic über „Knock Knock“
Rotten Tomatoes über „Knock Knock“
Wikipedia über „Knock Knock“

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