„Silhouette“ – Doctor Who auf Mörderjagd im viktorianischen London

Richards - Doctor Who - Silhouette - 2

Wer sein mühsam zusammengekratztes Geld nicht für „Krieg der Sterne“-Devotionalien ausgeben will, kann es einige Nummern kleiner im „Doctor Who“-Fanshop ausgeben. Denn in den vergangenen Jahren wurde aus der BBC-Serie, die vor über fünfzig Jahren als Programmfüller im Nachmittagsprogramm startete, ein weltweites Phänomen, bei dem alles, was gefeiert werden kann (wie neue und alte Doktoren und alle erdenklichen Jubiläen), gefeiert wird und die BBC auch eifrig Produkte zur Serie produziert.
Neben den DVDs, Figuren, Kaffeetassen und Kalendern gibt es auch unzählige Bücher, die teilweise Informationen über die Serie vermitteln, und oft, für alle Altersgruppen, neue Geschichten mit dem titelgebendem Doktor erzählen. Bei uns, wo die Serie zwar auf DVD veröffentlicht wird, aber nicht im TV läuft (keine Ahnung warum), veröffentlicht Cross Cult seit einigen Jahren „Doctor Who“-Romane. Allerdings nicht alle, die in Großbritannien erschienen sind, sondern nur eine kleine Auswahl. So schrieb Justin Richards seit 1994 schon über sechzig „Doctor Who“-Romane, aber „Silhouette“ mit dem zwölften Doktor (das ist der aktuelle und er wird von Peter Capaldi gespielt) ist sein erster auf Deutsch veröffentlichter „Doctor Who“-Roman.
Der Doktor ist ein vom Planeten Gallifrey stammender Timelord, der im gesamten All zu verschiedenen Zeiten (dank Zeitreisen kein Problem) Abenteuer erlebt, immer neugierig ist und in einer inzwischen arg altertümlichen Polizei-Notrufzelle (also jedenfalls sieht sein Raumschiff TARDIS für uns so aus) durch Raum und Zeit reist. Da bemerkt er im viktorianischen England eine postnukleare und daher unerklärliche Energiespitze. Zusammen mit seiner menschlichen Begleiterin Clara (der Doktor hat immer eine menschliche Begleitung) macht er sich auf den Weg nach London.
Dort wurde Marlowe Hapworth ermordet. In seinem verschlossenen Arbeitszimmer. Er hatte nach einem Besuch des Frostjahrmarkts, auf dem er etwas Beunruhigendes gesehen hatte, gerade begonnen, einen Brief an Madame Vastra, die große Detektivin, zu schreiben. Zur gleichen Zeit ist der Straßenkämpfer Rick Bellamy das jüngste Opfer einer Reihe unerklärlicher Todesfälle, in denen die Opfer auf den nächtlichen Straßen Londons ausgesagt wurden.
Zusammen mit Madame Vastra, einer Detektivin, ihrer Dienstmagd Jenny Flint und Strax, ein geklonter Sontaraner-Krieger mit handfester Problemlösungskompetenz und Freund von Bellamy, wollen der Doktor und Clara herausfinden, was im winterlichen London geschieht. Dabei scheinen die Attraktionen des Kuriositätenkabinetts, wie die Puppenspielerin Silhouette, das auf dem Frostjahrmarkt ist, mörderische Papiervögel und der mysteriöse Industrielle Orestes Milton (ein weiterer Außerirdischer) etwas mit den Morden zu tun haben.
Auch wenn die „Doctor Who“-Geschichte „Silhouette“ wie ein klassischer Rätselkrimi beginnt, interessiert Justin Richards sich nicht sonderlich für den klassischen Rätselplot. Schnell verrät er die Täter und auch wie der Mord in dem geschlossenen Zimmer geschah. Denn er will – und das gelingt ihm auch – eine flott zu lesende Abenteuergeschichte erzählen, die eine satte Portion Humor, einige schöne Anspielungen (auch wenn Sherlock Holmes nicht auftaucht), erinnerungswürdige Charaktere und reichlich Action hat. Bis zur weltbedrohenden Schlussschlacht, die, immerhin hat der Doktor einen Plan, auf dem sich teilweise auf die Themse erstreckendem Frostjahrmarkt anders als erwartet endet.
Um das, bei einer englischen Tasse Tee zu genießen, muss man noch nicht einmal ein Fan der TV-Serie sein.
Als Bonusmaterial der deutschen Ausgabe gibt es ein von Susanne Döpke geführtes Interview mit Peter Capaldi (Doctor Who) und Jenna Coleman (seine Begleiterin Clara).

Justin Richards: Doctor Who: Silhouette
(übersetzt von Susanne Döpke)
Cross Cult, 2015
256 Seiten
12,80 Euro

Originalausgabe
Doctor Who: Silhouette
BBC Books/Penguin Random, 2014

Hinweise

Homepage von Justin Richards

Wikipedia über Justin Richards

BBC über „Doctor Who“ (englisch)

„Doctor Who“-Homebase (via BBC)

Wikipedia über „Doctor Who“ (deutsch, englisch)

BBC-YouTube-“Doctor Who“-Kanal (zum Abtauchen in den Strudel jenseits von Raum und Zeit)

Meine Besprechung von Stephen Baxters „Doctor Who: Rad aus Eis“ (Dcotor Who: The Wheel of Ice, 2012)

Meine Besprechung des Sammelbandes „Doctor Who: 11 Autoren – 11 Geschichten“ (Doctor Who – 11 Doctors 11 Stories, 2013)

Meine Besprechung von Terry McDonoughs Spielfilm über die Anfänge von „Doctor Who“ „Ein Abenteuer in Raum und Zeit“ (An Adventure in Space and Time, Großbritannien 2013)

2 Antworten zu „Silhouette“ – Doctor Who auf Mörderjagd im viktorianischen London

  1. Michaela sagt:

    Schön geschrieben!
    Nur: bedeutet die Vorsilbe „post „nicht „nach“? Postnuklear ergibt dann keinen Sinn im viktorianischen London. Ansonsten ein tolles Buch, das ich ebenfalls empfehlen kann!

  2. AxelB sagt:

    Doch, weil sonst Doctor Who nicht darauf aufmerksam geworden wäre. Aber ein Ereignis, das zu dieser Zeit noch nicht möglich war, ist natürlich etwas, das der Doktor sich ansehen muss; so wie das Auftauchen eines Smartphones in den fünfziger Jahren.

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