Neu im Kino/Filmkritik: „Die 5. Welle“ der Aliens, der Beginn einer weiteren Trilogie

Dystopien mit jugendlichen Protagonisten sind derzeit in Hollywood beliebt. Gerne – siehe „Die Tribute von Panem“ und die „Divergent“-Serie – mit einer Heldin und meist als Trilogie, wobei der dritte Teil aus kommerziellen Erwägungen gerne auf zwei Filme aufgespaltet wird. Auch wenn nicht jede dieser Romanverfilmungen an der Kinokasse überzeugt und so in den letzten Jahren aus einigen geplanten Trilogien ein Einzelfilm wurde.
„Die 5. Welle“ schwimmt in diesem Fahrwasser mit. Als Verfilmung des gleichnamigen Romans von Rick Yancey, der ebenfalls der Auftakt für eine Trilogie war. Der dritte Band „The Last Star“ erscheint im Mai in den USA. Entsprechend vertraut sind viele Elemente. Dieses Mal sind es Außerirdische, die die Menschheit ausrotten wollen und dafür mehrere für uns bedrohliche Angriffswellen starten. Mit der titelgebenden fünften Welle wollen sie ihr Werk vollendeten.
Cassie Sullivan (Chloë Grace Moretz) ist das typische patente All-American-Girl, das einen jüngeren Bruder und nette Eltern hat und mitten im Heartland der USA lebt. Als ihre Mutter stirbt und die Anschläge der Außerirdischen immer schlimmer werden, verlassen sie zu Fuß, in Wandererausrüstung, ihr Haus. In einem nahe gelegenem, selbst organisiertem, im Wald liegendem Flüchtlingscamp kommen sie unter. Als das Militär kommt und sie zu einer nahe gelegenen Kaserne bringen will, stirbt Cassies Vater und sie wird von ihrem Bruder getrennt. Allein macht Cassie sich auf den Weg zur Kaserne, die sie am Filmende auch erreicht.
Dort werden Jugendliche, wozu auch ihr Bruder und ihre Schulhofschwärmerei zählen, zum Kampf gegen die Außerirdischen, die inzwischen in einigen menschlichen Körpern leben, ausgebildet.
Das ist, abgesehen davon, dass Cassie auf einem Highway angeschossen wird und von ihrem zukünftigen Freund in dessen abgelegenem elterlichen Haus gepflegt wird, die gesamte Geschichte von „Die 5. Welle“, die als eigenständiger Film kaum funktioniert und es auch überhaupt nicht will. Es ist der erste Teil einer größeren Geschichte. Die Prämisse, die Welt in der die Geschichte spielt und die wichtigsten Charaktere werden vorgestellt. Mehr nicht. Und das geschieht durchaus kurzweilig, aber auch vollkommen überraschungsarm bis zum Schluss, wenn die Jungs mit den Schusswaffen herumlaufen, während Cassie ihnen, ganz so, wie es sich für das Bild der hilfsbedürftig-unselbständigen Frau gehört, hinterherläuft.
Sowieso ist die politische Botschaft zu penetrant um sie zu übersehen. Sie wird zwar nie explizit angesprochen, wie in dem Antikommunistenfilm „Die rote Flut“ (USA 1984), aber es ist offensichtlich, dass die Außerirdischen, die sich in jedem Menschen verstecken können, nur die gesichtslose Metapher für konservative bis reaktionäre Bedrohungsängste sind und diese Gefahr nur aus dem immer grünen und waldreichen Hinterland, in dem jeder Junge mit der Waffe umgehen kann, bekämpft werden kann. Das ist so offensichtlich und so platt und so todernst als Pfadfinder- und Vigilantenertüchtigung inszeniert, dass es einen schon etwas irritiert zurücklässt. Gerade weil diese reaktionäre Botschaft in den anderen Jugenddystopien nicht so platt formuliert wird. Wobei J Blakeson sie, im Gegensatz zu „Die rote Flut“-Regisseur John Milius, auch nie in letzter Konsequenz ausformuliert. Jedenfalls nicht in „Die 5. Welle“. Es gibt, immerhin spielt ein großer Teil des Films in einem militärischem Ausbildungslager für Kinder und Jugendliche, auch keine Kritik am Militarismus oder der perfiden Logik, dass Kinder leichter als Erwachsene für einen Kampf manipuliert werden können. Die gab es in „Ender’s Game – Das große Spiel“ (der auf Mainstream gebügelten Verfilmung von Orson Scott Cards Science-Fiction-Klassiker) wesentlich konsequenter.
„Die 5. Welle“ ist eine weitere Jugenddystopie, die durchaus interessante Ansätze hat, aber auch nur der Beginn eines Abenteuers ist, über das erst wirklich nach den nächsten beiden Filmen etwas gesagt werden kann.

Die fünfte Welle - Plakat

Die 5. Welle (The 5th Wave, USA 2015)
Regie: J Blakeson
Drehbuch: Susannah Grant, Akiva Goldsman, Jeff Pinkner
LV: Rick Yancey: The 5th Wave, 2013 (Die 5. Welle)
mit Chloë Grace Moretz, Nick Robinson, Ron Livingston, Maggie Siff, Alex Roe, Maria Bello, Maika Monroe, Liev Schreiber
Länge: 117 Minuten
FSK: ab 12 Jahre

Hinweise
Deutsche Homepage zum Film
Englische Homepage zum Film
Moviepilot über „Die 5. Welle“
Metacritic über „Die 5. Welle“
Rotten Tomatoes über „Die 5. Welle“
Wikipedia über „Die 5. Welle“ (deutsch, englisch)
Homepage von Rick Yancey
Meine Besprechung von J Blakesons „Spurlos – Die Entführung der Alice Creed (The Disappearance of Alice Creed, GB 2009)

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