TV-Tipp für den 1. März: Der Ghostwriter

Februar 29, 2016

Pro7 Maxx, 20.15

Der Ghostwriter (Frankreich/Deutschland/Großbritannien 2010. Regie: Roman Polanski)

Drehbuch: Robert Harris, Roman Polanski

LV: Robert Harris: The Ghost, 2007 (Ghost, Der Ghostwriter)

Ein Autor soll innerhalb weniger Tage die Biographie des ehemaligen britischen Premierministers Adam Lang ghostwriten. Als Lang wegen Kriegsverbrechen im „Krieg gegen den Terror“ angeklagt wird, beginnt der gänzlich unpolitische Autor auf eigene Faust zu recherchieren.

Glänzend besetzter, grandioser Paranoia-Thriller, der an Polanskis frühere Filme, wie „Chinatown“ und „Der Mieter“, anknüpft. Mehr in meiner ausführlichen Besprechung.

mit Ewan McGregor, Pierce Brosnan, Olivia Williams (die eigentlich viel zu jung für ihre Rolle ist), Kim Cattrall, Tom Wilkinson, James Belushi, Timothy Hutton, Eli Wallach (die letzten drei haben nur Kleinstrollen)

Wiederholung: Mittwoch, 2. März, 00.50 Uhr (Taggenau!)

Hinweise

Deutsche Homepage zum Film

Amerikanische Homepage zum Film

Film-Zeit über „Der Ghostwriter“

Metacritic über “Der Ghostwriter”

Rotten Tomatoes über “Der Ghostwriter”

Wikipedia über “Der Ghostwriter” (deutsch, englisch)

Tagesspiegel: Kurzes Interview mit Robert Harris zum Film (13. Februar 2010)

Die Welt: Interview mit Robert Harris zum Film (12. Februar 2010)

Krimi-Couch über Robert Harris

Wikipedia über Robert Harris (deutsch, englisch)

Drehbuch “The Ghostwriter” (aka The Ghost” von Robert Harris und Roman Polanski (nach dem Roman von Robert Harris)

Die Berlinale-Pressekonferenz zu “Der Ghostwriter” (12. Februar 2010)

Meine Besprechung von Roman Polanskis „Der Ghostwriter“ (The Ghost Writer, Frankreich/Deutschland/Großbritannien 2010)

Meine Besprechung von Roman Polanskis “Venus im Pelz” (La Vénus á la Forrure, Frankreich/Polen 2013)

Advertisements

DVD-Kritik: „Lucia – Engel des Todes?“ oder ein Opfer der Justiz?

Februar 29, 2016

Lucia de Berk ist eine engagierte Krankenschwester, die sich mehr als liebevoll um ihre Patienten, oft ältere Menschen und Babys, kümmert und dafür auch ihre Pause und ihren Feierabend etwas später nimmt. Vor allem wenn die Patienten gesundheitliche Probleme haben. Da fällt dem Klinikleiter eine verdächtige Häufung der Todesfälle in der Schicht von Lucia de Berk auf. Die Staatsanwaltschaft ist zunächst skeptisch, aber nachdem die junge Staatsanwältin Judith Jansen ihrer Vorgesetzten eine für einen Prozess überzeugende Indizienbeweisführung liefert, wird Lucia de Berks Leben auf den Kopf gestellt. Ihr übergroßes Engagement während der Arbeit, ihr teils verschlossenes, teils abweisendes Wesen gegenüber ihren Kollegen und ihre Vergangenheit als Prostituierte werden ihr vorgeworfen. Es gibt eine regelrechte Hexenjagd gegen den Engel des Todes. Schon vor der Verurteilung wird sie von der Öffentlichkeit schuldig gesprochen.
Am 24. März 2003 wird sie in Den Haag wegen mehrfachen Mordes zu einer lebenslangen Haftstrafe verurteilt. Und damit könnte der wahre Fall, der in „Lucia – Engel des Todes?“ erzählt wird, zu Ende sein.
Aber Lucia de Berk behauptet, dass sie unschuldig sei. Ihr Mann und einige Freunde glauben ihr und kämpfen um eine Wiederaufnahme des Verfahrens. Ein Verteidiger erkennt in der Anklage und dem Urteil eklatante Fehler. Dennoch sind seine Bemühungen in der Berufungsverhandlung erfolglos. Aber sie kämpfen weiter und am 14. April 2010 wird sie vom Hohen Rat der Niederlande, dem dortigen obersten Gericht, freigesprochen. Ihre Verurteilung war ein offensichtliches Fehlurteil, das durch den Freispruch bereinigt wurde. Die breite niederländische Öffentlichkeit erfuhr davon, obwohl auch der Freispruch durch die Medien ging, anscheinend nichts. Jedenfalls sagen das die Schauspieler im Bonusmaterial zu „Lucia – Engel des Todes?“. Sie hatten zwar von dem Prozess gehört, der damals in den Niederlande wohl von einer regelrechten Hexenjagd begleitet wurde, aber nichts von dem Freispruch.
Paula van der Oest erzählt jetzt in „Lucia – Engel des Todes?“ in ruhigen Bildern die Geschichte des Verfahrens und der Angeklagten Lucia de Berk. Dabei erzählt sie den skandalösen Fall in all seinen Facetten und betont objektiv, was dann auch dazu führt, dass man die Geschichte, milde gelangweilt, wie ein gutes Fernsehspiel verfolgt. Alles ist ausgewogen. Keine Person und keine Institution wird angeklagt. Eine richtige Empörung will sich nicht einstellen.
Außerdem sorgt im Film (keine Ahnung, ob es in der Realität auch so war) die junge Staatsanwältin Judith Jansen, die zuerst die Grundlage für die Anklage liefert, einige Jahre später auch für den Freispruch. Und die Gerichtsverhandlungen erscheinen (vielleicht auch, weil einige Verfahrensabläufe, die jeder Niederländer kennt, hier unbekannt sind) auch eher wie die Parodie eines ordentlichen Gerichtsverfahrens. Denn auch nachdem handfeste Beweise für die Unschuld der Angeklagten vorhanden sind, werden sie ignoriert, weil sie gerade nicht in das Verfahren passen.
In diesen Momenten ahnt man, was man aus de Berks Fall hätte machen können. Aber so ist „Lucia – Engel des Todes?“ nur eine durchaus ehrenwerte, aber nie packende Chronik der Ereignisse.

Lucia - Engel des Todes - BluRay

Lucia – Engel des Todes? (Lucia de B., Niederlande 2014)
Regie: Paula van der Oest
Drehbuch: Moniek Kramer, Tijs van Marle
mit Ariane Schluter, Sallie Harmsen, Fedja Van Huet, Barry Atsma, Annet Malherbe, Maartje Remmers, Lineke Rijxman, Kaltoum Boufangacha, Ad Knippels, Isis Cabolet, Bas Keijzer, Amanda Ooms, Marwan Kenzari, Marcel Musters

Blu-ray
edel
Bild: 1080i50 (16:9)
Ton: Deutsch, Niederländisch (DTS-HD Master Audio 5.1)
Untertitel: Deutsch
Bonusmaterial: Making of
Länge: 103 Minuten
FSK: ab 12 Jahre
(DVD identisch)

Hinweise
Moviepilot über „Lucia – Engel des Todes?“
Rotten Tomatoes über „Lucia – Engel des Todes?“
Wikipedia über „Lucia – Engel des Todes?“ (englisch, niederländisch) und Lucia de Berk (englisch, niederländisch)


TV-Tipp für den 29. Februar: Die NPD – Der falsche Feind?

Februar 29, 2016

ARD, 22.45
Die NPD – Der falsche Feind? (Deutschland 2016, Regie: Heiner Hoffmann, Ulrich Neumann)
Drehbuch: Heiner Hoffmann, Ulrich Neumann
45-minütige Doku, die einen Tag bevor am Bundesverfassungsgericht das zweite Verbotsverfahren gegen die NPD beginnt, bringen Heiner Hoffmann und Ulrich Neumann uns auf den neuesten Stand und fragen nach dem Sinn und Unsinn des Verfahrens.
Wiederholung: Dienstag, 1. März, 04.45 Uhr (Taggenau!)
Hinweis
ARD über die Doku (die es dann sicher auch in der Mediathek gibt)


TV-Tipp für den 28. Februar: The Hot Spot – Spiel mit dem Feuer

Februar 28, 2016

Tele 5, 20.15

The Hot Spot – Spiel mit dem Feuer (USA 1990, Regie: Dennis Hopper)

Drehbuch: Nona Tyson, Charles Williams

LV: Charles Williams: Hell hath no fury, The Hot Spot, 1953 (Bis dass der Mord euch scheidet, Spiel mit dem Feuer, The Hot Spot – Spiel mit dem Feuer)

Aus dem Nichts taucht Harry Maddox in einem texanischen Provinzkaff auf. Er will nur die Bank überfallen. Aber nachdem er mit zwei Frauen ein Verhältnis beginnt, gerät sein einfacher Plan aus dem Ruder.

Schwüler Film Noir mit einem glänzenden Soundtrack (Miles Davis, John Lee Hooker) und grandios aufspielenden Schauspielern. Eine gelungene Liebeserklärung an die Klassiker.

Mit Don Johnson, Virginia Madsen, Jennifer Connelly, Charles Martin Smith, William Sadler, Jerry Hardin

Wiederholung: Montag, 29. Februar, 02.00 Uhr (Taggenau!)

Hinweise

Rotten Tomatoes über „The Hot Spot“

Wikipedia über „The Hot Spot“ (deutsch, englisch)

Wikipedia über Charles Williams

Mysteryfile: Bill Crider über Charles Williams

NoirZine: Ed Lynskey über Charles Williams


TV-Tipp für den 27. Februar: Tatort: Gegenspieler

Februar 27, 2016

HR, 21.40
Tatort: Gegenspieler (Deutschland 1987, Regie: Reinhard Schwabenitzky)
Drehbuch: Ulf Miehe, Klaus Richter
Der vorbestrafte Jürgen Koch gibt den Überfall auf eine Tankstelle zu. Aber mit der späteren Fahrerflucht will er nichts zu tun haben. Kommissar Lenz sucht den Mörder.
Der letzte Auftritt von Helmut Fischer als Kommissar Lenz ist eine ironisch erzählte Geschichte über einen kleinen Gauner, Gaunereien, einen Mord, Zufälle, Schicksal und einer seiner besten Fälle.
Das Team Schwabenitzky/Miehe/Richter ist auch für den ebenso gelungenen, vorletzten Lenz-Tatort „Die Macht des Schicksals“ verantwortlich.
Mit Helmut Fischer, Georg Einerdinger, Henner Quest, Rolf Castell, Uschi Wolff, Karl Michael Vogler, Johanna von Koczian, Max Tidof

Hinweise

Tatort-Fundus über Kommissar Lenz

Lexikon der deutschen Krimi-Autoren über Ulf Miehe

Wikipedia über Ulf Miehe

Meine Besprechung von Ulf Miehes „Puma“

Meine Besprechung von Ulf Miehes „Lilli Berlin“

Ulf Miehe in der Kriminalakte


„Sicario“ – der grandiose Soundtrack von Jóhann Jóhannsson

Februar 26, 2016

Im Thriller „Sicario“ ist Jóhann Jóhannssons Musik, die unter anderem für den Oscar und den BAFTA-Award nominiert wurde, enorm effektiv, aber funktioniert sie auch ohne die Bilder?
Der Isländer Jóhannson begann im musikalischen Feld zwischen Avantgarde und Neuer Musik, schrieb Musik für das Theater, veröffentlichte seit 2002 mehrere CDs, und schrieb auch etliche Filmmusiken. Denn, abseits der zeitlichen Begrenzung der einzelnen Musikstücke und der dem Film dienenden Funktion, hat man hier als Komponist die absolute Narrenfreiheit. Solange es die Stimmung des Films und der Szene verstärkt, kann man alles ausprobieren und sich aller möglichen Stile und Stilistiken bedienen.
Bekannter bei einem breiten Publikum wurde Jóhannsson mit dem Oscar-nominierten Soundtrack für das Stephen-Hawking-Biopic „Die Entdeckung der Unendlichkeit“ und für das Drama „Prisoners“, seine erste Zusammenarbeit mit Denis Villeneuve, dem Regisseur von „Sicario“. Für seinen Thriller über den Drogenkrieg an der amerikanisch-mexikanischen Grenze wollte Villeneuve eine Musik, die man auch fühlen könne, die sich anhöre wie eine aus dem Untergrund kommende Bedrohung, die die Brutalität und den Verfall unserer Werte und die Traurigkeit Mexikos über seine derzeitige Lage miteinander verbinde und musikalisch erfahrbar mache.
Jóhann Jóhannssons Filmmusik hört sich dann auch wie ein vor sich hin dösendes Monster, mit dem man im gleichen Raum ist und das man unter keinen Umständen wecken will, an. Es ist eine wuchtige Verbindung von Orchester- und elektronischen Klängen zu einer düsteren Ambient-Collage, die fast vollkommen auf herkömmliche Melodien und gänzlich auf folkloristische Elemente verzichtet. Und auch ohne die Bilder ist seine Musik enorm effektiv im Erzeugen eines wohligen Unwohlseins, die vor allem dystopische Bilder heraufbeschwört.
Sicario - Soundtrack
Jóhann Jóhannsson: Sicario (Soundtrack)
Varése Sarabande, 2015
54 Minuten

Hinweise
Homepage von Jóhann Jóhannsson
Wikipedia über Jóhann Jóhannsson (deutsch, englisch)
AllMusic über Jóhann Jóhannsson
Meine Besprechung von Denis Villeneuves „Sicario“ (Sicario, USA 2015) (Filmkritik; DVD-Kritik [die DVD enthält auch ein informatives Feature über die Filmmusik)


TV-Tipp für den 26. Februar: Letzte Spur Berlin: Arbeitswut

Februar 26, 2016

ZDF, 21.15
Letzte Spur Berlin: Arbeitswut (Deutschland 2016, Regie: Samira Radsi)
Buch: Marianne Wendt, Christian Schiller
Erfinder: Orkun Ertener
Eigentlich suchen die Polizisten in „Letzte Spur Berlin“ Vermisste. Heute, zum Auftakt der fünften Staffel (bestehend aus zehn 45-minütigen und einem 90-minütigem Fall) gibt es dann den üblichen Geiselnehmerfall, bei dem gerade zufällig ein Teammitglied (Uups, und überzufällig auch der allen noch unbekannte Team-Neuzugang) Geisel wird. Die Macher halten das wohl immer für eine besonders spektakuläre und damit besonders gute Folge. Meistens stimmt das nicht und auch „Arbeitswut“ hätte besser ohne die geiselgenommene Polizistin Mina Amiri (Jasmin Tabatabai) funktioniert. Immerhin wird sie von Jörg Schüttauf geiselgenommen. Er spielt einen Arbeitslosen, der nur mit seiner Sachbearbeiterin sprechen will. Dummerweise erschien sie heute nicht zum Dienst. Amiris Chef, Kommissar Oliver Radek (Hans-Werner Meyer) und ihr Kollege Mark Lohmann (Bert Tischendorf) suchen die Verschwundene und versuchen herauszufinden, warum sie spurlos verschwand.
Der Staffelauftakt ist als Fall eher mau: am Anfang ist die Kamera viel zu hektisch, der Ablauf der Geiselnahme und der Verhandlungen folgt dann mehr dem Willen des Drehbuchautors als einer realen Geiselnahme und erreicht auch nie die Qualität von „Flashpoint“ (wo das Spezialteam über mehrere Staffeln fast nur mit Geiselnahmen beschäftigt war) oder „Without a Trace“ (wo das Spezialteam über mehrere Staffeln spurlos verschwundene Personen suchte). Bei diesen beiden Serien hatte ich immer den Eindruck, dass sie sich, von einigen notwendigen Dramatisierungen (die mit zunehmender Folgenzahl zunahmen), nah an der Wirklichkeit bewegten. Bei „Arbeitswut“ hatte ich nie diesen Eindruck von Wirklichkeitsnähe in der Polizeiarbeit. Auch das Ende der Episode ist schwächer als nötig.
Auf der Haben-Seite steht allerdings ein gut eingespieltes, sympathisches Team, eine wohltuende Konzentration auf den, abseits der geäußerten Bedenken, insgesamt schlüssig aufgebauten Fall (mit einigen treffenden Einblicken in die Arbeit der Arbeitsagentur) und ein durchaus flottes Erzähltempo.
Für Ungeduldige zeigt ZDFneo die Folgen vor dem Freitagtermin bereits dienstags um 21.45 Uhr.
Mit Hans-Werner Meyer, Jasmin Tabatabai, Bert Tischendorf, Josephin Busch, Jörg Schüttauf, Claudia Geisler-Bading, Susanne Bormann, Lina Wendel
Hinweise
ZDF über „Letzte Spur Berlin“
Wikipedia über „Letzte Spur Berlin“


%d Bloggern gefällt das: