DVD-Kritik: „Lucia – Engel des Todes?“ oder ein Opfer der Justiz?

Lucia de Berk ist eine engagierte Krankenschwester, die sich mehr als liebevoll um ihre Patienten, oft ältere Menschen und Babys, kümmert und dafür auch ihre Pause und ihren Feierabend etwas später nimmt. Vor allem wenn die Patienten gesundheitliche Probleme haben. Da fällt dem Klinikleiter eine verdächtige Häufung der Todesfälle in der Schicht von Lucia de Berk auf. Die Staatsanwaltschaft ist zunächst skeptisch, aber nachdem die junge Staatsanwältin Judith Jansen ihrer Vorgesetzten eine für einen Prozess überzeugende Indizienbeweisführung liefert, wird Lucia de Berks Leben auf den Kopf gestellt. Ihr übergroßes Engagement während der Arbeit, ihr teils verschlossenes, teils abweisendes Wesen gegenüber ihren Kollegen und ihre Vergangenheit als Prostituierte werden ihr vorgeworfen. Es gibt eine regelrechte Hexenjagd gegen den Engel des Todes. Schon vor der Verurteilung wird sie von der Öffentlichkeit schuldig gesprochen.
Am 24. März 2003 wird sie in Den Haag wegen mehrfachen Mordes zu einer lebenslangen Haftstrafe verurteilt. Und damit könnte der wahre Fall, der in „Lucia – Engel des Todes?“ erzählt wird, zu Ende sein.
Aber Lucia de Berk behauptet, dass sie unschuldig sei. Ihr Mann und einige Freunde glauben ihr und kämpfen um eine Wiederaufnahme des Verfahrens. Ein Verteidiger erkennt in der Anklage und dem Urteil eklatante Fehler. Dennoch sind seine Bemühungen in der Berufungsverhandlung erfolglos. Aber sie kämpfen weiter und am 14. April 2010 wird sie vom Hohen Rat der Niederlande, dem dortigen obersten Gericht, freigesprochen. Ihre Verurteilung war ein offensichtliches Fehlurteil, das durch den Freispruch bereinigt wurde. Die breite niederländische Öffentlichkeit erfuhr davon, obwohl auch der Freispruch durch die Medien ging, anscheinend nichts. Jedenfalls sagen das die Schauspieler im Bonusmaterial zu „Lucia – Engel des Todes?“. Sie hatten zwar von dem Prozess gehört, der damals in den Niederlande wohl von einer regelrechten Hexenjagd begleitet wurde, aber nichts von dem Freispruch.
Paula van der Oest erzählt jetzt in „Lucia – Engel des Todes?“ in ruhigen Bildern die Geschichte des Verfahrens und der Angeklagten Lucia de Berk. Dabei erzählt sie den skandalösen Fall in all seinen Facetten und betont objektiv, was dann auch dazu führt, dass man die Geschichte, milde gelangweilt, wie ein gutes Fernsehspiel verfolgt. Alles ist ausgewogen. Keine Person und keine Institution wird angeklagt. Eine richtige Empörung will sich nicht einstellen.
Außerdem sorgt im Film (keine Ahnung, ob es in der Realität auch so war) die junge Staatsanwältin Judith Jansen, die zuerst die Grundlage für die Anklage liefert, einige Jahre später auch für den Freispruch. Und die Gerichtsverhandlungen erscheinen (vielleicht auch, weil einige Verfahrensabläufe, die jeder Niederländer kennt, hier unbekannt sind) auch eher wie die Parodie eines ordentlichen Gerichtsverfahrens. Denn auch nachdem handfeste Beweise für die Unschuld der Angeklagten vorhanden sind, werden sie ignoriert, weil sie gerade nicht in das Verfahren passen.
In diesen Momenten ahnt man, was man aus de Berks Fall hätte machen können. Aber so ist „Lucia – Engel des Todes?“ nur eine durchaus ehrenwerte, aber nie packende Chronik der Ereignisse.

Lucia - Engel des Todes - BluRay

Lucia – Engel des Todes? (Lucia de B., Niederlande 2014)
Regie: Paula van der Oest
Drehbuch: Moniek Kramer, Tijs van Marle
mit Ariane Schluter, Sallie Harmsen, Fedja Van Huet, Barry Atsma, Annet Malherbe, Maartje Remmers, Lineke Rijxman, Kaltoum Boufangacha, Ad Knippels, Isis Cabolet, Bas Keijzer, Amanda Ooms, Marwan Kenzari, Marcel Musters

Blu-ray
edel
Bild: 1080i50 (16:9)
Ton: Deutsch, Niederländisch (DTS-HD Master Audio 5.1)
Untertitel: Deutsch
Bonusmaterial: Making of
Länge: 103 Minuten
FSK: ab 12 Jahre
(DVD identisch)

Hinweise
Moviepilot über „Lucia – Engel des Todes?“
Rotten Tomatoes über „Lucia – Engel des Todes?“
Wikipedia über „Lucia – Engel des Todes?“ (englisch, niederländisch) und Lucia de Berk (englisch, niederländisch)

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