Kurzkritik: Über William Giraldis „Wolfsnächte“

Giraldi - Wolfsnächte

Auf dem Cover von William Giraldis „Wolfsnächte“ steht „Thriller“ und die ersten Seiten lassen einen Jack-London-Roman erwarten: Tierforscher und Naturschriftsteller Russell Core wird von Medora Slone gebeten ihren von den Wölfen aus dem Dorf Keelut verschleppten sechsjährigen Sohn zu finden und den Wolf zu töten. Er sei das jüngste Opfer der Wölfe, die sich bereits mehrere Kinder aus Keelut geholt haben. Core, der weiß, dass Wölfe normalerweise Menschen meiden und höchstens wenn sie hungrig sind, Menschen töten, beginnt den Wolf in der Wildnis von Alaska zu jagen.

Diese Thrillergeschichte nimmt schnell eine überraschende Wende. Denn bereits auf Seite fünfzig entdeckt Core die Leiche von Bailey im Keller des Hauses. Und als Täterin kommt nur Baileys Mutter Medora in Frage. Sie ist in die Wildnis geflüchtet.

Kurz darauf kommt ihr Mann Vernon aus dem Kriegseinsatz zurück. Auch der Soldat jagt, neben der Polizei, Medora.

Aber William Giraldi hat wenig Interesse an den Thrillerkonventionen. Stattdessen wandelt sich seine Geschichte immer mehr zu einer sehr spezifischen und düsteren Version einer Geistergeschichte. Da fehlt dann zwar die Thrillerspannung, aber, auch dank Giraldis Sprache, wird „Wolfsnächte“ dadurch nicht weniger lesenswert.

Es ist, wie Core am Ende des Romans meint „nur eine Geschichte (…) – die, wie ihm schien, halb im Traum stattgefunden hatte und der echten Welt, wie er sie kannte, nur entliehen war -, und diese Geschichte trug die Kleider der Wahrheit.“

William Giraldi: Wolfsnächte

(übersetzt von Nicolai von Schweder-Schreiner)

Hoffmann und Campe, 2016

224 Seiten

20 Euro

Originalausgabe

Hold the Dark

Liveright Publishing Corporation/W. W. Norton & Company Ltd., New York, 2014

Hinweise

Homepage von William Giraldi

Hoffmann und Campe über William Giraldi

Huffington Post: Interview mit William Giraldi über „Wolfsnächte“

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