Bei Wolfgang Schweiger ist „Ein Dorf in Angst“

Schweiger - Ein Dorf in Angst

Für die meisten Menschen dürfte der Chiemgau in Südost-Oberbayern eine Ferienregion sein. Für Marius Bieleck soll es für einige Minuten ein Arbeitsplatz sein. Er soll in dem Dorf Beching einen Mord begehen. Allerdings hat der Killer auf dem Weg dorthin einen tödlichen Herzinfarkt – und die Kommissare Andreas Gruber und Ulrike Bischoff von der Kripo Traunstein einen neuen Fall. Sie befürchten, dass Bielecks Auftraggeber einen zweiten Killer engagiert. Aber wen wollte Bieleck ermorden? Während die beiden Polizisten noch nach dem potentiellem Opfer suchen, bekommt der Lokaljournalist Jakob Reiter Wind von der Angelegenheit und er schlachtet sie gleich sensationslüstern aus.

Als kurz darauf Reiter, der eine Nacht in Beching verbringen wollte, ermordet wird und die beiden Kommissare auch Jahrzehnte zurückliegenden Dorfklatsch erfahren, beginnen sich ihre Ermittlungen auf ein mögliches Opfer und eine mögliche Auftraggeberin zu konzentrieren.

Ein Dorf in Angst“ ist der siebte Fall für das angenehm normale Ermittlerduo Gruber/Bischoff und er unterscheidet sich kaum von den vorherigen Fällen, die dank des Verzichts auf private Subplots, vollkommen unabhängig von dem neuesten Fall gelesen werden können. Wieder hat Wolfgang Schweiger einen kurzen Roman geschrieben, in dem sich die Geschichte rasend schnell voranbewegt. Wieder mit einem starken Schlag in Richtung Gangsterroman in dem, dieses Mal, Profikiller und Organisierte Kriminalität (in Frankfurt am Main, nicht im Chiemgau) normal sind. Wieder mit einem Ende, das man so eher aus US-Krimis kennt. Für einen normalen deutschen Krimi irgendwo zwischen Regiokrimi und TV-Serienkost ist es dann doch zu zwiespältig. Das hat mit den üblichen bräsigen Regiokrimis, gerne auch regionale Schmunzelkrimis, nichts zu tun.

Ärgerlich ist allerdings, dass Schweiger es dieses Mal für eine gute Idee hielt, die Hälfte der Dialoge im Dialekt zu schreiben. Das ist, wahrscheinlich sogar für Bayern, nervig und unlesbarer als nötig, „du woaßt scho“.

Wolfgang Schweiger: Ein Dorf in Angst

Pendragon, 2016

280 Seiten

12,99 Euro

Hinweise

Homepage von Wolfgang Schweiger

Lexikon der deutschen Krimi-Autoren über Wolfgang Schweiger

Rosenheimer Nachrichten: Interview mit Wolfgang Schweiger (26. November 2006)

Meine Besprechung von Wolfgang Schweigers „Der höchste Preis” (2008)

Meine Besprechung von Wolfgang Schweigers „Tödlicher Grenzverkehr“ (2010)

Meine Besprechung von Wolfgang Schweigers „Duell am Chiemsee“ (2014)

Mein Interview mit Wolfgang Schweiger

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