Neu im Kino/Filmkritik: „Hope for all: Unsere Nahrung – unsere Hoffnung“, unser Propagandafilm

In den ersten Minuten des Dokumentarfilms „Hope for all“ erklärt Regisseurin Nina Messinger, dass das Essen von Fleisch schlecht und das Essen von veganer Rohkost gut sei. Sie malt ein apokalyptisches Bild von den Folgen unseres, zugegeben, übermäßigen Fleischkonsums, das zu vielen Krankheiten, Übergewicht und auch zum Tod führt. Sie zeigt Menschen, die glücksstrahlend erzählen, dass sie todsterbenskrank waren, aber seitdem sie sich vegan ernährten, keine gesundheitlichen Probleme mehr hätte, sich besser fühlten, beim Marathon mitliefen und Berge bestiegen.

In diesem Moment fragte ich mich, warum trotzdem die Menschheit immer älter wird. Denn in den Industriestaaten, in denen die Menschen sich falsch ernähren, steigt das durchschnittliche Lebensalter und die Lebenserwartung, obwohl es nach der mehr als besorgniserregenden These des Films sinken müsste. Denn der Anteil der Veganer ist noch überschaubarer als der Anteil der Vegetarier, die sich nach der Botschaft des Films ja auch ungesund ernähren. Im Presseheft zum Film heißt es, acht Millionen Menschen ernährten sich in Deutschland vegetarisch und eine gute Million vegan. Andere Zahlen sind niedriger.

Weil „Hope for all“ ein schamloses Plädoyer für die vegane Ernährung ist, wird im ersten Drittel des Films noch erklärt, dass Milch und Milchprodukte mindestens genauso schädlich wie Fleisch sind. Danach gibt es über eine Stunde deprimierende Bilder aus der Massentierhaltung und den ebenso industriellen Schlachthöfen.

Das ist zwar gut gemeint, aber – bei aller Sympathie für eine fleischlose Ernährung – nicht gut gemacht. „Hope for all“ ist ein Pamphlet, das wahrscheinlich noch nicht einmal den Bekehrten und von der Sache Überzeugten gefällt. Die anderen werden aus dem schlechten Propagandafilm, der alle Antworten kennt und keine Zweifel und Gegenargumente zulässt, schnell flüchten. Denn der Film haut einem seine frohe Botschaft wie das heilige Evangelium um die Ohren und die Fakten sind erkennbar selektiv ausgewählt. Sie sollen nur die Botschaft, dass nur vegane Ernährung gute Ernährung ist, stützen.

Dabei verpassen die vorzeitig aus dem Film Geflüchteten dann, nachdem es schon viele kitschige Bilder von glücklichen Tieren und Menschen auf grünen Wiesen gab, das fulminante Schlussbild, in dem die Protagonisten des Films auf einer grünen Bergaue sich beseelt die Hand halten, verklärt in den Himmel blicken und die Musik mit dem letzten, ebenso ungenießbarem christlichen Pathosepos konkurriert.

Layout 1

Hope for all: Unsere Nahrung – unsere Hoffnung (Österreich 2016)

Regie: Nina Messinger

Drehbuch: Nina Messinger

mit Jane Goodall, Caldwell B. Esselstyn, Colin Campbell, Vandana Shiva, Claus Leitzmann, Hermann Focke, Mark Bekoff, Melanie Joy, Ruediger Dahlke

Länge: 105 Minuten

FSK: ab 12 Jahre

Hinweise

Homepage zum Film

Moviepilot über „Hope for all“

 

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