Neu im Kino/Filmkritik: Hexensabbat mit „The Witch“

Stephen King twitterte „’The Witch‘ scared the hell out of me.“ und, auch wenn King mit seinem Lob für Kollegen nicht geizt, ist das ein gutes Zeichen. Die meisten Kritiker schrieben ebenfalls positiv bis euphorisch über Richard Eggers‘ Debütfilm und es gibt viele Gründe, die für den Film sprechen und einen Grund, der gegen ihn spricht: das Ende. Das letzte Bild, das einfach nicht zum vorherigen Film passen will. Es ist das plötzlich auftauchende Raumschiff in einem Jesusfilm.

Um Glauben geht es auch in „The Witch“.

In einer kleinen Gemeinde in Neuengland um 1630 wird Farmer William mit seiner Familie aus dem Dorf verbannt, weil er sogar für die damaligen Standards zu gläubig ist. Der Fundamentalist zieht mit seiner Frau und seinen fünf Kindern auf ein einsam gelegenes Grundstück am Waldrand. Dort kann der Patriarch sich religiös austoben, während sie mit schlechten Ernten, Hunger, den alltäglichen Gefahren der Natur und den Geheimnissen des Waldes kämpfen müssen.

Da verschwindet ihr jüngstes Kind spurlos. Und wie Eggers das mit ganz einfachen Mitteln inszenierte, ist grandios. Die pubertierende, älteste Tochter Thomasin spielt mit dem Baby. Dabei hält sie sich immer wieder die Augen zu, öffnet sie und buht dabei. Das Baby lacht. Als sie wieder die Hände von ihren Augen wegnimmt, buht sie nicht, sondern sie erblickt etwas Grauenvolles. Erst nach einigen Sekunden zeigt Eggers den leeren Babykorb und den bedrohlich wirkenden Wald.

Ähnlich gelungen zeigt er in seinem auf einen Ort und wenige Personen konzentriertem Film ein ungutes Gemisch aus religiösem Wahn, Aberglaube und dem sexuellen Erwachen eines Teenagers. Thomasin muss, wie ihr fanatischer Vater meint, eine Hexe sein, die Unglück über ihre Familie bringt. Thomasins etwas jüngerer Bruder entwickelt ebenfalls sexuelle Gelüste und im Wald gibt es, wie wir aus Märchen wissen, ein Hexenhaus. Wobei das Hexenhaus, wie vieles, was Farmer William und seine Familie erleben, auch Einbildung sein kann.

Eggers erhebt sich dabei nie über seine Charaktere und ihren aus heutiger Sicht abstrusen Aberglauben. Er erzählt immer auf Augenhöhe mit ihnen, indem er ihr Leben ohne (Vor)urteile schildert. Abgesehen von den letzten paar Sekunden gelingt ihm in seinem beeindruckendem Debüt die Balance zwischen den verschiedenen Interpretationsmöglichkeiten.

The Witch - Plakat

The Witch (The Witch: A New-England Folktale, Kanada/USA 2015)

Regie: Robert Eggers

Drehbuch: Robert Eggers

mit Ralph Ineson, Kate Dickie, Anya Taylor-Joy, Harvey Scrimshaw, Ellie Grainger, Lucas Dawson, Julian Richings, Wahab Chaudhry

Länge: 95 Minuten

FSK: ab 16 Jahre

Hinweise

Deutsche Facebook-Seite zum Film

Englische Homepage zum Film

Moviepilot über „The Witch“

Metacritic über „The Witch“

Rotten Tomatoes über „The Witch“

Wikipedia über „The Witch“

Advertisements

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s

%d Bloggern gefällt das: