„Die Hand Gottes“, ein toter Fußballer, eine tote Prostituierte und Scott Manson ist wieder auf Mördersuche

Scott Manson ist zurück und mit ihm der spannende Fußballkrimi, der auch Nicht-Fußball-Fans gefällt. Dieses Mal muss der Cheftrainer von London City den Mord an Bekim Develi aufklären. Der Stürmer brach während eines Champions-League-Spiels auf dem Spielfeld zusammen. Bis zur Obduktion dauert es, streikbedingt, allerdings noch einige Tage, in denen Scott Manson und seine Mannschaft in Griechenland festsitzen. Denn auch wenn Bekim einen Herzanfall gehabt haben könnte, wurde kurz nach dem Spiel im Wasser der Marina Zea in der Nähe von Piräus die Leiche einer unbekannten Schönheit gefunden, die den Stürmer am Abend vor dem Spiel in der abgeschiedenen Hotelanlage besuchte. Und dass sie ermordet wurde, daran zweifelt Chefinspektor Varouxis nicht. Ihr Mörder könnte ein Mitglied aus Scotts Mannschaft sein.

Deshalb darf Scott Manson wieder seine detektivischen Fähigkeiten einsetzen.

Dieses Mal in einem Land, in dem alles an die Dritte Welt (oder noch schlimmere Gegenden) erinnert, Fußballfans eine pöbelnde Horde sind, die im Stadion einen Bürgerkrieg inszenieren und die aus London kommende Fußballmannschaft (deren Spieler von dem ukrainischen Besitzer aus der halben Welt zusammengekauft wurden), trotz einiger interner Probleme (wie Homophobie, Rassismus, pubertärem Testosterongehabe, Aberglaube und religiösem Fanatismus), wie ein Hort der Anständigkeit wirkt.

Jedenfalls wenn man „Die Hand Gottes“ kurz nach dem Brexit-Referendum liest und die teils abstrusen Äußerungen von hochrangigen britischen Politikern über den Brexit, die glorreiche Zukunft des Landes und die Verhandlungen mit der Europäischen Union die Lektüre begleiten.

Vor diesen realen Ereignissen bekommen die zahlreichen abfälligen Bemerkungen der verschiedenen Charaktere und auch teilweise des Ich-Erzählers Scott Mason über die gegnerische Mannschaft, die Griechen und Griechenland einen unangenehm imperialistisch-chauvinistischen Beigeschmack. Die Lästereien der Engländer im Roman sind dann nicht mehr nur harmlose Lästereien und Aufputschreden an die Mannschaft, sondern mentale Überbleibsel einer Kolonialmacht, die immer noch an die Größe ihres schon lange vergangenen Reiches glaubt.

Ohne den Brexit – zu dem ich keine Äußerung von Philip Kerr fand, aber als Schotte war er 2014 bei dem Schottland-Referendum gegen die Unabhängigkeit Schottlands – als aktuellen und vom Autor nicht und nie geplantem Subtext seines im Original 2015 erschienenen Romans ist „Die Hand Gottes“ ein würdiger Nachfolger für „Der Wintertransfer“, der zu den wenigen, sehr wenigen gelungenen Fußballkrimis gehört. Der Mord, der Täter und die Lösung sind untrennbar mit der Welt des Fußballs verbunden und Philip Kerr wirft mit Informationen darüber um sich; dieses Mal vor allem über die ökonomischen Hintergründe der zahllosen Spielertransfers.

Scott Mason, der ja eigentlich ein Fußballtrainer ist, macht als Amateurdetektiv wieder eine gute Figur. Auch dank seines gut gefüllten Geldbeutels gestaltet sich seine Ermittlung hier so professionell, dass man schon glaubt, er strebe eine Karriere als Privatdetektiv an.

Die Hand Gottes“ ist ein gut konstruierter Rätselkrimi mit einer überschaubaren Zahl Verdächtiger, bei dem der schwarzhumorig-lakonische Hardboiled-Tonfall und die gut in die Handlung eingewobenen, satirisch überspitzten Informationen über Fußball und Griechenland gefallen.

Ende Oktober erscheint „Die falsche Neun“, der dritte Scott-Mason-Roman. Dann sucht er einen verschwundenen Fußballspieler.

Im November besucht Philip Kerr Österreich und Deutschland.

Kerr - Die Hand Gottes - 2

Philip Kerr: Die Hand Gottes

(übersetzt von Hannes Meyer)

Tropen, 2016

400 Seiten

14,95 Euro

Originalausgabe

Hand of God

Head of Zeus, London, 2015

Hinweise
Homepage von Philip Kerr
Krimi-Couch über Philip Kerr
Wikipedia über Philip Kerr (deutsch, englisch)

Meine Besprechung von Philip Kerrs „Der Wintertransfer“ (January Window, 2014)

2 Antworten zu „Die Hand Gottes“, ein toter Fußballer, eine tote Prostituierte und Scott Manson ist wieder auf Mördersuche

  1. Günter sagt:

    Danke für den Termin für Buch Nummer 3. „Die falsche Neun“ – ob er damit Mario Götze meint :))?

  2. AxelB sagt:

    Nur wenn er in Spanien spielt.

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