„Fräulein Rühr-mich-nicht-an“ arbeitet im Bordell

Hubert - Kerascoet - Fräulein Rühr-mich-nicht-an - Cover 2

Paris, frühe dreißiger Jahre: junge Frauen suchen bei Tanzveranstaltungen Männer für eine Nacht oder für das Leben. Auch Agathe lässt keinen Abend in einem Tanzlokal aus. Ihre Schwester Blanche ist dagegen der ruhige Typ, der sich aus so profanen Vergnügen nichts macht. Außerdem beunruhigt sie eine Mordserie an jungen Frauen, vor allem Prostituierten.

Als ihre Schwester nach einem ähnlichen Modus Operandi ermordet wird, beschließt sie, ihren Mörder zu suchen. Ihre Spur führt sie in das Nobelbordell Pompadour, wo sie als junge Frau gleich eine Stelle erhält. Weil sie als Jungfrau vehement jeden Geschlechtsverkehr ablehnt, wird sie zum titelgebenden „Fräulein Rühr-mich-nicht-an“, die mit einer Peitsche gegen gutes Geld die Kundschaft erzieht. Wenn sie nicht gerade als peitschenschwingende Furie arbeitet, versucht sie herauszufinden, wer der Frauenmörder ist. Und sie schlägt sich mit ihren Arbeitskolleginnen, die, wie sie, im Bordell schlafen, herum. Das erinnert dann, auch mit ihren Zickigkeiten und den strengen Aufseherinnen, an ein Mädcheninternat.

Die jetzt erschienene „Fräulein Rühr-mich-nicht-an“-Gesamtausgabe besteht aus den vier Comicalben, die in Frankreich zwischen 2006 und 2009 und danach auch bei uns als Einzelbände erschienen, und einem 14-seitigem Anhang mit Skizzen. Dabei gibt es zwischen den ersten beiden Comics „Die Jungfrau im Freudenhaus“ und „Blut an den Händen“ und den letzten Beiden, „Der Märchenprinz“ und „Bis dass der Tod uns scheidet“, keinen größeren Zusammenhang und das Ende der Geschichte ist so offen, dass eine weitere Geschichte mit Blanche nicht ausgeschlossen, sondern erwünscht ist. Bis jetzt haben Hubert (Szenario) und Kerrascoët (Zeichnungen), von denen auch die Geschichte „Schönheit“ (ebenfalls bei Reprodukt erschienen) ist, sie noch nicht erzählt.

Nachdem nach der Hälfte des Sammelbandes Agathes Mörder und das Mordkomplott arg hastig aufgeklärt sind, beginnt mit „Der Märchenprinz“ eine neue Geschichte, in der die vorherigen Ereignisse seltsamerweise nicht erwähnt werden.

Blanche, die immer noch Jungfrau ist, trifft bei ihrer Arbeit auf Antoine. Ihr neuer Kunde ist ein seltsamer Vogel. Denn im Gegensatz zu allen anderen Männern will er sich nicht auspeitschen lassen, sondern nur mit ihr reden. Blanche findet ihn sympathisch, geht mit ihm aus und lernt auch seine Mutter kennen. Nur: welches Geheimnis hat ihr vermögender Märchenprinz?

Bei der Geschichte von „Fräulein Rühr-mich-nicht-an“ gefällt vor allem der schräge Humor, der spitze Blick auf das Leben im Paris der dreißiger Jahre und das daraus entstehende reichhaltige Sittengemälde. Dabei geht es in den ersten beiden Bänden, die auch spannender sind, in Richtung Kriminalgeschichte und in den letzten beiden Bänden in Richtung Liebesgeschichte.

Hubert/Kerascoët: Fräulein Rühr-mich-nicht-an

(übersetzt von Kai Wilksen)

Reprodukt, 2016

216 Seiten

39 Euro

Originalausgabe

Miss Pas Touche – L’intégrale

Dargaud, 2015

Hinweise

Reprodukt über „Fräulein Rühr-mich-nicht-an“

 

Homepage von Kerascoët

Wikipedia über Hubert und Kerascoët

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