Neu im Kino/Filmkritik: „Maggies Plan“ geht erfreulich schief

Eigentlich ist Maggie eine furchtbare Person. Die Anfang Dreißigjährige, allein lebende New Yorkerin wünscht sich ein Kind und sie hat dafür, inclusive Samenspender, schon alles durchgeplant. Da lernt sie John, einen angenehmen, verständnisvollen und interessierten Gesprächspartner, kennen. Er ist Dozent an der Universität, an der sie ebenfalls ohne große Karriereambitionen arbeitet. Aber er will sich verändern Er sieht sich als Romancier. Er gibt der literaturbegeisterten Maggie sein Manuskript zum Lesen und sie ist begeistert. Er könnte der perfekte Mann sein, wenn er nicht verheiratet wäre und Kinder hätte.

Drei Jahre später fasst Maggie einen neuen Plan. Denn das mit den Kindern hat zwar geklappt. Sie darf sogar auf Johns Kinder aus erster Ehe aufpassen. Aber ihr Traummann, der immer noch an seinem autobiographisch inspiriertem Roman arbeitet, ist der typische Feierabend-Daddy, der sich überhaupt nicht um die Kinder kümmert und die Karriere seiner Frau sabotiert. Nicht aus Bösartigkeit, sondern aus purer Ignoranz. Im Bett klappt es auch nicht mehr.

Weil für Maggie ein normales Beziehungsende zu profan ist, soll John sich wieder in seine Ex-Frau Georgette, eine egozentrische und ehrgeizige Akademikerin, verlieben. Die, so denkt Maggie sich, passen auch besser zusammen. Nur wie bringt man die beiden wieder zusammen?

Ein Plan muss her, der, wie alle Pläne, perfekt ist, bis er auf die Wirklichkeit trifft.

Maggie wird von Greta Gerwig gespielt und allein schon deshalb ist Maggie eine liebenswert-verpeilte Person, die auch gut in einem Woody-Allen-Film ausgehoben wäre. Immerhin spielt Rebecca Millers Screwball-Comedy in diesem New Yorker Intellektuellenmilieu und es geht um deren Liebeswirren und mehr oder weniger intellektuelle Arbeit.

Georgette wird von Julianne Moore gespielt und, auch wenn in der deutschen Fassung ihr dänischer Akzent, wahrscheinlich nicht mehr vorhanden ist (ich habe mich durch die Originalfassung gelacht), sagen ihre Kleider und ihre sich gegen Himmel türmende Frisur alles über diesen Charakter. Auch als kleinste Person dominiert sie den Raum.

Zwischen den beiden Frauen versucht John sein Glück. Ethan Hawke spielt ihn und schon deshalb erinnert sein Möchtegern-Schriftsteller an Jesse aus Richard Linklaters „Before Sunset“/“Before Sunset“/“Before Midnight“. Mit weniger Verantwortungsbewusstsein. Dafür hat er ja zwei Frauen, die sein Schicksal planen.

Bei all den Liebeswirren der in „Maggies Plan“ gezeigten Thirty-Somethings und älter fällt irgendwann auf, dass Maggie und ihr Umfeld Liebe, Ehe und Partnerschaft immer nur in der konservativen Variante von Mann-Frau-Kind buchstabieren. Auch wenn Georgette (mehr) und Maggie (weniger) berufstätig sind.

Maggies Plan - Plakat

Maggies Plan (Maggie’s Plan, USA 2015)

Regie: Rebecca Miller

Drehbuch: Rebecca Miller (nach einer Geschichte von Karen Rinaldi)

mit Greta Gerwig, Ethan Hawke, Julianne Moore, Bill Hader, Maya Rudolph, Travis Fimmel, Ida Rohatyn, Wallace Shawn

Länge: 99 Minuten

FSK: ab 0 Jahre

Hinweise

Deutsche Homepage zum Film

Englische Homepage zum Film

Berlinale über „Maggies Plan“

Moviepilot über „Maggies Plan“

Metacritic über „Maggies Plan“

Rotten Tomatoes über „Maggies Plan“

Wikipedia über „Maggies Plan“

Im AOL Building sprechen die Regisseurin und die Schauspieler über den Film

Beim NYFF wird sich über die Produktion des Films unterhalten. Es sind also die Menschen vor der Kamera, die normalerweise hinter der Kamera sind

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