DVD-Kritik: Über die Doku „Erich Mielke – Meister der Angst“

Langsam gerät sein Name in Vergessenheit, aber vor 25 Jahren war der Prozess gegen ihn einer der Prozesse, die große öffentliche Aufmerksamkeit genossen. Immerhin war Erich Mielke über Jahrzehnte der Chef der Stasi. Er war einer der DDR-Oberen, die das System prägten.

Jetzt versuchen Jens Becker und Maarten van der Duin in ihrem Dokumentarfilm „Erich Mielke – Meister der Angst“ eine Annäherung an diesen Menschen, indem sie dokumentarische mit inszenierten Aufnahmen mischen. Der rote Faden ist dabei ein Gespräch mit einer fiktiven Psychologin, die ihn 1991 in der JVA Moabit begutachten soll. Diese Figur basiert auf realen Psychologen, die Mielke befragten, und dabei entstandenen Gesprächsprotokollen.

Durch diesen Kunstgriff folgt man zwar aufmerksam der Geschichte, die sich schlaglichtartig durch Mielkes Biographie hangelt, aber der von Kaspar Eichel gespielte Erich Mielke ist präsenter als der reale Mielke, der in Mitschnitten und Aufzeichnungen vergegenwärtigt wird. Eichel spielt Mielke dabei in zwei Situationen: 1991 im Gefängnis und zwei Jahre früher, als er, als mächtiger und gefürchteter Stasi-Chef, mit der Wahlfälschung vom Mai 1989 und den daraus folgenden, immer größer werdenden Protesten, die letztendlich das Ende der DDR einläuteten, umgehen musste.

In diesen beiden Situationen wird Mielke als Mensch begreifbar, aber das System Mielke und damit die Stasi und die DDR-Diktatur werden nur noch sehr oberflächlich behandelt. Auch die gerichtliche Aufarbeitung des DDR-Unrechts wird nur am Rand gestreift. Denn Mielke wurde für einen Polizistenmord, den er 1931 begangen haben soll, angeklagt und verurteilt.

Die interessanten und damit auch spannenden und kontroversen Fragen die in der Biographie von Erich Mielke liegen, werden umgangen zugunsten eines inszenierten Dramas, bei dem man darauf vertrauen muss, dass die gezeigten Gespräche mit den Fakten übereinstimmen, während Mielke immer mehr zum netten Onkel von nebenan mutiert und erzählt, was er erzählen möchte.

Die auch vorhandenen Statements von Historikern und Zeitzeugen, wie Mielkes Verteidigern, fallen oft arg kurz aus, während das Problem des rechtsstaatlichen Umgangs mit Unrecht noch nicht einmal im Ansatz gestreift wird.

Am Ende von „Erich Mielke – Meister der Angst“ hat man einen ersten Eindruck von dem Menschen. Mehr nicht.

Als Bonusmaterial gibt es weitere Ausschnitte aus dem Interview mit Mielke-Verteidiger Stefan König (11 Minuten) und ein im Film nicht verwandtes Hintergrundinterview mit Kel McClanahan (Executive Director von National Security Counselors, 8 Minuten), der über die Schwierigkeiten spricht, Akten von der CIA zu erhalten.

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Erich Mielke – Meister der Angst (Deutschland 2015)

Regie: Jens Becker, Maarten van der Duin

Drehbuch: Maarten van der Duin, Jens Becker

mit Kaspar Eichel, Beate Laaß, Thomas Förster, Erich Mielke, Roland Jahn, Stefan König, Hubert Dreyling, Nikolai Leonow, Nikita Petrow, Wolfgang Fixson

DVD

Polyband

Bild: 16:9 (1,78:1)

Ton: Deutsch (Dolby Digital 5.1)

Untertitel: Deutsch für Hörgeschädigte

Bonusmaterial: Interviews mit Stefan König und Kel McClanahan, Trailer, barrierefreie Version mit Audiodeskription und Untertiteln für Hörgeschädigte

Länge: 93 Minuten

FSK: ab 6 Jahre

Hinweise

Homepage zum Film

Filmportal über „Erich Mielke – Meister der Angst“

Moviepilot über „Erich Mielke – Meister der Angst“

Wikipedia über Erich Mielke

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