„Lady Killer“ – Hausfrau, Mutter und Profikillerin

Jones - Rich - Lady Killer - 4

Josie Schuller ist die perfekte Hausfrau. Sie schmeißt den Haushalt, erzieht die Kinder, erträgt klaglos die biestige Mutter von ihrem Gatten und, als I-Tüpfelchen in dieser perfekten Sechziger-Jahre-US-Vorstadtidylle, ist sie Avon-Vertreterin. Wobei; – – – das ist sie nur, um sich bei Mrs. Roman einzuschleichen und sie für ein erkleckliches Honorar umzubringen. Denn Josie ist auch eine Killerin.

Autor Jamie S. Rich und Zeichnerin Joëlle Jones, die schon „12 Gründe, dich zu lieben“ und „You have killed me“ gemeinsam erschufen, haben jetzt eine Killerin erfunden, die in einer Zeit arbeitet, als anständige Frauen als Hausfrauen für ihre Männer das Abendessen kochten und nicht an Emanzipation dachten. Es ist die heile Wirtschaftswunderwelt von „Bettgeflüster“ und „Ein Pyjama für zwei“. Es ist aber auch die Welt, in der Richard Starks Profigangster Parker seinen ersten Auftritt hatte und das National Crime Syndicate die kriminelle Welt bestens organisiert hatte. Rich und Jones verschmelzen in ihrem neuen Werk „Lady Killer“ beide Welten und garnieren sie, wenn Josie Schuller einen ihrer Aufträge ausführt, mit einer ordentlichen Portion Action, die eher an einen modernen Actionfilm irgendwo zwischen „Lara Croft: Tomb Raider“ und einem Auftritt von Black Widow in einem Marvel-Blockbuster erinnert. Denn zimperlich ist Josie Schuller nicht, wenn sich das Opfer wehrt und dann sieht eine Wohnung nach erledigter Arbeit auch einmal aus wie nach einer Umdekoration von „Kill Bill“-Braut Beatrix Kiddo.

Aus diesen Elementen entsteht in diesem Fall ein Lesevergnügen, das in jeder Beziehung wunderschön zwischen Heile-Welt-Kitsch und eiskaltem Gangsterdrama schwankt.

In dem jetzt erschienenem „Lady Killer“-Sammelband sind die ersten fünf Hefte des Comics enthalten, der den Broken Frontier Award 2015 als beste Miniserie des Jahres erhielt.

Nach dem Mord an Mrs. Roman erzählen Rich und Jones, wie Schuller sich gegen ihren Boss wehren muss, der glaubt, dass sie als Mutter nicht mehr in der Lage sei ihre Arbeit mit der nötigen Konsequenz auszuüben.

Diese Geschichte erzählen Rich und Jones, mit weiteren Mordaufträgen garniert, in „Lady Killer – Volume 1“ etwas unschön zwischen einer abgeschlossenen Geschichte, einer rein episodischen Erzählweise (so in Richtung „ein Auftrag pro Heft“) und dem Auftakt zu einer größeren, auf kein konkretes Ende hin angelegten Geschichte schwankend. Denn für eine abgeschlossene Geschichte gibt es zu viele lose Fäden, die bis jetzt noch nicht wieder aufgenommen wurden.

Jamie S. Rich kündigt zwar auf seiner Homepage für dieses Jahr eine Fortsetzung an. Aber ein genauerer Termin wird nicht genannt. Und dabei erschienen die fünf Hefte in den USA zwischen Januar und Mai 2015.

Jamie S. Rich/Joëlle Jones: Lady Killer – Volume 1

(übersetzt von Marc-Oliver Frisch)

Panini, 2016

140 Seiten

16,99 Euro

Originalausgabe

Lady Killer

Dark Horse, 2015

enthält

Lady Killer # 1 – 5

Dark Horse, Januar – Mai 2015

Hinweise

Homepage von Jamie S. Rich

Homepage von Joëlle Jones

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