DVD-Kritik: „Mekong Rush – Renn um dein Leben“, weil Gefängnis keine Option ist

Dr. John Lake (Rossif Sutherland; – ja, ein Sohn von Donald Sutherland) arbeitet ehrenamtlich als Arzt in Laos. Während eines kurzen Erholungsurlaubs auf einer Insel sieht er nach einem Barbesuch eine offensichtlich vergewaltigte junge Frau. Er will ihr helfen und gerät mit ihrem Vergewaltiger in eine Schlägerei. Am Ende ist der Vergewaltiger tot und Lake will nach Thailand flüchten, weil; – nun, weil wir Westler ja wissen, wie schlecht die Gefängnisse in Asien sind, wie korrupt und gewalttätig die Polizisten sind, dass gefoltert wird und dass Gerichtsverhandlungen Scheinprozesse sind. Und weil wir Westler das alles wissen, muss der Film es nicht mehr erwähnen.

Während seiner Flucht erfährt Lake, dass der Tote der Sohn eines australischen Senators ist, was den Jagdeifer der Polizei und, nachdem eine Belohnung auf seinen Kopf ausgesetzt wird, der laotischen Bevölkerung anstachelt.

Mekong Rush – Renn um dein Leben“, der Debütfilm von Jamie M. Dagg, erzählt eine klassische Fluchtgeschichte vor exotischer Kulisse und der Dreh vor Ort in Laos und Thailand trägt zur Qualität des Films bei. Auch das Erzähltempo ist angenehm straff und die Geschichte entwickelt sich mit einigen überraschenden Wendungen, die durchaus realistisch wirken, hin zum Ende.

Allerdings hat „Mekong Rush“ mit zunehmender Laufzeit auch ein Problem: es ist nicht nachvollziehbar, warum Lake flüchtet. Er macht sich damit zunehmend verdächtig. Außerdem hat der gute Samariter die Tat begangen. Juristisch würde sie wohl als irgendetwas zwischen Totschlag im Affekt und Notwehr mit verminderter Schuldfähigkeit behandelt werden. Schließlich war auch Lake betrunken. Mit einem guten Anwalt und etwas internationaler Öffentlichkeit könnte das für ihn ziemlich bis sehr glimpflich ausgehen. Er hätte sich also, auch weil die Polizisten, die im Film auftauchen, vernünftig wirken, gleich stellen können. Er flüchtet und sagt im Film immer nur, dass er nicht ins Gefängnis gehen könne. Warum das so ist, sagt er allerdings nicht. Entsprechend irrational wirkt sein Verhalten mit zunehmender Laufzeit, während wir uns fragen, warum wir für einen Mörder, der sich nicht für seine Tat verantworten möchte, also für einen Feigling, Sympathie empfinden sollen.

Das Bonusmaterial ist mit einer Sammlung Trailer enttäuschend. Dabei wäre gerade wegen der Dreharbeiten in Laos ein Hintergrundbericht sicher interessant gewesen.

Mekong Rush - DVD-Cover ohne FSK

Mekong Rush – Renn um dein Leben (River, Kanada/Laos 2015)

Regie: Jamie M. Dagg

Drehbuch: Jamie M. Dagg

mit Rossif Sutherland, Douangmany Soliphanh, Sara Botsford, Ted Atherton, David Soncin, Aidan Gillett

DVD

Ascot Elite

Bild: 2,35:1 (16:9)

Ton Deutsch, Englisch (Dolby Digital 5.1)

Untertitel: Deutsch

Bonusmaterial: Trailer, Wendecover

Länge: 84 Minuten

FSK: ab 12 Jahre

Hinweise

Moviepilot über „Mekong Rush“

Rotten Tomatoes über „Mekong Rush“

Wikipedia über „Mekong Rush“ (deutsch [derzeit umfangreicher], englisch)

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