Kurzkritik: Max Annas: Die Mauer

Annas - Die Mauer

Mit 224 Seiten ist auch der zweite Thriller von Max Annas sympathisch kurz geraten. Wie schon seit Debüt „Die Farm“ spielt auch „Die Mauer“ in Südafrika.

An einem heißen Nachmittag verreckt das Auto des jungen Schwarzen Moses in der Nähe der Gated Community „The Pines“. Dort war der Student einmal bei einem Studienkollegen und jetzt hofft er, dass dieser ihm hilft. Allerdings findet Moses, weil alle Häuser gleich aussehen, das Haus nicht. Stattdessen wird er vom Sicherheitsdienst entdeckt. Moses, der keine Lust auf eine Tracht Prügel hat (wenn er Glück hat), flüchtet.

Zur gleichen Zeit brechen, ebenfalls in „The Pines“, Nozipho und Thembi in ein leeres Haus ein. Das schwarze Einbrecherpärchen entdeckt in einer Schublade einen Haufen Geld und in der Tiefkühltruhe die noch warme Leiche der Hausherrin. Gerne würden sie mit ihrer Beute möglichst schnell die Gated Community verlassen. Dummerweise stehen inzwischen die Mitarbeiter des Sicherheitsdienstes vor dem Haus. Von dort koordinieren sie ihre Suche nach dem flüchtigen Moses.

Und dann kommen die Mörder der Hausherrin zurück.

Mit seinen vielen Szenenwechseln – das Buch hat 115 Kapitel – , der kargen Sprache und der kaum vorhandenen Psychologisierung der Charaktere (wir wissen eigentlich nur, was sie gerade tun) liest sich „Die Mauer“ wie ein „Roman zum Film“, bei dem der Autor ein Drehbuch mit wenigen ausschmückenden Sätzen zu einem Roman umformulierte. Das hat unbestritten Pageturner-Qualitäten. Denn die an einem Ort spielende Geschichte entwickelt sich, je nach Lesegeschwindigkeit, in Echtzeit.

Allerdings simulieren die vielen Szenenwechsel eine Dynamik, die in der Geschichte, wenn Moses über die nächste Mauer springt und wieder entdeckt wird, wenn Nozipho und Thembi sich im Schrank verstecken, nicht wirklich vorhanden ist. Insofern ist es auch etwas rätselhaft, warum „Die Mauer“ zweimal hintereinander auf dem ersten Platz der KrimiZeit-Bestenliste stand und in der mir im Moment noch unbekannten September-Liste wieder auf einem der vorderen Plätze stehen wird.

Max Annas gehört zu den wenigen deutschen Autoren, die längere Auslandserfahrung haben und diese literarisch verarbeiten. Der gebürtige Kölner lebt inzwischen in Berlin. Davor lebte er länger in Südafrika und er arbeitet immer noch an einem Forschungsprojekt der University of Fort Hare über die südafrikanische Jazzmusik. Da lernt man, auch wenn es in „Die Farm“ und „Die Mauer“ keine Anspielungen auf den Cape Jazz gibt, Land und Leute kennen.

Max Annas: Die Mauer

rororo, 2016

224 Seiten

12 Euro

Hinweise

Rowohlt über Max Annas

Krimi-Couch über Max Annas

Perlentaucher über Max Annas

Wikipedia über Max Annas

Meine Besprechung von Max Annas „Die Farm“ (2014)

Lesung

Max Annas liest am Freitag, den 9. September, um 20.00 Uhr, im Cafe Brel (Savignyplatz 1, Berlin) aus seinem Roman „Die Mauer“.

Die Lesung findet im Rahmen der „Crime Time“-Veranstaltungsreihe statt.

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