John Scalzi schickt uns auf eine „Galaktische Mission“

Galaktische Mission von John Scalzi

Die Menschen haben ferne Planeten und fremde Welten besiedelt – unter den misstrauischen Augen der Aliens und unter dem Schutz der Kolonialen Union. Wenn diese nun wie geplant aufgelöst wird, wären die menschlichen Kolonien den feindlich gesinnten Aliens hilflos ausgeliefert. Ausgerechnet in dieser prekären Lage taucht ein neuer Feind auf, der Menschen und Aliens gegeneinander ausspielt. Für Lieutenant Harry Wilson beginnt ein Wettlauf gegen die Zeit, denn sollte er nicht herausfinden, wer hinter dem intergalaktischen Intrigenspiel steckt, sind Menschen und Aliens gleichermaßen dem Untergang geweiht …

Dieser Teasertext für John Scalzis neuestem Science-Fiction-Roman „Galaktische Mission“ ist einerseits hundertprozentig zutreffend, andererseits hundertprozentig irreführend.

Denn das Buch besteht aus vier Novellen, die in den USA zuerst einzeln innerhalb eines Monats erschienen und kurz darauf in „Galaktische Mission“ (The End of all Things) zusammengefasst wurden. Deshalb können die Novellen, obwohl sie aufeinander aufbauen, auch unabhängig voneinander gelesen werden. Das liegt daran, dass Scalzi jede Geschichte von einem anderen Ich-Erzähler erzählen lässt und sie, auch wenn sie chronologisch hintereinander spielen, vollkommen verschiedene Aspekte der titelgebenden „Galaktischen Mission“ betrachten und damit dem Roman einen sehr eigenen Touch geben.

In „Das Leben des Geistes“ erzählt Rafe Daquin wie er Pilot eines Handelsschiffes war, das mit Staatssekretär Ocampo als Passagier in die Hände der Rraey fiel. Die Rraey sind eine Alienrasse, die auch den leisesten Widerspruch mit einem Kopfschuss beantworten. Sie gehören zum Equilibrium. So nennt sich eine geheimnisvolle Organisation, die die Koloniale Union gegen die Erde und gegen die Konklave, einem Zusammenschluss hunderter Alienzivilisationen, ausspielen will. Dafür soll Rafe, der von den Rraey entleibt und zu einem Gehirn in einem Tank wurde, als Gehirn das Frachtschiff an einen unbekannten Ort fliegen. Rafe versucht das zu verhindern.

In „Das ausgehöhlte Bündnis“ erzählt Hafte Sorvalh, die engste Beraterin von General Tarsem Gau, dem Anführer der Konklave, von den Vorbereitungen für ein Treffen mit der Kolonialen Union und der Erde, in der über verschiedene Angriffe gegen sie gesprochen werden soll. Gleichzeitig versucht sie die Position von Gau zu festigen. Nach dem von ihm geleiteten Aufbau der Konklave ist jetzt seine Position gefährdet.

In „Was Bestand haben kann“ geht es auf ein Raumschiff der Kolonialen Verteidigungsarmee und Lieutenant Heather Lee erzählt von ihren gefährlichen Einsätzen, in denen sie nur noch verschiedene Formen von Aufstand gegen die Koloniale Union niederschlagen müssen.

In „Siegen oder Untergehen“ betritt dann endlich der schon auf dem Buchcover erwähnte Lieutenant Harry Wilson, der vorher ein-, zweimal durchs Bild huschte, die Bühne. Er versucht den drohenden Untergang der Kolonialen Union zu verhindern und er hat dabei einen Plan, für den die Koloniale Union, die Konklave und die Erde miteinander kooperieren müssen. Es gibt nur ein Problem: sie alle sind in herzliche Feindschaft und Misstrauen miteinander verbunden.

Am Ende von „Galaktische Mission“, und hier stimmt dann der inflationär gebrauchte Satz, dass am Ende der Geschichte nichts mehr ist, wie es vorher war, endlich einmal.

Stilistisch unterscheiden sich die vier Geschichten erheblich. Während in der zweiten und vierten Geschichte die Politik und damit Verhandlungen zwischen den verschiedenen Koalitionen und Gruppen im Mittelpunkt stehen, ist die Dritte eher klassische Military-SF und die Erste erzählt vor allem die tragische Geschichte eines Mann, der zu einem Gehirn im Tank wird. Sie ist die – und Scalzi ist für seinen Humor bekannt – witzigste Geschichte des Buches. Auch bei „Was Bestand haben kann“ kann gelacht werden, wenn die Soldaten sich über den Essensplan und Musik austauschen und ihre Missionen ausführen.

So ist „Galaktische Mission“ weniger ein Roman im klassischen Sinn, sondern vier Geschichten, die sich einem Ereignis aus verschiedenen Perspektiven nähern. Damit hat John Scalzi eine interessante Lösung für seine Geschichte gefunden.

Angehängt hat Scalzi eine frühere Version von „Das Leben des Geistes“, in der er die Geschichte traditioneller beginnt.

John Scalzi: Galaktische Mission

(übersetzt von Bernhard Kempen)

Heyne, 2016

496 Seiten

9,99 Euro

Originalausgabe

The End of all Things

Tor, 2015

Mehr aus dieser Galaxie

Krieg der Klone - Die Trilogie von John Scalzi

Parallel zu „Galaktische Mission“ veröffentlichte Heyne John Scalzis erste drei Romane über die Koloniale Union in einem Sammelband und betitelte das gut tausendseitige Buch etwas unglücklich mit „Krieg der Klone – Die Trilogie“ (auf dem Buchrücken fehlt dann „Die Trilogie“). Der Sammelband enthält die auch einzeln erhältlichen Romane „Krieg der Klone“ (Old Man’s War, 2005), „Geisterbrigaden“ (The Ghost Brigades, 2006) und „Die letzte Kolonie“ (The last Colony, 2007).

Das Buch liegt zwar etwas schwer in der Hand und es passt auch nur in XXL-Hosentaschen, aber lesenswert ist es trotzdem.

John Scalzi: Krieg der Klone – Die Trilogie

(übersetzt von Bernhard Kempen)

Heyne, 2016

976 Seiten

16,99 Euro

Hinweise

Homepage von John Scalzi

Blog von John Scalzi

Phantastik-Couch über John Scalzi

Wikipedia über John Scalzi (deutsch, englisch)

Meine Besprechung von John Scalzis (Hrsg.) „Metatropolis“ (METAtropolis, 2009)

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