Über Nathan Larsons Dewey-Decimal-Romane „2/14“, „Boogie Man“ und „Zero One Dewey“

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Als Diaphanes vor zwei Jahren in seiner kurzlebigen „Penser Pulp“-Reihe „2/14“ (The Dewey Decimal System, 2011) veröffentlichte, freuten sich die Krimifans über einen ungewöhnlichen Helden, der in einem dystopischen New York als; – ja als was eigentlich? – , arbeitete. Dewey Decimal war Soldat. Vor einiger Zeit, am Valentinstag (bzw. 2/14), gab es eine Katastrophe, die die Bevölkerung New Yorks ziemlich dezimierte und die Welt in irgendein Mittelalter zurückbombte. Seitdem sortiert Dewey Decimal in der New York Public Library die Bücher systematisch. Sein jetziger Name Dewey Decimal basiert auf diesem Sortiersystem. Außerdem desinfiziert er sich alle paar Sekunden die Hände, trägt meistens OP-Handschuhe und einen Mundschutz und wechselt ständig seine Anzüge.

In „2/14“ soll er im Auftrag des nicht gewählten District Attorney von New York, Daniel Rosenblatt, einen ukrainischen Mafiosi töten.

Das bewegte sich noch, auch weil eine Femme Fatale im Spiel ist, im vertrauten Hardboiled-Fahrwasser. In einer dystopischen Welt, über die man mehr erfahren will. Erzählt von einem Ich-Erzähler, dessen mehr oder weniger zuverlässigen Erinnerungen bruchstückhaft, lückenhaft und implantiert sind.

In „Boogie Man“, dem zweiten Band, der noch bei Diaphanes erschien, und „Zero One Dewey“, dem Abschluss der Trilogie, der jetzt bei polar erschien, erzählt Nathan Larson die Geschichte von Dewey Decimal weiter.

In „Boogie Man“ entdeckt Dewey im verwaisten Büro von DA Daniel Rosenblatt eine Akte in der es Beweise für die Involvierung des erzkonservativen, die traditionellen Familienwerte und die Bibel hochhaltenden US-Senators Clarence Howard an dem Mord an einer koreanischen Prostituierten vor zwanzig Jahren gibt. Schnell entwickelt sich eine wilde Hatz, weil mehrere Parteien die Akte über den alten Mordfall haben wollen.

In „Zero One Dewey“ soll Dewey im Auftrag von Senator Howard zwei junge Mitglieder des saudischen Königshauses, Bruder und Schwester, beschützen. Auch hier entwickelt sich schnell eine wilde Hatz. Dieses Mal unter besonderer Beachtung der Kanalisation der entvölkerten Millionenstadt.

Neben diesem Hauptplot erfahren wir auch einige Hintergründe über das Valentinstag-Katastrophe und über Deweys Beteiligung daran. Allerdings gibt es keine groß angelegte, detaillierte Aufklärung darüber, sondern nur Splitter und Teile einer Erklärung, die durch Deweys zunehmenden Gedächtnislücken noch rudimentärer geraten.

Auch der Hauptplot gestaltet sich in „Boogie Man“ und „Zero One Dewey“ zunehmend rudimentärer und auch flacher. Beide Male rennt Dewey durch die Stadt, wird gejagt, zusammengeschlagen und kämpft um sein Überleben, während Erklärungen immer spartanischer ausfallen. So erfahren wir nicht, warum in „Boogie Man“ die Akte über den zwanzig Jahre alten Mord so wichtig ist. In „Zero One Dewey“ warum die beiden Schutzbefohlenen sterben sollen. Daran ändern auch die eingestreuten Erklärungen, die ebenso kompliziert, wie halbherzig und nebulös sind, nichts.

Das mindert das Lesevergnügen ungemein. Am Ende ist die schwarzhumorige Dewey-Decimal-Trilogie eine Trilogie, die nach einem überzeugendem Anfang zunehmend schwächer wird. Das liegt auch an der Idee, die Geschichte von einer Person erzählen zu lassen, die zu einem zunehmend unzuverlässigem Erzähler wird, der niemals auch nur einen kleinen Teil des Spielbrettes und des Spiels, über das man mehr erfahren möchte, überblickt.

Nathan Larson: Zero One Dewey

(übersetzt von Andrea Stumpf)

Polar, 2016

308 Seiten

14,90 Euro

Originalausgabe

The Immune System

Akashic Books, New York, 2015

Nathan Larson: Boogie Man

(übersetzt von Andrea Stumpf)

Diaphanes, 2014

288 Seiten

17,95 Euro

Originalausgabe

The Nervous System

Akashic Books, New York, 2012

Hinweise

Homepage von Nathan Larson

Wikipedia über Nathan Larson (deutsch, englisch)

The Nervous Breakdown hat 21 Fragen an Nathan Larson, die er auch alle beantwortete (10. Juli 2012)

Meine Besprechung von Nathan Larsons „2/14“ (The Dewey Decimal System, 2011)

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