Cover der Woche

September 27, 2016

zuege-ins-jenseits-4

Advertisements

TV-Tipp für den 27. September: Dallas Buyers Club

September 27, 2016

ARD, 22.45

Dallas Buyers Club (Dallas Buyers Club, USA 2013)

Regie: Jean-Marc Vallée

Drehbuch: Craig Borten, Melisa Wallack

1985 erfährt Ron Woodroof, Rodeoreiter, Frauenheld und Homohasser, dass er HIV-Positiv ist und in wenigen Tagen sterben wird. Er besorgt sich nicht zugelassene Medikamente und verkauft sie an Leidensgenossen, wenn sie Mitglied im titelgebenden „Dallas Buyers Club“ werden.

Regisseur Jean-Marc Vallée inszenierte die auf der wahren Geschichte von Ron Woodroof, der am 12. September 1992 starb, basierende, sehenswerte Charakterstudie mit der Handkamera im Stil des Siebziger-Jahre-New-Hollywood-Kinos. Und Matthew McConaughey überzeugt als bis auf die Knochen abgemagerte Unsympath mit uramerikanischem Unternehmergeist.

Dafür gab es den Oscar als bester Hauptdarsteller; Jared Leto erhielt den Oscar als bester Hauptdarsteller. Beide und der Film erhielten etliche weitere Preise.

mit Matthew McConaughey, Jared Leto, Jennifer Garner, Denis O’Hare, Steve Zahn, Michael O’Neill, Dallas Roberts, Griffin Dunne

Wiederholungen

ARD, Mittwoch, 28. September, 02.30 Uhr (Taggenau!)

Eins Plus, Freitag, 30. September, 20.15 Uhr

Hinweise

Amerikanische Homepage zum Film

Deutsche Homepage zum Film

Film-Zeit über „Dallas Buyers Club“

Moviepilot über „Dallas Buyers Club“

Metacritic über „Dallas Buyers Club“

Rotten Tomatoes über „Dallas Buyers Club“

Wikipedia über „Dallas Buyers Club“ (deutsch, englisch)

Meine Besprechung von Jean-Marc Vallées „Dallas Buyers Club“ (Dallas Buyers Club, USA 2013)

Meine Besprechung von Jean-Marc Vallées „Wild- Der große Trip“ (Wild, USA 2014)

Meine Besprechung von Jean-Marc Vallées „Demolition – Lieben und Leben“ (Demolition, USA 2015)

 


DVD-Kritik: Über Luca Guadagninos „A bigger splash“

September 25, 2016

Zum Kinostart schrieb ich:

Die Rockmusikerin Marianne (Tilda Swinton) und ihr Freund Paul (Matthias Schoenaerts), ein Fotograf und trockener Alkoholiker, der kürzlich einen Suizid versuchte, verbringen auf der italienischen Insel Pantelleria einige ruhige Tage. Sie darf nach einer Operation an ihren Stimmbändern nicht reden.

Als Harry (Ralph Fiennes), ein Ex-Freund und Mentor von Marianne, und seine bis dahin unbekannte Tochter Penelope (Dakota Johnson) sich bei ihnen in dem einsam gelegenem Haus mit Swimmingpool einquartieren, ist es mit der Ruhe vorbei. Denn Harry ist egomanischer Rockmusikproduzent mit entsprechendem Drogenkonsum, der Ruhe nur als Ruhe vor dem Sturm kennt.

A bigger Splash“, der neue Film von Luca Guadagnino, ist ein freies Remake von Jacques Derays „Der Swimmingpool“ und wenn man das weiß, kennt man auch die Handlung, die schon in Derays Film eher nebensächlich war. Guadagnino hat vor allem einen Sommerfilm mit schönen Menschen, die in der Einsamkeit auf sich zurückgeworfen sind, inszeniert und es geht um das Aufeinanderprallen von Rock’n’Roll-Lebensgefühl und bieder-bürgerlichem Leben. Marianne hat sich aus ihrem alten, zügellosem Leben verabschiedet. Mit dem introvertierten Paul will sie ein ruhiges Leben führen. Dagegen ist Harry immer noch ganz der Alte. Als er mit der jungen Penelope auftaucht, glauben sie zunächst, dass sie eine weitere seiner Geliebten ist. Und Harry will Marianne zurückerobern.

Neben dieser Eroberungsgeschichte spricht Guadagnino auch die aktuelle Flüchtlingskrise an. Denn Pantelleria liegt zwischen Sizilien und Tunesien. Und es geht um das Verhältnis der Generationen. Während die Alten, also Marianne und Harry sich noch alle Freiheiten nahmen, sieht Penelope wo das hin führt. Damit stellt sich auch die Frage, wie konservativ, – siehe für Deutschland die aktuelle Sinus-Jugendstudie -, die junge Generation ist und wie sehr die Älteren als Vorbild taugen.

Das inszeniert Guadagnino mit viel Rockmusik, vor allem von den „Rolling Stones“ (immerhin produzierte Harry sie) und einem großartigem Ensemble.

Auch wenn der Film mit über zwei Stunden etwas lang geraten ist, ist er ein Vergnügen. Nicht nur wegen der Tanznummer von Ralph Fiennes und dem wortlos-ausdruckstarken Spiel von Tilda Swinton, die Guadagnino, mit dem sie seit über zwanzig Jahren befreundet ist und zusammenarbeitet, diese Sprachlosigkeit vorschlug. Als Gegengewicht zu dem endlosen Gequassel von Harry.

 

Das Bonusmaterial

Das „Making of“ fällt mit deutlich unter vier Minuten arg knapp aus und ist ein reines Einmal-gesehen-und-vergessen-Werbefeaturette. Aber es gibt noch gut 25 Minuten geschnittene Szenen, zu denen Drehbuchautor David Kajganich und Cutter Walter Fasano einen Audiokommentar eingesprochen haben. Zusammen mit Luca Guadagnino haben sie auch einen sehr interessanten und informativen Audiokommentar zum Film eingesprochen. Beide Audiokommentare wurden im April 2016 aufgenommen und sind untertitelt.

In den Audiokommentaren verraten sie, dass es ursprünglich eine viel längere Fassung gab und Guadagnino seinen Film als eine Nouvelle-Vague-Version von Jacques Derays Film sieht. Deshalb gab es in der längere Fassungen viele Jean-Luc-Godardismen. So sollte „A bigger Splash“ mit Texteinblendungen strukturiert werden. Und der Kommissar, der in den geschnittenen Szenen seinen großen Auftritt hat (bevor er die von ihm bewunderte Sängerin um ein Autogramm bittet), ist wirklich eine aus einem Claude-Chabrol-Film gefallene Figur.

A Bigger Splash - Plakat

A bigger Splash (A bigger Splash, Italien/Frankreich 2015)

Regie: Luca Guadagnino

Drehbuch: David Kajganich

mit Tilda Swinton, Ralph Fiennes, Matthias Schoenaerts, Dakota Johnson, Aurore Clement, Elena Bucci, Lily McMenamy, Corrado Guzzanti

DVD

Studiocanal

Bild: 1,85:1 anamorph

Ton: Deutsch, Englisch (5.1 Dolby Digital)

Untertitel: Deutsch

Bonusmaterial: Making of, Geschnittene Szenen (mit optionalem Audiokommentar), Audiokommentar Hauptfilm, Trailer, Wendecover

Länge: 119 Minuten

FSK: ab 12 Jahre

Hinweise

Italienische Homepage zum Film

Deutsche Homepage zum Film

Moviepilot über „A bigger Splash“

Metacritic über „A bigger Splash“

Rotten Tomatoes über „A bigger Splash“

Wikipedia über „A bigger Splash“

Meine Besprechung von Luca Guadagninos „A bigger Splash“ (A bigger Splash, Italien/Frankreich 2015)


TV-Tipp für den 26. September: Der Don ist tot

September 25, 2016

Arte, 22.45

Der Don ist tot (USA 1973, Regie: Richard Fleischer)

Drehbuch: Marvin H. Albert, Michael Philip Butler (Adaption), Christopher Trumbo (Adaption)

LV: Marvin H. Albert: The Don is Dead, 1972

Ewig nicht mehr gezeigter Mafiathriller in dem die Mafiosi sich nicht wegen strittiger Gebietsansprüche, sondern wegen einer Frau umbringen.

Richard Fleischers Gangsterfilm entstand im Nachgang zu dem Sensationserfolg „Der Pate“.

Routiniert inszenierter, harter Kriminalreißer mit melodramatischen Zügen.“ (Lexikon des internationalen Films)

mit Anthony Quinn, Frederic Forrest, Robert Forster, Al Lettieri, Angel Tompkins, Charles Cioffi, Jo Anne Meredith

Hinweise

Rotten Tomatoes über „Der Don ist tot“

Wikipedia über „Der Don ist tot“


TV-Tipp für den 25. September: Volver – Zurückkehren

September 25, 2016

Arte, 20.15

Volver – Zurückkehren (Spanien 2006, Regie: Pedro Almodóvar)

Drehbuch: Pedro Almodóvar

Eigentlich kann man einen Almodóvar-Film nicht in wenigen Worten nacherzählen – und das ist gut so. Jedenfalls geht es hier um Frauen aus drei Generationen einer Familie, es gibt einen ermordeten Stiefvater (er hatte es verdient) und eine tote Mutter, deren Geist zurückkehrt.

„Die Hommage an die pragmatische Lebensweisheit der Frauen überzeugt durch die souveräne Kombination widersprüchlicher Elemente, wobei vor allem der gelassene Umgang mit dem Tod angenehm überrascht.“ (Lexikon des internationalen Films)

Und danach, um 22.10 Uhr, gibt es die fünfzigminütige Doku „Pedro Almodóvar und die Frauen“ (Frankreich/Spanien 2015).

mit Penélope Cruz, Carmen Maura, Lola Duenas, Blanca Portillo, Chus Lampreave

Wiederholung: Montag, 26. September, 13.50 Uhr

Hinweise

Rotten Tomatoes über „Volver“

Wikipedia über „Volver“ (deutsch, englisch)

Meine Besprechung von Pedro Almodóvars „Fliegende Liebende“ (Los amates Pasajeros, Spanien 2013)

Meine Besprechung von Pedro Almodóvars „Julieta“ (Julieta, Spanien 2016)

Pedro Almodóvar in der Kriminalakte


TV-Tipp für den 24. September: Tatort: Schwarzes Wochenende

September 23, 2016

WDR, 23.15

TATORT: Schwarzes Wochenende (Deutschland 1986, Regie: Dominik Graf)

Drehbuch: Dominik Graf, Bernd Schwamm, Michael Hatry

Möbelfabrikant Hencken wird vor Schimanskis Stammhotel „Ideal“ erschossen. Für Schimanski, der die Intrigen zweier verfeindeter Familien aufklären muss, der Auftakt zu einem wirklich schwarzen Wochenende. Und das alles ohne seine geliebte Jacke.

Damals war Dominik Grafs „Tatort“ bei der Kritik ziemlich schlecht weggekommen, heute wird er – zu Recht – als einer der düsteren Klassiker gefeiert. Einer der Höhepunkte des Films ist eine halbstündige Verhörsequenz. Heute undenkbar.

Mit Götz George, Eberhard Feik, Ulrich Matschoss, Dieter Pfaff, Marita Breuer, Marie-Louise Millowitsch

Hinweise

Tatort-Fundus über Kommissar Schimanski

Wikipedia über „Tatort: Schwarzes Wochenende“

Meine Besprechung von Dominik Grafs „Schläft ein Lied in allen Dingen“

Meine Besprechung der von Dominik Graf inszenierten TV-Serie  „Im Angesicht des Verbrechens“

Meine Besprechung von Johannes F. Sieverts Interviewbuch „Dominik Graf – Im Angesicht des Verbrechens: Fernseharbeit am Beispiel einer Serie“

Meine Besprechung von Chris Wahl/Jesko Jockenhövel/Marco Abel/Michael Wedel (Hrsg.) “Im Angesicht des Fernsehens – Der Filmemacher Dominik Graf”

Meine Besprechung von Dominik Grafs “Die geliebten Schwestern” (Deutschland/Österreich 2013/2014)

Dominik Graf in der Kriminalakte


Neu im Kino/Filmkritik: „Hedis Hochzeit“ zwischen Tradition und Moderne in Tunesien

September 23, 2016

Eine Zwangsheirat ist es nicht. Denn Hedi ist schon Mitte Zwanzig, arbeitet als Autoverkäufer und lebt noch zu Hause. Das hat vor allem wirtschaftliche Gründe. Die Heirat, in die er von seiner Mutter hineingestoßen wird, ist vor allem ein finanzielles Arrangement, bei dem Liebe noch nicht einmal zweitrangig ist. Trotzdem ist seine Zukünftige wirklich nett und Hedi kann sich gut ein Leben mit ihr vorstellen. Die ungefähr gleichaltrige Khedija hat auch Verständnis dafür, dass die Flitterwochen erst einmal ausfallen müssen, weil Hedi keinen Urlaub erhält. Auch dass er in den Tagen vor der Hochzeit nicht da ist, versteht sie. Er wurde von seinem Chef nach Mahdia geschickt, um dort Autos an Firmenkunden zu verkaufen.

Außerdem hat Hedis Mutter die Hochzeitsvorbereitungen im Griff. Sie arrangiert und organisiert alles. Hedi muss nur noch „ja“ sagen.

In Mahdia trifft der erfolglose Verkäufer Hedi in seinem Hotel die Animateurin Rim. Sie ist das Gegenteil von Khedija ist. Rim arbeitet, reist dabei rund um den Globus von Hotel zu Hotel und sie ist unabhängig von den traditionellen Bindungen. Hedi verliebt sich in sie. Aber soll er für diese Wochenendliebe Khedija und sein ebenso langweiliges, wie geordnetes Leben hinter sich lassen? Will er das überhaupt?

Man muss nicht wissen, dass „Hedis Hochzeit“ von den Dardenne-Brüdern („Zwei Tage, eine Nacht“) mitproduziert wurde und auch über Tunesien, das ist das nordafrikanische Land zwischen Algerien und Libyen, muss man nichts genaues wissen, um „Hedis Hochzeit“ auch als bewusste und gewollte Allegorie auf das dortige Leben und die Veränderungen der letzten Jahre zu begreifen.

Mein Land ist verkatert. Es ist nicht länger geknebelt, aber es liegt in den letzten Zügen einer tiefen sozialen, religiösen und ökonomischen Krise. Ich weiß, das ist eine zynische Beurteilung, aber das ist die Wahrheit, die wir nicht ignorieren können. In den letzten fünf Jahren wurde ein Hotel nach dem anderen geschlossen. Städte, die wegen des Tourismus florierten, sind plötzlich zu Geisterstädten geworden. Meine Figuren bewegen sich in diesen von Unheil betroffenen Landschaften, und verkörpern das Mäandern einer ganzen Gesellschaft. Ich versuchte, dieses Gefühl herauszukristallisieren durch verlassene Autoparks, Firmen, die ihre Produktion runtergeschraubt haben, verlassene Strände und Schwimmbäder und Hotels, die ihr Personal entlassen. Hedi verkörpert das – mehr als nur eine Figur. Er zuckt vor und zurück.“ (Mohamed Ben Attia)

Vor dieser Folie wird dann auch verständlich, warum Mohamed Ben Attia in seinem Langfilmdebüt, teilweise so zäh erzählt, warum vieles nur angedeutet wird und warum gerade die Hauptpersonen – der introvertierte Hedi, seine künftige Ehefrau Khedija und seine Kurzzeitgeliebte Rim – so passiv bleiben, während Hedis Mutter energisch die Hochzeit vorbereitet und über ihre beiden Kinder so sehr dominiert, dass Hedis älterer Bruder, der vor ihr nach Frankreich flüchtete, ihr und ihrer Mutterliebe nicht entkommen kann.

Aber auch vor dieser Interpretationsfolie erzählt Mohamed Ben Attia seine Geschichte zögerlicher als nötig und das Ende wird im Film zu wenig vorbereitet. Es ist mehr eine Deus ex machina als eine aus Hedis Charakter heraus schlüssige Entwicklung.

Davor zeigt Attia allerdings sehr genau, welche Bedeutung und Macht die Tradition über die Menschen hat und wie schwer es ist, aus ihnen auszubrechen. Er zeigt auch in tristen Bildern ein gelähmtes und ökonomisch desolates Land, das auf eine Veränderung, einen Aufbruch, wartet.

Auf der Berlinale wurde „Hedis Hochzeit“ als bester Erstlingsfilm ausgezeichnet und Hauptdarsteller Majd Mastoura erhielt einen Silbernen Bären als bester Darsteller.

hedis-hochzeit-plakat

Hedis Hochzeit (Inhebbek Hedi, Tunesien/Belgien/Katar/Vereinigte Arabische Emirate 2016)

Regie: Mohamed Ben Attia

Drehbuch: Mohamed Ben Attia

mit Majd Mastoura, Rym Ben Messaoud, Sabah Bouzouita, Hakim Boumessoudi, Omnia Ben Ghali

Länge: 93 Minuten

FSK: ab 0 Jahre

Hinweise

Homepage zum Film

Berlinale über „Hedis Hochzeit“

Moviepilot über „Hedis Hochzeit“

Rotten Tomatoes über „Hedis Hochzeit“

Wikipedia über „Hedis Hochzeit“


%d Bloggern gefällt das: