DVD-Kritik: „Desierto – Tödliche Hetzjagd“ an der mexikanisch-amerikanischen Grenze

Ein Tag wie jeder andere an der Grenze zwischen Mexiko und den USA, zwischen Dritter und Erster Welt, zwischen Armut und schießwütigen Drogenkartellen und dem gelobten Land mit dem Versprechen auf Reichtum. Wie jeden Tag versuchen Dutzende Mexikaner die Grenze zu überqueren, ohne erwischt zu werden. Einige haben diese Reise schon öfter gemacht, andere versuchen ihr Glück zum ersten Mal. Wenn sie von der Border Patrol oder selbsternannten Grenzschützern erwischt werden, werden sie wieder zurückgeschickt – und sie versuchen wieder ihr Glück.

Aber an diesem Tag, der in „Desierto – Tödliche Hetzjagd“ geschildert wird, geht einiges schief. Schon in Mexiko bleibt das Auto der Schleuser in der Wüste liegen. Zwei der Schlepper wollen die zwölf Migranten über die Grenze bringen.

Kurz hinter der Grenze, als die Gruppe sich in zwei kleinere Gruppen getrennt hat, erschießt ein selbsternannter Grenzschützer (grandios: Jeffrey Dean Morgan) kaltblütig den größeren Teil der Gruppe.

Die überlebenden vier Illegalen und der Gehilfe des Schleusers, der die Gegend nicht kennt, können flüchten.

Zunächst. Denn der Redneck hat sie entdeckt und mit seinem über alle geliebten Hund beginnt er sie zu jagen.

Desierto – Tödliche Hetzjagd“, der zweite Spielfilm von „Gravity“-Drehbuchautor Jonás Cuarón, ist ein spannender Survival-Thriller vor einer prächtigen Western-Kulisse. An einen Western erinnert Cuaróns Film auch fast durchgehend. Nur dass hier die Indianer Mexikaner sind und unsere Sympathien bei ihnen liegen. Auch wenn wir nichts über sie wissen und im Lauf des Films eigentlich nichts über sie erfahren. Über den Redneck und seine Motive erfahren wir auch nichts. Denn Cuarón konzentriert sich, wie in „Gravity“, auf die Situation und den Kampf des Einzelnen ums Überleben. In „Gravity“ war es eine Frau, die zur nächsten Raumstation gelangen musste, ehe ihr die Luft ausging. In „Desierto“ ist es letztendlich ein Mann (Gael García Bernal), der einfach nur am Leben bleiben will, unbewaffnet ist und niemanden verletzten will. Insofern geht es um den Zusammenprall von Humanität und Barbarei.

Das ist spannend inszeniert. Mit wenigen Dialogen und fotogener, nach der großen Leinwand schreiender Kulisse.

Es ist allerdings auch ein Film, der auf jeglichen gesellschaftskritischen Kommentar verzichtet oder auch nur irgendwie die Situation an der amerikanisch-mexikanischen Grenze vertieft. Sie ist nur die austauschbare Kulisse für eine Menschenjagd, bei der die Gejagten auf ihrer Flucht erstaunlich lange auf jegliche Gegenwehr verzichten.

Beim Toronto International Film Festival 2015 erhielt „Desierto“ den International Critics‘ Award (FIPRESCI) „for using pure cinema to create a strong physical sensation of being trapped in a vast space and hunted down by hatred in its most primal form.“

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Desierto – Tödliche Hetzjagd (Desierto, Mexiko/Frankreich 2015)

Regie: Jonás Cuarón

Drehbuch: Jonás Cuarón, Mateo Carcía Elizondo

mit Gael García Bernal, Jeffrey Dean Morgan, Alondra Hidalgo, Diego Cataño, Marco Pérez, Oscar Flores, David Lorenzo

DVD

Ascot Elite

Bild: 1,85:1 (16:9)

Ton: Deutsch, Englisch (Dolby Digital 5.1)

Untertitel: Deutsch

Bonusmaterial: Trailer, Wendecover

Länge: 85 Minuten

FSK: ab 18 Jahre (keine Ahnung warum)

Hinweise

Englische Homepage zum Film

Moviepilot über „Desierto“

Metacritic über „Desierto“

Rotten Tomatoes über „Desierto“

Wikipedia über „Desierto“ (deutsch, englisch)

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