TV-Tipp für den 7. November: Mr. Smith geht nach Washington

Arte, 20.15

Mr. Smith geht nach Washington (USA 1939, Regie: Frank Capra)

Drehbuch: Sidney Buchman (basierend auf der Geschichte „The Man from Montana“ von Lewis R. Foster)

Der naive Pfadfinder Jefferson Smith (James Stewart in einer seiner klassischen Rollen) wird nach dem Tod eines Senators als Ersatzmann nach Washington geschickt. Dort soll er als Hinterbänkler nichts tun. Aber er will ein nationales Pfadfinderlager für Stadtkinder an genau dem Ort errichten, an dem sein Förderer einen Staudamm errichten will.

Capras warmherzige Komödie, die eine Liebeserklärung die wahren amerikanischen Tugenden und Werte ist, war ein Erfolg (u. a. elf Oscar-Nominierungen und ein Kassenhit) und ist inzwischen ein Klassiker, der kaum Patina angesetzt hat.

Allerdings ist der Konflikt arg weit hergeholt (Warum muss das Pfadfinderlager ausgerechnet an diesem Ort sein?) und Smiths Strategie, mit einem Filibuster die Verabschiedung der Staudamm-Vorlage zu verhindern ist, nun, ziemlich bescheuert. Denn aufgeschoben ist nicht abgelehnt und außer seinem herzergreifendem, stundenlangem Gerede (der Film zeigt nur einige Ausschnitte) hat Smith nichts in der Hinterhand. Da wäre mehr möglich gewesen.

Auch die Analyse der Politik in Washington bestärkt Vorurteile eher als sie zu hinterfragen. Das Politikporträt beschränkt sich auf den Gegensatz von korrupten Washington-Politikern und einem ehrlichen Mann aus dem Hinterland, der wegen seiner Anständigkeit vollkommen unfähig ist, Kompromisse auszuhandeln oder auch nur strategisch zu denken. Da sieht man heute einen Donald Trump, der sich wahrscheinlich für einen Nachfolger von Mr. Smith hält.

Hier haben wir es mit einer weiteren ehrgeizigen, voll aufgetakelten Komödie von Frank Capra zu tun, vollgepackt mit satirischem Biss, aber zugunsten von Mut, Sentiment und Gerechtigkeit. (…) Der Film ist im Grunde genommen ein Plädoyer für Anständigkeit und Ehrenhaftigkeit. Mit amüsantem, sardonischem Augenblinzeln wird allerdings ein kritischer Blick auf die Washington-Arena geworfen (wo der Film alles andere als geschätzt wurde). (…) Der Film gilt auch heute noch als schön inszeniertes Bemühen, Wärme, Gefühl und Komödie mit politischem Verstand und Zynismus zu mengen.“ (Howard Thompson: James Stewart: Seine Filme – sein Leben, 1979 [Originalausgabe 1974])

mit James Stewart, Jean Arthur, Claude Rains, Edward Arnold, Thomas Mitchell, Guy Kibbee, Beulah Bondi, Harry Carey

Wiederholung: Dienstag, 8. November, 13.45 Uhr

Hinweise

Rotten Tomatoes über „Mr. Smith geht nach Washington“

TCM über „Mr. Smith geht nach Washington“

Wikipedia über „Mr. Smith geht nach Washington“ (deutsch, englisch)

 

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