Neu im Kino/Filmkritik: „Dirty Cops: War on Everyone“ im Trumpland

Wenn ich „Dirty Cops: War on Everyone“ nicht unmittelbar nach der US-Präsidentenwahl gesehen hätte, würde meine Besprechung von John Michael MdDonaghs neuem Film vielleicht etwas positiver ausfallen. So konnte ich bei dieser Komödie nicht einmal lachen; ein, zweimal vielleicht schmunzeln. Ich sah immer das Trump-Amerika aus Hass, Rassismus, Homophobie, Frauenfeindlichkeit, Ignoranz und grenzenloser, von sich überzeugter Dummheit, das gerade die Präsidentschaft gewonnen hat und, wenn man sich die Meldungen aus dem Trump-Tower durchliest, alles tut, um ohne einen Funken Verantwortungsgefühl, ein riesiges, globales Desaster zu hinterlassen.

Das Buddy-Cop-Movie ist vor dieser Interpretationsfolie ein Abstieg in einen reaktionären Sumpf, der durchgehend aus der Perspektive des Weißen Mannes, der sich für die Krone der Schöpfung hält, erzählt ist. Er schaut auf alle anderen herab und gebraucht seine Hautfarbe (und Dienstmarke) als Rechtfertigung für schlechtes Benehmen.

Im Mittelpunkt von „Dirty Cops“ stehen die Polizisten Bob Bolaño (Michael Peña) und Terry Monroe (Alexander Skarsgård), die sich nur in ihrer Hautfarbe unterscheiden. Jeder könnte jederzeit die Sätze des anderen übernehmen. Manchmal hatte ich sogar den Eindruck, dass Michael Peña und Alexander Skarsgård das gerade getan hatten. Eine irgendwie geartete Biographie hat keiner der beiden. Es sind Comicfiguren, die höchsten für einen Sketch taugen. Über die Länge eines Spielfilms fragte ich mich, warum die nette Frau bei Bolaño bleibt und warum Bolaño, der auch ein liebevoller Vater sein soll, seinen übergewichtigen Sohn mobbt und warum der gefühlskalte Monroe sich verliebt und plötzlich um ein fremdes Kind kümmert.

Die „Story“, eigentlich ist „Dirty Cops“ nur eine Ansammlung misslungener Sketche, geht um Mangan (Theo James), einen britischen Pseudo-Snob, der in Albuquerque, New Mexico, der Obergangster werden will und bei einem Überfall eine Million erbeutete. Bolaño und Monroe wollen das Geld; – weil das so im Drehbuch steht.

Soweit das kaum erkennbare, schlampig skizzierte und schnell vergessene Handlungsgerüst, das nur dazu dient, die Szenen irgendwie hintereinander anzuordnen. Eine Geschichte entsteht daraus nicht.

Dabei hat John Michael McDonagh, ein irischstämmiger Londoner, mit seinem Regiedebüt „The Guard – Ein Ire sieht schwarz“, das gelungen mit Vorurteilen spielt, und seinem zweiten „Am Sonntag bist du tot”, der mir nicht so gefiel, der aber durchgehend eine große Sympathie für seine gefallenen Charaktere erkennen lässt, gezeigt, dass er schräge Komödien erzählen kann. Dass er diesen reaktionären Mist ohne eine Spur von Selbstironie oder Distanzierung geschrieben und gedreht hat, ist unglaublich.

Wenn man „Dirty Cops“ mit Robert Rodriguez‘ „Machete“ vergleicht, wird das Desaster noch deutlicher. In „Machete“ wehrten sich die Unterdrückten gegen die Unterdrücker. In „Dirty Cops“ sollen wir mit den Unterdrückern, die Recht haben mit Rechts sein verwechseln und am Ende in jeder Beziehung Recht bekommen, lachen. Das ist nicht witzig und, was ja gerne als Rechtfertigung für politisch unkorrekten Humor genommen wird, auch nicht therapeutisch. Dann hätte der Humor und das Lachen immerhin etwas befreiendes.

dirty-cops-plakat

Dirty Cops: War on Everyone (War on Everyone, Großbritannien 2016)

Regie: John Michael McDonagh

Drehbuch: John Michael McDonagh

mit Michael Peña, Alexander Skarsgård, Tessa Thompson, Theo James, Stephanie Sigman, Malcolm Barrett, Tait Fletcher, Caleb Landry Jones, Paul Reiser, David Wilmot

Länge: 98 Minuten

FSK: ab 16 Jahre

Hinweise

Deutsche Homepage zum Film

Moviepilot über „Dirty Cops“

Metacritic über „Dirty Cops“

Rotten Tomatoes über „Dirty Cops“

Wikipedia über „Dirty Cops“ 

Meine Besprechung von John Michael McDonaghs „The Guard – Ein Ire sieht schwarz“ (The Guard, Großbritannien/Irland 2010)

Meine Besprechung von John Michael McDonaghs “Am Sonntag bist du tot” (Calvary, Irland 2014)

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