Neu im Kino/Filmkritik: „Underworld: Blood Wars“ mit und um Frau Beckinsale

Beginnen wir mit dem großen Unterschied zwischen „Underworld: Blood Wars“ und den vorherigen „Underworld“-Filmen. Der 3D-Film wurde erstmals von einer Frau inszeniert. Das ändert aber nichts daran, dass Kate Beckinsale mehr als einmal schwungvoll durch die Landschaft gegen harte Gegenstände geschleudert wird, ehe sie einige Männer ins Jenseits schickt. Weil sie die Vampirin Selene spielt, trägt sie keine dauerhaften Verletzungen davon. Sie ist auch immer noch das Hauptargument für die Filmreihe:

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Ein zweites ist der Bösewicht des Films:

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Dabei ist Semira (Lara Pulver, die als Irene Adler schon „Sherlock“ ganz närrisch machte), die Lack und Leder in einer etwas spartanischeren Version als Selene bevorzugt, nur der Vampir-Bösewicht. Es gibt auch noch einen zweiten Hauptbösewicht: Marius (Tobias Menzies). Er ist ein Lykaner (das sind Menschen, die sich in Werwölfe verwandeln können), der zum Anführer der Lykaner wurde und mit anderen Lykanern eine gut gesicherte Vampirfestung stürmen will. Diese liegt, wie gewohnt, in einem osteuropäisch aussehendem Steampunk-Fantasieland mit leichter Weltkrieg-II-Ästhetik; was natürlich an den unterirdischen Gewölben, dem verlassenem Güterbahnhof, den fotogenen Mänteln und dem Dreh in und um Prag liegen kann. Selene, inzwischen ein allein herumziehender Ronin, soll bei der Verteidigung der Burg helfen. Sie soll vor allem die anderen Vampire zu Kämpfern ausbilden.

Bis zu dieser Schlacht in der dann doch überraschend schlecht gesicherten Festung kommt, vergeht viel Filmzeit. Im Gegensatz zu den vorherigen „Underworld“-Filmen „Underworld (2002, dem besten Film der Reihe), „Underworld: Evolution“ (USA 2006), „Underworld: Aufstand der Lykaner“ (USA 2009, ein Prequel ohne Kate Beckinsale) und „Underworld: Awakening“ (USA 2011, ebenfalls in 3D), die einfach Trash mit viel Action, einem Minimum an Dialog und einer stylischen Optik waren, wird in „Underworld: Blood Wars“ langatmig, aber höchst irdisch am Vampirhof intrigiert, Pläne geschmiedet und viel geredet. So als würde man sich wirklich für irgendwelche austauschbaren Hofintrigen interessieren.

Gleichzeitig wollen die Bösewichter, wenn sie schon nicht das Hybrid-Blut von Selenes spurlos verschwundener Tochter Eve (sieh „Awakening“) bekommen können, Selenes Blut. Selene erhielt in den letzten Filmen durch verschiedene Ereignisse besondere Fähigkeiten, wie einer Unempfindlichkeit gegen Sonnenlicht. Warum die verschiedenen Bösewichter nicht einfach nur ein, zwei Liter von ihrem Blut abzapfen und dann vervielfältigen, sondern sie vollständig auspumpen wollen, wissen die Drehbuchgötter, die für diesen „Underworld“-Film ein arg schwaches Drehbuch schrieben, das sich in den verschiedenen Motivationen und Komplotten verirrt. „The Last Witch Hunter“-Drehbuchautor Cory Goodman hätte besser, wie bei den vorherigen, von anderen Autoren geschriebenen „Underworld“-Filmen eine einfache Geschichte mit einer eindeutigen Motivation und Ziel für die verschiedene Hauptcharaktere erfunden. Ein banales ‚Selene will die Vampirburg vor dem Angriff der Lykaner beschützen‘ (aka „Underworld: Die sieben Samurai“) oder ‚Selene will ihre Tochter vor den Bösewichtern beschützen‘ (aka „Underworld: Die Hard“ oder „Underworld: Taken“) hätte genügt, um die vor allem bei den Lykanern mit viel CGI aufgepimpte Action zu rechtfertigen.

Die ist in der aus den vorherigen „Underworld“-Filmen vertrauten Mischung aus Zeitlupe und Zeitraffer inszeniert, die immer wieder die genauen Abläufe und auch die Handlungen von Selene verbirgt. Wenn sie nicht gerade beidhändig schießt.

Die konsequent dunkle Optik der vorherigen Filme wurde beibehalten. Anscheinend haben Vampire nicht nur etwas gegen Sonnenlicht, sondern auch gegen jede andere Art moderner Beleuchtung. Dafür sieht es, wenn sie in ihrer Fetischkluft durch die mittelalterlichen Gemäuer schreiten, hübsch stylisch aus.

Insgesamt unterscheidet sich „Blood Wars“, abgesehen von dem überkonstruiertem Plot und weniger Actionszenen, kaum von den vorherigen „Underworld“-Filmen.

Ob das jetzt ‚gut‘ oder ’schlecht‘ ist, liegt daran, ob man Kate Beckinsale in Lack und Leder sehen will und akzeptiert, dass sie nicht allzu oft im Bild ist und entsprechend wenig kämpfen darf.

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Underworld: Blood Wars (Underworld: Blood Wars, USA 2016)

Regie: Anna J. Foerster

Drehbuch: Cory Goodman (nach einer Geschichte von Kyle Ward und Cory Goodman, basierend auf Charakteren von Kevin Grevioux, Len Wiseman und Danny McBride)

mit Kate Beckinsale, Theo James, Lara Pulver, Tobias Menzies, Bradley James, James Faulkner, Charles Dance, Clementine Nicholson

Länge: 92 Minuten

FSK: ab 16 Jahre

Hinweise

Deutsche Homepage zum Film

Moviepilot über „Underworld: Blood Wars“

Metacritic über „Underworld: Blood Wars“

Rotten Tomatoes über „Underworld: Blood Wars“

Wikipedia über „Underworld: Blood Wars“ (englisch)

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