DVD-Kritik: Oh, Jesus. „Left Behind – Vanished: Next Generation“ für den Weltuntergang

Young-Adult-Dystopien, die nächste Runde. Wieder mit einer jungen Frau als Heldin, die mühelos taffe Kämpferin und fürsorgliche große Schwester ist.

Die 15-jährige Gabby lebt mit ihrer jüngeren Schwester Claire und ihrer Mutter in Chicago. Ihr Vater Eric Harlow lebt vor Chicago auf dem Land. Sie hat einen netten und äußerst rücksichtsvollen Freund und eigentlich ist alles in Ordnung, wenn nicht fünf Minuten nach dem Filmbeginn plötzlich Millionen Menschen verschwinden würden. Auch ihre Mutter. Die Verschwundenen lassen nur ihre Kleidung zurück (Kleiner Tipp: Immer frische Unterhosen anziehen!).

Weil die Großstadt, in der nach dem massenhaften Verschwinden von Menschen gerade Bürgerkrieg herrscht, machen Gabby, Claire, Gabbys Freund Josh und der Straßenjunge Flynn, der Claire rettete, sich auf den Weg zu Gabbys Vater. Sie finden ihn nicht, werden aber von Damon auf seiner Farm aufgenommen. Die wurde in den Tagen seit der Katastrophe zu einer Zufluchtsstätte für die Zurückgebliebenen. Jeder, der etwas zur Gemeinschaft beiträgt, ist in dieser Landkommune willkommen.

Dass Damons Farm nicht das erhoffte Paradies für die vier Jugendlichen ist, dürfte niemand überraschen. Sie bemerken es, als sie ein Gefängnis entdecken, in dem auch Eric Harlow festgehalten wird.

Left Behind – Vanished: Next Generation“ basiert lose auf den schon mehrfach verfilmten „Left Behind“-Romanen von Tim LaHaye (ein evangelikaler Pastor, religiöser Rechter und Unterstützer von George W. Bush und Mike Huckabee) und Jerry B. Jenkins, die auf Deutsch als „Finale – Die letzten Tage der Erde“ erschienen sind, besonders deren „Left Behind: The Kids“-Büchern. Sie sind geprägt von LaHayes evangelikalem Weltbild und einer vom Dispensationalismus beeinflussten Vorstellung von göttlichen Prüfungen und dem Ende der Welt, der Apokalypse. Danach kamen bei dem Verschwinden von Millionen von Menschen die wahren Gläubigen in den Himmel. Klingt irre, wird aber todernst erklärt und ist auch so gemeint. Diese Erklärung für die Katastrophe und die pathetischen Beschwörungen der Kraft des wahren Glaubens werden in dem Film immer wieder penetrant angesprochen. Schnell nerven sie ungefähr so sehr, wie die Werbepausen bei einem Spielfilm.

Larry A. McClean, der bislang vor allem Episoden für weitgehend unbekannte TV-Serien drehte, inszenierte den Film mit einem überschaubarem Budget mit unbekannten Schauspielern. Er wirkt durchgehend wie der wenig vielversprechende, mit einem Cliffhanger endende Auftakt einer kurzlebigen dystopischen TV-Serie. Und so etwas ähnliches planen die „Left Behind“-Macher auch. „Left Behind – Vanished: Next Generation“ soll der Auftakt einer siebenteiligen Serie sein.

Die Pläne ändern nichts daran, dass „Left Behind – Vanished: Next Generation“ ein in jeder Beziehung vorhersehbarer und verzichtbarer Film ist, der mit religiösem Gedöns nervt.

left-behind-dvd-cover

Left Behind – Vanished: Next Generation (Left Behind – Vanished: Next Generation, USA 2016)

Regie: Larry A. McClean

Drehbuch: Kim Beyer-Johnson, Joan Considine Johnson

LV: Inspiriert von den „Left Behind“-Romanen von Tim LaHaye und Jerry B. Jenkins

mit Amber Frank, Mason Dye, Dylan Sprayberry, Tom Everett Scott, Jackson Hurst

DVD

Eurovideo

Bild: 1,78:1 (16:9 anamorph)

Ton: Deutsch, Englisch (DD 5.1)

Untertitel: –

Bonusmaterial: Trailer

Länge: 85 Minuten

FSK: ab 12 Jahre

Hinweise

Moviepilot über „Left Behind – Vanished: Next Generation“

Rotten Tomatoes über „Left Behind – Vanished: Next Generation“

Wikpedia über die „Left Behind“-Bücher (deutsch, englisch)

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4 Antworten zu DVD-Kritik: Oh, Jesus. „Left Behind – Vanished: Next Generation“ für den Weltuntergang

  1. Harry sagt:

    Erlebnisse zu dem Drama wurden ja schon mit Nicolas Cage verfilmt und floppten gnadenlos.
    Zuvor gab es 2005 noch „Finale – Die Welt im Krieg“ mit Louis Gossett jr. und Casper van Dien unter der Regie von Craig R. Baxley. Von den Kritikern nicht mit Wohlwollen bedacht.
    Zuvor gab es noch „Left behind“ im Jahr 2000 mit Kirk Cameron und Brad Johnson (die beide auch in „Welt im Krieg“ mitspielen) sowie „Left behind – Tribulation force“ im Jahr 2002, auch mit Cameron und Johnson. Beide Werke erreichten Deutschland nie.

    Vor einigen Jahren hab ich mal eines der Bücher gelesen, das in Deutschland veröffentlicht wurde. Sollten froh sein, dass ich mich damals noch nicht mit dem Schreiben sinnfreier Rezensionen beschäftigt hab..

    Gruß
    Harry

  2. AxelB sagt:

    Soviel zu meinem Versuch, die vorherigen Verfilmungen gnädig zu verschweigen.
    Leider ist dieses Mal das Budget so niedrig, dass Fortsetzungen nicht ausgeschlossen sind.

  3. Harry sagt:

    Sorry an alle, die jetzt in tiefste Depressionen verfallen sind. War nicht beabsichtigt – diesmal.

    Gruß
    Harry

  4. AxelB sagt:

    Entschuldigung angenommen. Aber nur wegen Weihnachten.
    Muss ja etwas für mein Karma tun. Neben der sauberen Unterhose.

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