DVD-Kritik: Nordisch mordend: „Modus – Der Mörder in uns“ und „Kommissar Beck“

Der skandinavische Krimi, und da ist der Unterschied zwischen Buch und Film nicht so weltbewegend, ist wie Ikea: immer gleich, vertraut depressiv und nie eine bestimmte Qualität unterschreitend, egal ob es um Serienmorde oder Morde in Serie geht. Das gilt auch für den zweiten Teil der fünften Staffel von „Kommissar Beck“, in dem vier Fälle des Ermittlers geschildert werden, und die Miniserie „Modus – Der Mörder in uns“, nach einem Roman von Anne Holt.

Kommissar Beck“ ist inzwischen die älteste und langlebigste Serie, die aus dem hohen Norden zu uns kommt. 1997 ermittelten Martin Beck (Peter Haber), Gunvald Larsson (Mikael Persbrandt) und ihr Team erstmals. Erfunden wurden sie von Maj Sjöwall und Per Wahlöö bereits 1965. Sie schrieben zehn Kriminalromane, die zunehmend politischer wurden und die Veränderungen der schwedischen Gesellschaft reflektierten. Die Krimis waren und sind ein weltweiter Erfolg. Sie beeinflussten zahlreiche Autoren und ihr Einfluss auf den skandinavischen Kriminalroman kann nicht überschätzt werden (daran ändert auch Henning Mankells ebenfalls überaus einflussreicher Kommissar Wallander nichts). Es gab auch einige Verfilmungen. Am bekanntesten ist der spannende US-Thriller „Massenmord in San Francisco“ (1973), nach dem Roman „Endstation für neun“, mit Walter Matthau als Martin Beck. Aber erst ab 1997 gab es, teils mit längeren Pausen, eine kontinuierliche Serie, in der die einzelnen Fälle schon lange nichts mehr mit den Romanen zu tun haben.

Inzwischen ist „Kommissar Beck – Staffel 5, Episoden 5 – 8“ erhältlich. Die Box enthält auf 2 DVDs (ohne Bonusmaterial) die neuesten vier spielfilmlangen Folgen, die manchmal auch als sechste Staffel gezählt werden und sich kaum von den vorherigen „Kommissar Beck“-Krimis unterscheidet.

Mikael Persbrandt, der seit der ersten Folge Martin Becks oft die Gesetze dehnenden, manchmal überschreitenden Kollegen und Freund Gunvald Larsson spielt, sagte, dass er nach dieser Staffel aus der Serie „Kommissar Beck“ aussteigen werde – und wer nicht wissen möchte, wie das geschieht, der sollte jetzt mit dem Lesen aufhören.

Im ersten Fall „Schüsse auf Gunvald“ (also Episode 5) wird während eines Routineeinsatzes auf Gunvald Larsson geschossen. Danach liegt er im Koma und stirbt am Ende der Episode. Er wollte eine Nachbarin des ermordeten investigativen Journalisten Wivel befragen. Dabei traf er auf Wivels Mörder.

Kommissar Beck und sein Team wollen jetzt herausfinden, wer die titelgebenden „Schüsse auf Gunvald“ abfeuerte und den Journalisten ermordete und was der notorische Verbrecher Risto Kangas damit zu tun hat.

In „Der Neue“ begrüßt Becks Team Steinar Hovland (Kristofer Hivju aus und mit „Game of Thrones“-Frisur), der erkennbar als Gegenentwurf zu Gunvald Larsson angelegt ist und der in der ersten Episode in fast jedem Gespräch von sich und seiner Familie erzählt. Darauf wurde, zum Glück, in den nächsten beiden Episoden verzichtet. Gunvald Larsson wird auch nicht mehr erwähnt. Nur Martin Beck wird noch trauriger und introvertierter.

Gemeinsam versuchen sie herauszufinden, wer warum in einem Campingwagen ermordet und verbrannt wurde. Dabei sind die sozial schwachen Bewohner des Campingplatzes, der von Nachbarn, die auch eine Bürgerwehr gegen die Drogenhöhle gegründet haben, keine große Hilfe.

In „Tödliche Sackgasse“ werden ein Ex-Polizist und seine Familie in seinem Haus ermordet. Bei ihren Ermittlungen stellen Beck und sein Team fest, dass der Ermordete keine weiße Weste hatte. Sie fragen sich, was an den Vorwürfen dran ist (viel) und ob das der Grund für den Mord war (na, selbstverständlich!).

In „Zahltag“ bringt ein Mann, der zu schnell fuhr, eine Polizistin um. Während der anschließenden, betont unspektakulär geschilderten Jagd nach dem Polizistenmörder begeht dieser weitere Verbrechen, die anscheinend Teil eines größeren Plans sind.

Der Mörder wird von Simon J. Berger gespielt, der in „Modus – Der Mörder in uns“ den leicht schusseligen Ex-Mann von Inger Johanne Vik spielt.

Das ist, wie gesagt, mit dem vertrauten Personal unspektakulär im gewohnten Rahmen.

 

Modus – Der Mörder unter uns“ ist eine aus vier spielfilmlangen Episoden bestehende Miniserie (bzw. im Original acht 45-minütige Episoden), die durchaus fortgesetzt werden kann. Immerhin schrieb die Norwegerin Anne Holt bislang fünf Vik/Stubø-Romane.

Für den Film wurde „Gotteszahl“, der vierte Roman der Serie, gewählt und teilweise verändert.

Inger Johanne Vik (Melinda Kinnaman) ist eine Wissenschaftlerin, die für die Polizei als Profilerin arbeitete und sich jetzt auf ihre beiden Kinder und die Wissenschaft konzentrieren will. Sie wird von Kommissar Ingvar Nyman (Henrik Norlén, im Roman Yngvar Stubø) gebeten, ihr bei einem Fall zu helfen. Nach anfänglichem Zögern erklärt sie sich bereit und beide versuchen herauszufinden, warum ein Mörder mehrere bekannte Personen kurz vor Weihnachten so umbringt, dass sie sofort als Mordfälle auffallen.

Als Zuschauer kennen wir zwar von der ersten Minute das Gesicht des Mörders und wir wissen auch, dass er über sechs verschiedene Smartphones (was uns dann auch schnell vermuten lässt, dass er sechs Menschen umbringen will) Informationen über seine Opfer erhält. Warum er allerdings die Morde ausführt, bleibt sehr lange vollkommen im Dunkeln.

Das lässt sich über die vier Folgen flott wegsehen. Allerdings streckt der Vierteiler die sehr überschaubare Krimihandlung mit etlichen privaten Plots bis zum Gehtnichtmehr. Während wir viel über das Privatleben der Haupt- und Nebenfiguren erfahren und Nebenfiguren, die später nicht mehr auftauchen und einen nur marginalen Input auf die Ermittlungen haben, viel Bildschirmzeit bekommen, bewegen sich die Ermittlungen von Vik und Nyman im Schneckentempo voran. Immerhin schlägt unser in einem Wohnwagen im Wald lebender Serienmörder immer wieder, so alle 45 Minuten, zu.

Insofern hat das Ansehen von „Modus – Der Mörder in uns“ schon etwas Meditatives. Wenn man sich nicht gerade damit beschäftigt, aus dem sechsstündigem Epos einen zweistündigen Thriller herauszudestillieren. Das wäre problemlos möglich gewesen. So ist „Modus“ ein TV-Krimi, der das liefert, was die Fans von skandinavischen Krimis erwarten. Nicht mehr. Aber auch nicht weniger.

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Kommissar Beck – Staffel 5: Episoden 5 – 8 (Beck, Schweden/Deutschland 2016)

LV: Charaktere von Maj Sjowall und Per Wahlöö

mit Peter Haber (Martin Beck), Mikael Perbrandt (Gunvald Larsson), Kristofer Hivju (Steinar Hovland), Ingvar Hirdwall (Nachbar), Rebecka Hamse (Inger Beck), Måns Nathanaelson (Oswald Bergman), Anna Asp (Jenny Bodén), Elmira Arikan (Ayda Cetin), Jonas Karlsson (Klas Fredén), Åsa Karlin (Andrea Bergström)

DVD

edel:motion

Bild: 1,78:1 (16:9 PAL)

Ton: Deutsch, Schwedisch (Dolby Digital 5.1)

Untertitel: Deutsch für Hörgeschädigte

Bonusmaterial: –

Länge: 354 Minuten (2 DVDs)

FSK: ab 12 Jahre

Die 5.2-Fälle

Schüsse auf Gunvald (Gunvald, Schweden/Deutschland 2016)

Regie: Mårten Klingberg

Drehbuch: Mikael Syrén

Der Neue (Steinar, Schweden/Deutschland 2016)

Regie: Mårten Klingberg

Drehbuch: Josefin Johansson, Mårten Klingberg (Adaptation), Stefan Thunberg (Adaptation), Mikael Syrén (Adaptation)

Tödliche Sackgasse (Vägs Ände, Schweden/Deutschland 2016)

Regie: Jörgen Bergmark

Drehbuch: Stefan Thunberg

Zahltag (Sista dagen, Schweden/Deutschland 2016)

Regie: Jörgen Bergmark

Drehbuch: Antonia Pyk

Hinweise

ZDF über „Kommissar Beck“

Wikipedia über „Kommissar Beck“, Maj Sjöwall, Per Wahlöö und ihre Romane

Meine Besprechung von „Kommisar Beck – Staffel 5: Episoden 1 – 4“

 

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Modus – Der Mörder in uns (Modus, Schweden/Deutschland 2015)

Regie: Lisa Siwe, Mani Maserrat Agah

Drehbuch: Mai Brostrøm, Peter Thorsboe

LV: Anne Holt: Pengemannen, 2009 (Gotteszahl)

mit Melinda Kinnaman (Inger Johanne Vik), Henrik Norlén (Ingvar Nyman), Marek Oravec (Richard Forrester), Simon J. Berger (Isak Aronson), Esmeralda Struwe (Stina Vik), Magnus Roosmann (Marcus Ståhl), Peter Jöback (Rolf Ljungberg), Johan Widerberg (Lukas Lindgren), Lily Wahlsteen (Linnea Vik), Krister Henriksson (Erik Lindgren), Liv Mjönes (Patricia Green), Cecilia Nilsson (Elisabeth Lindgren), Josefine Tengblad (Sophie Dahlberg)

Blu-ray

edel:motion

Bild: 1080/50i HD 16:9

Ton: Deutsch, Schwedisch (DTS-HD Master Audio 5.1)

Untertitel: –

Bonusmaterial: Mini-Featurette, 8-seitiges Booklet

Länge: 364 Minuten

FSK: ab 16 Jahre

Hinweise

ZDF über „Modus – Der Mörder in uns“

Wikipedia über „Modus – Der Mörder in uns“ und Anne Holt (deutsch, englisch, norwegisch)

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