Neu im Kino/Filmkritik: Vin Diesel zelebriert „xXx: Die Rückkehr des Xander Cage“

Erinnert ihr euch noch an „xXx – Triple X“? Das war vor fünfzehn Jahren ein rabaukiger Actionfilm, die Vulgär-Version eines James-Bond-Films mit viel „The Fast and the Furious“-Gefühl, aber ohne das ganze Familien- und Kameradschaftsgedöns. Bei den Actionszenen kam dann, zu Land, zu Wasser, in der Luft und dazwischen, alles zum Einsatz, was das Herz des Actionfans erfreut. Vin Diesel verkörperte den muskelbepackten Helden Xander Cage, genannt „Triple xXx“ wegen seiner xXx-Tätowierung im Nacken, förmlich. Etwaige Bedenken hinsichtlich seiner schauspielerischen Fähigkeiten fegte er mit einem breiten Grinsen weg. Er war xXx. Damals hatte er mit Dominic Toretto in „The Fast and the Furious“ (2001) und dem blinden Weltraumkrieger Riddick in „Pitch Black“ (2000) seinen Durchbruch an der Kinokasse.

Er war ein Star und wollte auch andere Rollen spielen.

Beim zweiten „Fast & Furious“-Film spielte er nicht mit. Inzwischen ist er schon lange wieder zu dem kommerziell sehr einträglichem Actionfranchise zurückgekehrt. Mit Riddick gab es weitere Filme, die kommerziell und künstlerisch nicht besonders überzeugend ausfielen.

Auch beim zweiten „xXx“-Film war er nicht dabei. In dem Actionfilm hieß es, Xander Cage sei bei einem Anschlag gestorben. Ice Cube übernahm als Darius Stone die Rolle des Agenten. Der Film war bei der Kritik und dem Publikum ein Flop. Danach dachte man, dass das geplante Franchise tot sei.

Aus heutiger Perspektive ist der Film als Frühwerk von Drehbuchautor Simon Kinberg und damit als Vorschau auf die heutigen Superheldenfilme interessant. So ist der die Welt bedrohende Feind Teil der US-Administration. Also ein scheinbar Guter, der in Wirklichkeit ein Bösewicht ist. Der Held und seine Organisation sind existentiell bedroht, werden oft auch aufgelöst, und jeder Tod kann ein Täuschungsmanöver sein (vor allem wenn der Tote von einem bekannten Schauspieler gespielt wird). Kinberg war, teilweise als Autor, meist als Produzent, in die „X-Men“-Filme, „Fantastic Four“ und „Deadpool“ involviert.

Jetzt gibt es die höchstens von Vin-Diesel-Fans heiß erwartete Rückkehr des Xander Cage. Denn Vin Diesel, der neben dem „Fast & Furios“-Franchise gerne ein zweites lukratives Standbein hätte, spielt wieder den vulgär-großmäuligen, grundsympathischen Extremsportler, der sich wie ein kleines Kind freut, wenn um ihn herum ein veritables Kindergeburtstagschaos herrscht.

D. J. Caruso („Disturbia“, „Eagle Eye“) übernahm als reiner Regiehandwerker ohne irgendeine erkennbare künstlerische Vision die Aufgabe, den Star in ein möglichst gutes Licht zu setzen. Das wäre okay, wenn nicht gleichzeitig in jeder Szene der Star auf peinlichste Weise gehuldigt würde. Jeder kennt Xander Cage. Jeder mag ihn. Er ist in dem Geheimdienst eine Legende. Jeder will mit ihm zusammen arbeiten. Entsprechend groß und „Fast & Furious“-bunt ist dann das Team, das Xander Cage rekrutiert. Immerhin verzichtet Xander Cage auf die „Wir sind eine Familie“-Ansprachen von Dom Toretto.

Die Story folgt den Pfaden des heute so beliebten superkomplexen und verschachtelten und vor Überraschungen triefendem Actionfilm.

Cage soll „Pandoras Box“ wieder beschaffen. Es handelt sich um eine handliche Festplatte, auf der die Codes sind, mit denen man jeden militärischen Satelliten abstürzen lassen kann. In den falschen Händen kann mit der Festplatte also der nächste Weltkrieg ausgelöst werden. Sie wurde von einer vierköpfigen Gruppe extrem talentierter und extrem unbekannter Kampfsportler geklaut. In einer extrem ambitionierten Aktion aus einem höchst gesichertem Geheimdiensthochhaus.

Mit seinen Jungs und Mädels macht Cage sich im Auftrag von Gibbons-Nachfolgerin Jane Marke (Toni Collette, latent beleidigt aussehend, mit Betofrisur und Betongesicht) auf den Weg um den halben Globus. Das Finale ist dann, wenig exotisch, in den Hinterhöfen und Lagerhallen einer US-Großstadt.

Weil eine solche einfache Geschichte heute anscheinend nicht mehr abendfüllend ist, gibt es in Carusos Film einen Bösewicht hinter dem Bösewicht und Gute, die zu Bösewichtern werden und umgekehrt. Tote tauchen wieder auf (wie der eigentlich tote Xander Cage), Bösewichter, die früher einen großen Abgang hatten, sterben in einer Zehntelsekunde, während das Interesse an der Geschichte rapide sinkt. Denn der Hauptbösewicht hat kein Charisma mehr. Bis er enttarnt wird, kennt ihn niemand. Oder man hält ihn für einen Vertreter der Guten. Jedenfalls ist er nicht bedrohlich und damit auch keine Bedrohung für den Helden und, in diesem Fall, sein Team. Das ist dann kein Bond-Bösewicht mehr („Die Rückkehr des Xander Cage“ will auch keine Bond-Kopie sein) und auch kein Yorgi, der von Anfang an bekannte Bösewicht des ersten „xXx“-Films, sondern nur noch ein Gesicht mit dem Hinweisschild „Böser Bösewicht“.

Dabei geht niemand wegen der Geschichte in einen Actionfilm, der vor allem Action liefern möchte und der dafür halt eine Geschichte braucht, die die Action sinnvoll zusammenhält. Eine solche Geschichte haben die Drehbuchautoren Chad St. John („London has fallen“) und F. Scott Frazier („Collide“) nicht geschrieben.

Die Action ist gewohnt hektisch geschnitten. Man ahnt mehr, wer gerade wie gegen jemand anderes kämpft, als dass man sieht, wie der Kampf abläuft. Rückblickend scheint „xXx: Die Rückkehr des Xander Cage“, wenn wir das Gerede weglassen, nur aus wenigen Faustkämpfen (viele Schnitte) und vielen Schießereien (viel Lärm) zu bestehen. Gerade letzteres ist nicht besonders aufregend. Vor allem wenn die Schießereien in leerstehenden Lagerhallen, dem bevorzugten Handlungsort billiger Actionfilme, spielen.

xxx-3-plakat

xXx: Die Rückkehr des Xander Cage (xXx: Return of Xander Cage, USA 2017)

Regie: D. J. Caruso

Drehbuch: Chad St. John, F. Scott Frazier (basierend auf einem von Rich Wilkes erfundenen Charakteren)

mit Vin Diesel, Samuel L. Jackson, Ruby Rose, Nina Dobrev, Rory McCann, Deepika Padukone, Toni Collette, Ice Cube

Länge: 107 Minuten

FSK: ab 16 Jahre

Hinweise

Deutsche Homepage zum Film

Englische Homepage zum Film

Moviepilot über „xXx: Die Rückkehr des Xander Cage“

Metacritic über „xXx: Die Rückkehr des Xander Cage“

Rotten Tomatoes über „xXx: Die Rückkehr des Xander Cage“

Wikipedia über „xXx: Die Rückkehr des Xander Cage“

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