Neu im Kino/Filmkritik: „Der Eid“ – Eiskalter Noir aus Island

Nach mehreren US-Filmen ist „Everest“-Regisseur Baltasar Kormákur jetzt wieder nach Island zurückgekehrt mit dem eiskalten Noir „Der Eid“ und der TV-Serie „Trapped – Gefangen in Island“, die bei uns ab Sonntag, den 19. Februar, um 22.00 Uhr im ZDF läuft.

Der Eid“ läuft im Kino mit Baltasar Kormákur in der Hauptrolle. Er spielt Finnur, einen glücklich verheirateten Vater und bei seinen Kollegen respektierten Herzchirurgen. Allerdings bereitet ihm seine volljährige Tochter Anna schlaflose Nächte. Anstatt brav zu studieren, feiert sie lieber und konsumiert Drogen bis der Notarzt kommt. Ihr neuer Freund Ottar ist auf den ersten, zweiten und dritten Blick ein Verbrecher, der mit Drogenhandel einen gehobenen Lebensstil pflegt. Selbstverständlich möchte Finnur, dass Anna die Beziehung zu Ottar beendet. Aber sie denkt nicht dran. Ottar sei ihre große Liebe und auch Ottar will sie nicht verlassen.

Als Finnur in Ottars Wohnung Drogen findet, informiert er die Polizei. Die nimmt, weil der Besitzer der Drogen unklar ist, Ottar allerdings nicht fest. Sie beschlagnahmt die Drogen. Ottar, der durch eine Nachbarin erfährt, dass Finnur bei ihm eingedrungen ist, beginnt Finnur zu erpressen.

Und Finnur beginnt zu überlegen, wie er den Freund seiner Tochter endgültig aus dem Weg schaffen kann. Dabei spielt der titelgebende Hippokratische Eid eine Rolle.

Der Eid“ ist ein ruhiger, nordisch unterkühlt erzählter Noir, der sich im winterlichen Reykjavik und dem menschenleeren Umland mahlstromartig zu seinem erwartbaren Ende entwickelt. Kormákur folgt schnörkellos den bekannten Erzählkonventionen. Die kleinen Variationen und Überraschungen liegen dabei mehr in Finnurs als in Ottars Handlungen. Ottar ist nämlich der typische Kriminelle, der es gewohnt ist, mit Erpressung und Gewalt seinen Willen durchzusetzen. Auch der zunehmend handgreiflich ausgetragene Kampf zwischen Finnur und Ottar, bei dem nur einer gewinnen kann, folgt dem bekannten Eskalationsprinzip.

Dabei sollte Finnur doch eigentlich intelligent genug sein, um Ottar ohne Gewalt zu besiegen. Das wäre natürlich ein anderer Film, aber auch ein Film, den wir viel zu selten sehen und der aus „Der Eid“ mehr als ein Selbstjustizdrama vor ungewohnter Kulisse gemacht hätte.

der-eid-plakat

Der Eid (Eidurinn, Island 2016)

Regie: Baltasar Kormákur

Drehbuch: Ólafur Egill Egilsson, Baltasar Kormákur

mit Baltasar Kormákur, Hera Hilmer, Gisli Örn Gardarsson, Ingvar Eggert Sigurdsson

Länge: 104 Minuten

FSK: ab 16 Jahre

Hinweise

Homepage zum Film

Moviepilot über „Der Eid“

Rotten Tomatoes über „Der Eid“

Wikipedia über „Der Eid“

Meine Besprechung von Baltasar Kormákurs “Contraband” (Contraband, USA 2012)

Meine Besprechung von Baltasar Kormákurs “2 Guns” (2 Guns, USA 2013)

Meine Besprechung von Baltasar Kormákurs „Everest“ (Everest,USA/Großbritannien 2015)

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