„Libreville“ – ein Ausflug nach Afrika mit Mord und Totschlag – und etwas Korruption

Libreville ist die Hauptstadt von Gabun, einem Land in Afrika, das eine französische Kolonie war, in Lambaréné Albert Schweitzer sein weltweit bekanntes Hospital hatte und der Äquator verläuft durch das dünn besiedelte Land.

Libreville“ ist auch der Titel eines Kriminalromans von Janis Otsiemi, einem 1976 geborenem Gabuner, der bereits mehrere Kriminalromane schrieb, die alle noch nicht ins Deutsche übersetzt sind. Das sollte sich dringend ändern.

Die Geschichte spielt wenige Monate vor dem Tod das gabunischen Staatspräsidenten Omar Bongo, der das Land von 1967 bis zu seinem Tod am 8. Juni 2009 regierte.

Die Polizisten Pierre Koumba Owoula und Hervé Louis Boukinda Envame müssen den Mord an dem Journalisten Roger Missang aufklären. Ihr Chef möchte, dass sie den Fall schnell aufklären und so die Proteste von „Reporter ohne Grenzen“ schnell verstummen. Die beiden Ermittler vermuten, dass Missang aus politischen Gründen ermordet wurde. Ihre Einschätzung ändern sie, als sie erfahren, dass die Kugel, die sie bei Missang fanden, zu der Waffe gehört mit der vor fünf Jahren Pavel Kurka, der Sicherheitschef des Verteidigungsministers, erschossen wurde. Seitdem ist die Waffe verschwunden und der Täter läuft noch frei herum. Nach dieser Entdeckung wird auch dem Mordfall eine Staatsaffäre.

Neben der Mordermittlung müssen die beiden Polizisten mehrere kleinere Fälle aufklären und immer wieder helfen ihnen Zufälle, Glück, Spitzel und brutale Verhöre. Eine normale, westlich-zivilisierten Standards gehorchende Polizeiarbeit findet dagegen nicht statt. Die Korruption hat ein Ausmaß, das die gesamte Polizei und Verwaltung lahmlegt. Falls sie sowieso nicht schon latent arbeitsunfähig wäre. Immerhin funktionieren auf der Polizeistation die Schreibmaschinen aus der de-Gaulle-Zeit noch.

Janis Otsiemi erzählt das auf knapp zweihundert Seiten spannend und ohne Umwege. Dabei mimt er öfter den Erklärbär, der ein Publikum im Hinterkopf hat, das Libreville, Gabun und die dortigen Zustände nicht kennt.

Libereville“ ist kein Rätselkrimi (außer natürlich dem Rätsel, wie die Beamten in dieser Umgebung überhaupt Ermittlungserfolge haben können), aber ein düsterer Polizeithriller, der einen Einblick in eine fremde Welt gibt, die man nicht besuchen möchte. Denn in Otsiemis Roman gibt es nur Verbrecher und mehr oder weniger korrupte Polizisten.

Abgerundet wird der Roman von einem aktuellen Interview, das Alf Mayer mit Otsiemi führte.

Janis Otsiemi: Libreville – Ein Kriminalroman aus Gabun

(übersetzt von Caroline Gutberlet)

Polar Verlag, 2017

224 Seiten

14 Euro

Originalausgabe

African Tabloid

Jigal, 2013

Hinweise

Polar über Janis Otsiemi

Wikipedia über Janis Otsiemi

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6 Responses to „Libreville“ – ein Ausflug nach Afrika mit Mord und Totschlag – und etwas Korruption

  1. Das ist dann mal wieder Lesestoff für mich. Werd ich mir dann wohl demnächst holen (müssen). Obwohl ich selbstverständlich noch ne Menge Bücher hab, die auf meine Aufmerksamkeit warten. Darunter auch „Geld ist nicht genug“ von Wallace Stroby, dem zweiten Crissa Stone.

    Gruß
    Günter

  2. AxelB sagt:

    Der Wallace Strroby liegt auch bei mir herum. Hat ja nicht gerade ein Hosentaschenformat und ich will ihn ohne große Pausen lesen.

  3. Und der neue Oliver Harris erst. „London stalker“ ist jetzt auch keine Kurzgeschichte. Will aber erst einmal noch die neu America-First-Romane aus der Crime-Abteilung von Festa lesen.

  4. AxelB sagt:

    Die ja meist unverschämt seitenstark sind.

  5. Sind sie.
    Der Stroby hat übrigens „nur“ rund 335 Seiten und ist großzügig gesetzt.
    „Libreville“ hab ich geordert und gleich mitbestellt „Brant“ von Ken Bruen. Soll am 15.4. rauskommen.

  6. AxelB sagt:

    Der Ken Bruen ist gut. Wurde mit Jason Statham verfilmt.

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