Neu im Kino/Filmkritik: „Das Ende ist erst der Anfang“ vom Ende

Die Beauce, die Kornkammer Frankreichs, ist eine dünn besiedelte Landschaft nördlich von Paris und wenn nicht gerade der Weizen sprießt, ist es eine echte „Fargo“-Landschaft. Ohne den Schnee. Die Menschen könnten, wie wir in „Das Ende ist erst der Anfang“ erfahren, problemlos in dem Film der Coen-Brüder mitspielen. Sogar Jesus läuft mehrmals durch das Bild und er hat eine wichtige Rolle in der von Bouli Lanners geschriebenen und in schönster Country-Noir-Tradition inszenierten Geschichte. Er spielt auch Gilou, einen Kopfgeldjäger, der mit seinem Partner Cochise (Albert Dupontel) in der Beauce ein Telefon finden soll. Das Handy wurde ihrem Auftraggeber gestohlen und es enthält wichtige Informationen über den Gangster.

Die Diebe, Willy (David Murgia) und Esther (Aurore Broutin), irren durch die menschenleere Landschaft und halten sich mit kleinen Diebstählen über Wasser. Beide sind geistig beschränkt. Sie suchen die Adoptivmutter von Esthers Tochter. Sie haben keine Ahnung, wo sie ist und wie sie sie finden können.

Diese vier Durchreisende treffen auf seltsame Einheimische und Kleingangster. Wobei Gilou und Cochise auch nicht gerade die hellsten Leuchten sind. Eher so in Richtung Vincent Vega und Jules Winnfield aus „Pulp Fiction“, allerdings in der abgerockten franco-belgischen Schmuddelversion.

Das hat durchaus seinen Reiz, aber Bouli Lanners („Eldorado“, „Kleine Riesen“) lässt die lakonisch erzählte Geschichte voller Figuren, die auch in einem Kaurismäki-Film gut aufgehoben wären, an Orten, die sogar Kaurismäki als zu schäbig empfinden würde, in durchgehend dunkel-monochromen Bildern, die George Millers SW-Version von „Mad Max: Fury Road“ wie einen knallbunten Farbfilm erscheinen lassen, eher vor sich hin plätschern. Vieles in der eigentlich simplen Geschichte bleibt sehr lange rätselhaft oder wird nur interpretationsoffen angedeutet. Es wird vom Ende der Welt gesprochen und Lanners garniert den Film eifrig mit christlichen Symbolen und Anspielungen. Über weite Strecken wird kein einziger Konflikt auch nur halbwegs konsequent verschärft. Die Auftritte der Einheimischen sind Vignetten, während Cochise und Gilou gar nicht so sehr daran interessiert sind, ihren Auftrag zu erledigen. Immerhin stecken sie in einer ausgewachsenen Sinnkrise, die erst einmal kuriert werden muss.

Das alles hat Potential, das Lanners zu wenig nutzt. So ist „Das Ende ist erst der Anfang“ letztendlich ein Film, der weit unter seinen Möglichkeiten bleibt.

Auf der 66. Berlinale erhielt der Film den „Preis der Ökumenischen Jury in der Sektion Panorama“.

Das Ende ist erst der Anfang (Les premiers, les derniers, Belgien/Frankreich 2016)

Regie: Bouli Lanners

Drehbuch: Bouli Lanners

mit Albert Dupontel, Bouli Lanners, Suzanne Clément, Michael Lonsdale, David Murgia, Aurore Broutin, Philippe Rebbot, Max von Sydow

Länge: 97 Minuten

FSK: ab 12 Jahre

Hinweise

Deutsche Homepage zum Film

Moviepilot über „Das Ende ist erst der Anfang“

AlloCiné über „Das Ende ist erst der Anfang“

Wikipedia über „Das Ende ist erst der Anfang“ (englisch, französisch)

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