Neu im Kino/Filmkritik: „Plan B – Scheiß auf Plan A“, Hauptsache Action

Ältere Semester und Die-hard-Fans von 80er-Jahre-Action- und Hongkongfilmen dürften die meisten Anspielungen in „Plan B – Scheiß auf Plan A“ erkennen und sich darüber freuen. Auch die Story könnte aus einem dieser Filme stammen.

Can (Can Aydin), großer „City Cobra“-Sylvester-Stallone-Fan, Phong (Phong Giang) und Cha (Cha-Lee Yoon), die andere Idole haben, sind Martial-Arts-Kämpfer, die von einer Filmkarriere träumen und, erfolglos, von Casting zu Casting laufen. Auch von ihrem neuesten Vorsprechtermin versprechen sie sich nicht viel.

Weil ihr Manager U-Gin (Eugene Boateng), begabter Tänzer der Michael-Jackson-“Thriller“-Schule, die falsche Adresse aufschreibt, geraten sie in eine Geiselnahme.

Einige Gangster haben Victoria (Julia Dietze) entführt. Sie ist Gabriels Frau. Er ist seit Ewigkeiten der König der Berliner Unterwelt. Über seine Frau wollen die Verbrecher an den Inhalt von seinem legendären Safe gelangen. Denn nur Gabriel kennt den Standort seines Safes. Aber er hat, falls ihm etwas passiert, in Berlin an mehreren Orten Hinweise auf den Safe versteckt.

Als die vier Jungs in der Lagerhalle auftauchen, glauben sie zuerst, in eine Filmszene gestolpert zu sein und sie zeigen auch gleich ihre kämpferischen Qualitäten. Trotzdem können die bewaffneten Entführer sie besiegen und, anstatt die unerwünschten Zeugen umzubringen, haben die grenzdebilen Entführer eine Idee: sie nehmen Phong als Geisel und schicken Can, Cha und U-Ging los, in Berlin die Hinweise zu finden, die zum Safe führen. Wenn sie versagen, stirbt Phong.

Während die drei Jungs sich durch Berlin kloppen, werden sie von zwei Polizisten verfolgt, die es so nur in schlechten US-Actionfilmen gibt.

Gut, die Geschichte ist nur die logikfreie Entschuldigung für endlose Kloppereien, in denen die Schauspieler ihre Qualitäten als Kämpfer und Stuntmen beweisen können. Denn „Plan B – Scheiß auf Plan A“ ist eine Arbeitsprobe und spielfilmlange Visitenkarte von Reel Deal Action Design, einer Gruppe junger Stuntmänner, die in „James Bond: Skyfall“, „Hitman: Agent 47“, „Die Tribute von Panem“ und „xXx: Die Rückkehr des Xander Cage“ Teil der Stuntteams waren und hier die Hauptrollen übernahmen. Entsprechend überzeugend sind die zahlreichen Actionszenen, die sich meistens in langen Martial-Arts-Kämpfen erschöpfen. Nach der dritten Klopperei wird das dann doch etwas monoton. Da helfen auch die wechselnden Gegner von Can, Cha, Pong und U-Gin (der es nicht so mit dem Kampfsport hat) nicht.

Dazwischen gibt es zahlreiche Anspielungen auf die von ihnen verehrten Schauspieler und Filme, oft auch selbstironisch gebrochen und nicht bierernst präsentiert. Mit „Bumm – Tschack“-Einblendungen im Bild und Synthesizer-lastiger Pseudo-80er-Jahre-Musik auf der Tonspur ist der Film ein Fest für Retro-Fans, die sich über die entsprechenden, maßlos eingestreuten Zitate freuen.

Dank des in jeder Sekunde spürbaren Engagements der Macher ist „Plan B – Scheiß auf Plan A“ ein sympathischer, aber kein guter Film.

Plan B – Scheiß auf Plan A (Deutschland 2017)

Regie: Ufuk Genç, Michael Popescu, Can Aydin (Actionregie)

Drehbuch: Rafael Alberto Garciolo

mit Can Aydin, Phong Giang, Cha-Lee Yoon, Eugene Boateng, Laurent Daniels, Julia Dietze , Gedeon Burkhard, Henry Meyer , Florian Kleine, Frank Richartz, Heidi Moneymaker, Aleksandar Jovanovic, Idil Baydar, Birol Ünel, MC Bogy, B-Lash und Die Atzen und K.I.Z

Länge: 103 Minuten

FSK: ab 16 Jahre

Hinweise

Facebook-Seite zum Film

Filmportal über „Plan B – Scheiß auf Plan A“

Moviepilot über „Plan B – Scheiß auf Plan A“

Advertisements

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s

%d Bloggern gefällt das: