Mit Kristof Kryszinski im „TrailerPark“ und auf „TauchStation“

Am Ende von „TaxiBar“ stand Kristof Kryszinski auf einem Parkplatz in den Dünen der Atlantikküste zwischen Polizisten und Verbrechern, die ihn alle umbringen wollten.

Das hätte das Ende des von Jörg Juretzka erfundenen Ruhrpott-Hardboiled-Privatdetektivs und zuletzt Barbetreibers sein können.

Aber die Geschichte geht weiter. In „TrailerPark“ erzählt Kryszinski, wie er entkommen konnte. Ganz einfach: er springt einfach in das nächste Auto und rast los über die Düne auf die Straße in den Wald und dann, auf Schleichwegen, raus aus Frankreich.

Unter falscher Identität lebt er als Nepomuk Blaumanis in Portugal in dem Surferparadies Jerusalé in einem Trailerpark, in dem sich einige Urlauber und viele halbseidene Gestalten, die wenig Geld und viel Ärger mit der Polizei haben, treffen.

TrailerPark“ ist eine einzige Enttäuschung. Über zweihundert Seiten passiert nichts und dann kommt die große Welle. Denn natürlich will die Chiens du Nord immer noch ihr Geld haben und Blaumanis war (ist?) ein Söldner, der sich bei seiner Arbeit einige Feinde geschaffen hat, die ihn umbringen wollen. Und Kryszinski hat im Trailerpark einige Menschen kennen gelernt, die immer wieder Konflikte mit dem Gesetz haben.

Aber alles plätschert spannungs- und weitgehend ereignislos vor sich hin. Es gibt sogar, im Gegensatz zu allen anderen Büchern von Jörg Juretzka, nichts zu lachen.

TauchStation“, das unmittelbar an „TrailerPark“ anschließt, ist dann wieder ein Kryszinski-Roman, wie wir ihn lieben.

Kryszinski soll für Europol als „Operativer Mitarbeiter“ (d. h. wenn er stirbt, kennen wir ihn nicht und der Tod ist bei er Mission eine sehr wahrscheinliche Option) Nepomuk Blaumanis aus seiner Geiselhaft bei Islamisten freikaufen. Der Freikauf verläuft etwas anders als geplant. Auf ihrer Flucht wird in Damaskus die gerade mit ihnen gestartete Passagiermaschine von ihren Verfolgern abgeschossen. Als Quasi-Blinde-Passagiere fahren sie in einem Schiff über das Mittelmeer und, streikbedingt, betreten sie nicht in Genua, sondern in Marseille europäischen Boden.

Genau, das Marseille, das von der Chiens du Nord beherrscht wird, die Kryszinski immer noch töten will.

TauchStation“ wird, weil er hier seinen Kampf gegen die Chiens du Nord beendet, als Abschluss einer Trilogie verkauft. Aber der Roman kann auch unabhängig von den beiden vorherigen Romanen gelesen werden. Einige Hintergründe zu einigen Personen, die auch in „TrailerPark“ dabei sind, muss man sich dann halt zusammenreimen. Es gibt Begegnungen mit vielen alten Bekannte, wie den Kommissaren Hufschmidt und Menden, die Kryszinski wie die Pest hassen (und umgekehrt), Pierfrancesco Scuzzi, der als Nachtwächter immer noch nur an die Arbeit denkt, Computerguru Heckenpennes und den Stormfuckers, einer sich gerade im Ruhestand befindenden Bikergang, die Kryszinski im Kampf gegen die Chiens du Nord helfen, während Kryszinski von der einen Bredouille in die nächste gerät. Immer nach dem Prinzip „kein Plan ist so schlecht, dass er nicht doch gründlich schief gehen kann“. Entsprechend unvorhersehbar ist die Geschichte.

Das ist selbstverständlich ein großer Spaß mit Kristof Kryszinski, seinen uns seit vielen Romanen bekannten Freunden und ein, zwei neuen Freunden.

Und jetzt heißt es wieder: Warten auf die nächsten Ermittlungen des Herrn Kryszinski.

Jörg Juretzka: TauchStation

Rotbuch, 2017

272 Seiten

18,95 Euro

Jörg Juretzka: TrailerPark

Rotbuch, 2015

224 Seiten

16,95 Euro

Die Taschenbuchausgabe erscheint am 18. September für 12,95 Euro im Unionsverlag.

Dort sind auch fast alle früheren Ermittlungen von Kristof Kryszinski erhältlich.

Hinweise

Krimi-Couch über Jörg Juretzka

Lexikon der deutschen Krimiautoren über Jörg Juretzka

Kaliber .38 interviewt Jörg Juretzka (2002)

Literaturschock interviewt Jörg Juretzka (2003)

Alligatorpapiere: Befragung von Jörg Juretzka (2004)

2010LAB interviewt Jörg Juretzka (2010)

Meine Besprechung von Jörg Juretzkas „Sense“ (2000)

Meine Besprechung von Jörg Juretzkas „Bis zum Hals“ (2007)

Meine Besprechung von Jörg Juretzkas „Rotzig & Rotzig“ (2010)

Meine Besprechung von Jörg Juretzkas „Freakshow“ (2011)

Meine Besprechung von Jörg Juretzkas „Platinblondes Dynamit“ (2012)

Meine Besprechung von Jörg Juretzkas „TaxiBar“ (2014)

Advertisements

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s

%d Bloggern gefällt das: