Neu im Kino/Filmkritik: Der italienische Mafiathriller „Das Land der Heiligen – La terra dei santi“

Vittoria ist die neue Staatsanwältin in Kalabrien. Die süditalienische Region wird seit Ewigkeiten von der ‚Ndrangheta, der dortigen Version der Mafia beherrscht. Alle halten zusammen und schweigen gegenüber der Polizei. Die Kinder der Verbrecher werden früh zu einem Leben als Verbrecher erzogen; falls sie nicht in jungen Jahren ermordet werden. Oft von anderen Verbrechern. Die Frauen werden zwangsverheiratet und sie halten zu ihren Männern. Bis der Tod sie scheidet. Es ist ein gut abgeschottetes verbrecherisches System, das gegen Angriffe von außen gut geschützt ist.

Vittoria will die ‚Ndrangheta bekämpfen und sie hat eine Idee, wie sie an die teilweise untergetauchten Bosse herankommen kann. Sie will die Ehefrauen der Verbrecher zu Aussagen bewegen.

Weil dies nicht mit moralischen Appellen funktioniert, nimmt sie ihnen die minderjährigen Söhne weg und stellt sie unter staatliche Aufsicht. So zeigt sie, was in „Das Land der Heiligen“ nicht weiter vertieft wird, den Kindern der Verbrecher erstmals, dass es ein Leben außerhalb des Clans gibt. Ihr Ziel sind allerdings deren Mütter, die ihre Kinder über alles lieben und die ihre Kinder wieder sehen können, wenn sie gegen ihre Männer aussagen. Sie hofft, mit dieser Erpressung das Schweigekartell zu brechen. Besonders zwei Frauen stehen im Zentrum ihres Interesses: Caterina, die Frau des untergetauchten ‚Ndrangheta-Bosses Alfredo, und ihre jüngere, 35-jährige Schwester Assunta, die zwei Kinder hat, kürzlich Witwe wurde und schon wieder mit einem Verbrecher, den sie abgrundtief hasst, zwangsverheiratet wurde.

Trotzdem sind, als Vittoria ihnen ihre Söhne per Gerichtsbeschluss wegnimmt, die Mütter erbost und die ‚Ndrangheta überlegt, was sie gegen die junge Staatsanwältin tun können.

Indem Regisseur Fernando Muraca in seinem Spielfilmdebüt „Das Land der Heiligen“ die Mütter und ihre Beziehung zu ihren Söhnen in den Mittelpunkt rückt, verschafft er seinem Mafiathriller eine neue Perspektive. Gleichzeitig zeigt er, in welchem totalitären System die Ehefrauen der Mafiosi leben. Sie erziehen ihre Söhne zu Verbrechern, anstatt ihnen einen Weg zu einem anderen Leben aufzuzeigen. Um ihre Familie und den Clan zu schützen, lassen sie lieber ihre Kinder sterben, als sie vor dem Tod zu beschützen.

Dieser Einblick in das Leben der ‚Ndrangheta-Frauen und das soziale Gefüge der Verbrecher gelingt Muraca gut. Allerdings bleibt er über weite Strecken des Films bei einer analytischen Situationsbeschreibung. Das und weil die Geschichte ohne große Wendungen oder Überraschungen auf ihr offensichtliches Ende zusteuert, wirkt „Das Land der Heiligen“ trotzt seiner kurzen Laufzeit arg zäh.

Insofern ist „Das Land der Heiligen“ durchaus interessant, aber eher für einen TV-Abend geeignet.

Das Land der Heiligen – La terra dei santi (La terra dei santi, Italien 2015)

Regie: Fernando Muraca

Drehbuch: Fernando Muraca, Monica Zapelli

mit Valeria Solarino, Lorenza Indovina, Antonia Daniela Marra, Ninni Bruschetta, Francesco Colella, Marco Aiello, Tommaso Ragno, Piero Calabrese

Länge: 81 Minuten

FSK: ?

Hinweise

Deutsche Verleihseite zum Film

Italienische Homepage zum Film

Moviepilot über „Das Land der Heiligen“

Wikipedia über „Das Land der Heiligen“ (englisch, italienisch)

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