DVD-Kritik: Über Wes Cravens „Tödlicher Segen“

Heute ist Wes Craven vor allem für seine vier „Scream“-Filme bekannt. Auch sein „A Nightmare on Elm Street“ (Nightmare – Mörderische Träume) ist bekannt, einflussreich und immer noch beängstigend. Dabei ist der Horrorfilm von 1984.

Als er 1981 „Tödlicher Segen“ drehte, war er vor allem für „Last House on the Left“ und „The Hills have Eyes“ bekannt. Das sind zwei billig produzierte, wenig zimperliche Horrorfilme, die Kultstatus haben und prägend für das Genre waren. „The Last House on the Left“ ist in Deutschland indiziert und beschlagnahmt. „The Hills have Eyes“ ist „frei ab 18 Jahren“.

Auch „Tödlicher Segen“ war, – erstaunlich, aber wahr -, indiziert. Einmal als „Die Gesichter des Teufels“ ab dem 31. Juli 1985. Einmal als „Tödlicher Segen“ ab dem 31. Oktober 1985. Beide Indizierungen wurden am 31. August 2007 aufgehoben.

Der Horrorfilm war für Wes Craven, trotz einiger ekliger Szenen, ein gewaltiger Schritt in Richtung Mainstream-Horror. Gegen die aktuelle FSK-16-Freigabe kann daher nichts gesagt werden.

Im Zentrum steht Martha (Maren Jensen) Sie ist mit Jim Schmidt (Douglas Barr, danach „Ein Colt für alle Fälle“) verheiratet. Er war ein Mitglied der Hittites, einer strenggläubigen Sekte, die die Amish People als einen Haufen fortschrittsgläubiger, sexbessessener Freigeister erscheinen lässt. Isaiah Schmidt (Ernest Borgnine, Razzie-Nominierung als schlechtester Nebendarsteller) ist das unumstrittene Oberhaupt der Sekte. Er behauptet immer wieder, dass ein Incubus, ein Dämon, aufgetaucht sei. Und solange wir nicht an Dämonen glauben, kann nur Martha der Incubus sein. Jedenfalls für die Hittiten.

Als Jim in seiner Scheune ermordet wird, scheint sich der Fluch zu bewahrheiten.

Denn auch Marthas aus der Stadt gekommenen Freundinnen – Vicky Anderson (Susan Buckner) und Lana Marcus (Sharon Stone in einem ihrer ersten Filmrollen) (yep, alle Frauen sind jung und schön) – werden anscheinend vom Incubus bedroht.

Abgesehen von dem, nach dem Erfolg von „Carrie“, auf Wunsch des Studios eingefügten Endes, ist „Tödlicher Segen“ ein Horrorfilm, in dem es eine rationale Erklärung für die Morde und damit für den Incubus gibt. Denn in dem ländlich gelegenem Gebiet geht ein Mörder um, der seine Morde als mehr oder weniger seltsame Unfälle tarnt, und man muss nicht Sherlock Holmes sein, um ihn schnell zu erraten.

Aber für die Mördersuche interessiert sich Wes Craven nicht sonderlich. Auch nicht für die Hittites. Er interessiert sich für das, wofür das Jugendliche Publikum ins Kino: junge, schöne, mehr oder weniger knapp bekleidete Frauen in Not. Und Craven baut immer wieder eine beträchtliche Horrorfilmspannung auf. Zum Beispiel wenn sich eine Scheune zu einer klaustrophobischen Falle mit vielen Spinnweben und riesigen Spinnen entwickelt, eine Badende lange nicht die Schlange in ihrer Badewanne bemerkt, ein Pärchen beim Knutschen im Auto beobachtet und getötet wird oder, und das dürfte die bekannte Szene aus dem Film sein, die ’schlafende‘ Sharon Stone eine Spinne verschluckt.

Diese wirkungsvollen Szenen ändern nichts daran, dass „Tödlicher Segen“ immer nur aus ihren Einzelteilen, den Horrorszenen, den Bildern vom ländlichen Leben und der Sekte, der derangierten Atmosphäre eines, nun, gottverlassenen Landstrichs, besteht. Im Finale, wenn der Mörder enttarnt wird, werden diese Teile mehr schlecht als recht zusammengefügt in seinem von den Schauplätzen und Handlungen sehr konfusem Ende. Als habe plötzlich das Geld nicht mehr gereicht.

Zu dem negativen Eindruck trägt auch die Musik von James Horner („Titanic“) bei. Es ist einer seiner ersten Soundtracks. Es ist eine laute, enervierende, zunehmend nervende, niemals schweigende Dauer-Horrorfilmberieselung.

Die Ausstattung der DVD ist deutlich gelungener als der Film. Es gibt die VHS- und die TV-Synchronisationen, einen hörenswerten Audiokommentar von Wes Craven (befragt von Sean Clark) und eine gute Stunde Bonusmaterial: Interviews mit Susan Buckner und Michael Berryman (sehr interessant), den Drehbuchautoren Glenn Benest und Matthew Barr (dito) und dem Creature Designer Jonathan Naulin (dito, auch wenn er nur etwas zum Filmende erzählen kann und sonst über seine Arbeit redet) eine Bildergalerie, Trailer, TV- und Radiospots. Die Interviews sind von 2012 und wurden von der Shout! Factory für die damalige US-DVD-Veröffentlichung erstellt.

Der Film wurde in Deutschland als „Tödlicher Segen“ (VHS-Titel), „Die Gesichter des Todes“ (VHS-Titel) und, mit einer anderen Synchronisation, „Dem Tode geweiht“ bzw. „Wes Cravens Dem Tode geweiht“ (TV-Titel) gezeigt. Auf der DVD sind, wie gesagt, beide Synchronisationen enthalten. Und das Bild ist prächtig.

Tödlicher Segen (Deadly Blessing, USA 1981)

Regie: Wes Craven

Drehbuch: Glenn M. Benest, Matthew Barr, Wes Craven (nach einer Geschichte von Glenn M. Benest und Matthew Barr)

mit Maren Jensen, Sharon Stone, Susan Buckner, Ernest Borgnine, Michael Berryman, Jeff East, Colleen Riley, Douglas Barr, Lisa Hartman, Lois Nettleton

DVD

Koch Media

Bild: 1,85:1 (16:9)

Ton: Deutsch (TV- und VHS-Synchronisation), Englisch (Dolby Digital)

Untertitel: Deutsch, Englisch

Bonusmaterial: Audiokommentar von Regisseur Wes Craven, Interviews mit Darstellerin Susan Bruckner, Darsteller Michael Berryman, Drehbuchautoren Glenn Benest und Matthew Barr und Creature Designer Jonathan Naulin, Trailer, TV-Spots, Radiospots, Bildergalerie, Wendecover

Länge: 98 Minuten

FSK: ab 16 Jahre

Hinweise

Moviepilot über „Tödlicher Segen“

Rotten Tomatoes über „Tödlicher Segen“

Wikipedia über „Tödlicher Segen“

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