Neu im Kino (wenige Tage)/Filmkritik: Ken Dukens sehenswertes Regiedebüt „Berlin Falling“

Wer „Berlin Falling“ im Kino sehen will, muss sich beeilen. Denn der Thriller läuft nur am 13., 14. und 15. Juli im Kino und danach; – nun Sky Deutschland ist einer der Produzenten des Thrillers über ein in Berlin geplantes Attentat.

Frank (Ken Duken) ist ein im Berliner Umland lebender Ex-Afghanistan-Soldat, Alkoholiker und geschieden. Kurz: er ist das Paradebeispiel für eine verkrachte Existenz.

Jetzt, kurz vor Weihnachten, fährt er nach Berlin, um seine Tochter und seine Ex-Frau am Hauptbahnhof zu treffen. Seine Tochter soll einige Tage bei ihm verbringen.

Auf dem Weg dorthin nimmt er an einer Raststätte den Anhalter Andreas (Tom Wlaschiha) mit. Und weil „Berlin Falling“ ein Thriller ist, ist Andreas kein harmloser Anhalter. In seinem Rucksack hat er eine Bombe und Frank wurde, wie er später erfährt, bewusst ausgewählt. Er soll bei einem Attentat der Sündenbock sein.

Berlin Falling“ ist ein optisch ansprechender, effizient erzählter Genrefilm, der souverän all die Fettnäpfe vermeidet, in die deutsche Thriller zwischen Pseudo-Coolness und Thesenhaftigkeit gerne tappen.

Zwischen all den vertrauten Elementen und überraschenden, wenn auch nicht immer plausiblen Wendungen und Zufällen (Was wäre, wenn Frank nicht an dieser Tankstelle angehalten hätte?) entwickelt Ken Duken in seinem Spielfilmdebüt (nach einem Kurzfilm und einigen Musikvideos) einen Thriller, der sich auf das Duell zwischen zwei Personen konzentriert. Auf engstem Raum kämpfen Frank und Andreas gegeneinander. Mal mit Worten, mal mit Fäusten.

Fast der gesamte Film spielt in Franks Auto und in einem Kellerraum. Diese Beschränkung auf wenige Orte ist budgetschonend, aber auch etwas theaterhaft. Vor allem wenn Andreas gegen Filmende seinen Plan erklärt, legt der Bösewicht in schönster Info-Dump-Manier in wenigen Minuten alle Hintergründe des Anschlags offen. In dem Moment fällt auch auf, dass einige Punkte im Zusammenhang mit den Anschlag nie so vertieft werden, wie es möglich wäre. Vor allem weil Frank und Andreas während der Autofahrt genug Zeit haben, um über ihre Ansichten zu diskutieren.

Aber das sind kleinere Schwächen in einem Film, der eine normale Kinoauswertung verdient hätte. Und nicht nur drei Tage in ausgewählten Kinos.

Berlin Falling (Deutschland 2017)

Regie: Ken Duken

Drehbuch: Christoph Mille (nach einer Idee von Ken Duken und Norbert Kneißl)

mit Ken Duken, Tom Wlaschiha, Marisa Leonie Bach, Greta Nedelmann, Amelie Plaas-Link, Tim Wilde, Kida Khodr Ramadan

Länge: 91 Minuten

FSK: ab 16 Jahre

Hinweise

Homepage zum Film

Facebook-Seite zum Film

Filmportal über „Berlin Falling“

Moviepilot über „Berlin Falling“

Wikipedia über „Berlin Falling“

Nachtrag (14. Juli 2017):

Das passiert selten: in den USA erscheint ein Bericht über das Einspiel eines deutschen Films in Deutschland. Aber „Berlin Falling“ hat an seinem ersten Spieltag einen Platz in den Top 10 erreicht und damit die Tür für eine weitere Kinoauswertung geöffnet. Der Hollywood Reporter schreibt unter anderem:

„Berlin Falling, a low-budget indie thriller about a terrorist attack in Germany, has opened in the top 10 on the German box-office charts on its first day of release.

The debut feature from actor turned director Ken Duken grossed $24,000 across 136 theaters on Thursday, enough to squeeze into the top 10, just behind Marc Webb’s Gifted, starring Chris Evans and Lindsay Duncan.“

 

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