Was ist „Dunkels Gesetz“?

Das Cover gefällt. Der Titel sowieso.

Der Klappentext mit den Signalworten „rabenschwarz“, „Provinz-Noir“ und „Abgesang auf den goldenen Westen“ weckt Interesse.

Die Länge – keine zweihundert Seiten – ist äußerst sympathisch. Schließlich muss nicht jeder Roman den Wettbewerb mit „Krieg und Frieden“ aufnehmen.

Aber alles das sind Äußerlichkeiten, die nichts über den Inhalt aussagen. Und um den soll es ab jetzt gehen.

Vor seinem Debütroman „Dunkels Gesetz“ veröffentlichte Sven Heuchert die hochgelobte Kurzgeschichtensammlung „Asche“. „Dunkels Gesetz“ ist dann auch mehr eine Sammlung von miteinander zusammenhängenden Kurzgeschichten und Impressionen aus der bundesdeutschen Provinz als ein stringent erzählter Roman. Das beginnt schon damit, dass der titelgebende Richard Dunkel eine Randfigur ist. Über weite Strecken des Romans ist er nicht in das Geschehen involviert. Weil er vieles überhaupt nicht erfährt, ist er noch nicht einmal ein passiver Beobachter.

Dunkel ist ein in Spanien lebender, älterer Ex-Söldner, der in der deutschen Provinz in der Nähe der belgischen Grenze einen Job als Security annimmt. Er soll einige Wochen eine stillgelegte Grube in Altglück bewachen. Vor kurzem wurde auf dem Gelände die Leiche eines Jungen gefunden.

Auf seinem Weg dorthin trifft er an einer Tankstelle, die direkt aus einem US-Noir stammen könnte (einsam gelegen, von Gott und der Welt vergessen und auch kein Postmann wird hier zweimal klingeln), auf den Besitzer Achim, seine seit kurzem bei ihm lebende Geliebte und ihre gerade noch minderjährige Tochter Marie. Diese drei Menschen stehen im Mittelpunkt des Romans.

Achim plant ein großes Drogengeschäft mit Falco, dem lokalen Gangsterboss. Er will ihn bei dem Geschäft auch betrügen, sich vollständig sanieren und aus der Gegend abhauen.

Soweit Achims genialer Plan.

Wenn man vor der Lektüre nicht den Klappentext gelesen hat, passiert über viele Seiten wenig bis nichts, was die Handlung erkennbar vorantreibt. Stattdessen wird eher länglich ein Drogengeschäft angebahnt, Marie erhält Reitstunden von Achim und lernt eine ältere Dame, die in der Nähe der Tankstelle lebt und Alkoholikerin ist, näher kennen.

In diesen kurzen Porträts von Gescheiterten und wie Heuchert auf wenigen Seiten das Bild einer gottverlassenen Landschaft voll gescheiterter und meist unsympathischer Gestalten (die uns trotzdem sympathisch sind) zeichnet, zeugt von seinem Können. Die Vorbilder sind erkennbar, aber er verwandelt sie und passt sie den bundesdeutschen Gegebenheiten an. Aus einem Country-Noir US-amerikanischer Prägung wird ein stimmungsvoller Provinz-Noir im Wirtschaftswunderland nach dem Ende des Wirtschaftswunders.

Nur die Story für seine Charaktere hat er noch nicht gefunden.

Insgesamt ist „Dunkels Gesetz“ gut genug, um mich neugierig auf Sven Heucherts nächsten Roman zu machen.

Sven Heuchert: Dunkels Gesetz

Ullstein, 2007

192 Seiten

14,99 Euro

Hinweise

Homepage von Sven Heuchert

Lovely Books über „Dunkels Gesetz“

 

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