TV-Tipp für den 18. August: Der zerrissene Vorhang

August 17, 2017

3sat, 22.35

Der zerrissene Vorhang (USA 1966, Regie: Alfred Hitchcock)

Drehbuch: Brian Moore, Keith Waterhouse (ungenannt), Willis Hall (ungenannt)

Ein Physiker läuft in den Osten über. Allerdings nicht, um sein Land zu verraten, sondern um von einem Ost-Kollegen wichtige Informationen zu erhalten.

In den Sechzigern drehte Hitchcock zwei Spionagefilme. Doch „Der zerrissene Vorhang“ und „Topas“ zählen zu seinen schwächsten Werken: zu viele Charaktere, eine zu lahme Geschichte, einfach zu wenig Hitchcock und zu viel von einem starbesetzten Spionagefilm, für Menschen, die Filme gerne mit einer Flipchart ansehen.

Aus heutiger Sicht bietet „Der zerrissene Vorhang“ immerhin einige bekannte deutsche Schauspieler in einem Hitchcock-Film und einen hübschen Mord. Das ist für zwei Stunden aber zu wenig.

Brian Moore schrieb später unter anderem „Hetzjagd“, „Die Farbe des Blutes“ und „Es gibt kein anderes Leben“.

Danach, um 00.35 Uhr, zeigt 3sat „Im Schatten des Zweifels“.

Mit Paul Newman, Julie Andrews, Lila Kedrova, Hansjörg Felmy, Wolfgang Kieling, Günther Strack

Wiederholung: Sonntag, 20. August, 03.45 Uhr (VPS 03.25, Taggenau!)

Hinweise

Rotten Tomatoes über „Der zerrissene Vorhang“

Wikipedia über „Der zerrissene Vorhang“ (deutsch, englisch)

Wikipedia über Brian Moore

Alfred Hitchcock redet mit Francois Truffaut über “Der zerrissene Vorhang”

Senses of Cinema (Ken Mogg) über Alfred Hitchcock

Meine Besprechung von „Alfred Hitchcock präsentiert – Teil 1“

Meine Besprechung von „Alfred Hitchcock präsentiert – Teil 2“

Meine Besprechung von „Alfred Hitchcock zeigt – Teil 1“

Meine Besprechung von „Alfred Hitchcock zeigt – Teil 2″

Meine Besprechung von Alfred Hitchcocks “Mr. und Mrs. Smith” (Mr. and Mrs. Smith, USA 1941)

Meine Besprechung von Thilo Wydras “Alfred Hitchcock”

Meine Besprechung von Robert V. Galluzzos “Psycho Legacy” (The Psycho Legacy, USA 2010 – eine sehenswerte Doku über die “Psycho”-Filme mit Anthony Perkins, mit vielen Stunden informativem Bonusmaterial)

Meine Besprechung von Stephen Rebellos “Hitchcock und die Geschichte von ‘Psycho’” (Alfred Hitchcock and the Making of ‘Psycho’, 1990)

Meine Besprechung von Sacha Gervasis Biopic “Hitchcock” (Hitchcock, USA 2012)

Meine Besprechung von Henry Keazors (Hrsg.) “Hitchcock und die Künste” (2013)

Alfred Hitchcock in der Kriminalakte

 

 


Kurzkritik: Kathrin Lange: Ohne Ausweg

August 17, 2017

Ohne Ausweg“ ist der dritte Roman mit dem Berliner Kommissar Faris Iskander. Nach seinen vorherigen Fällen genießt er in der Hauptstadt eine gewisse Berühmtheit. Normalerweise wäre das für Undercover-Ermittlungen hinderlich, aber in diesem Fall ist es ein Vorteil. Denn so kann um Iskander die Legende gestrickt werden, dass er frustriert von den früheren Ereignissen zum Islam konvertierte und jetzt eine Karriere als Terrorist anstrebt.

Als die für religiös motivierte Verbrechen zuständige LKA-Sondereinheit, deren Mitglied Iskander ist, von einem in wenigen Tagen oder Stunden geplanten Anschlag in Berlin erfährt, wird Iskander in das neue Hochsicherheitsgefängnis in Karlshorst eingeschleust. Der dort inhaftierte Terroristenanführer al-Sadiq soll den Anschlag geplant haben. Iskander soll sein Vertrauen erlangen und so an Informationen über den Anschlag gelangen.

In diese Moment wissen wir, auch ohne die Lektüre des Klappentextes, dass der Anschlag eigentlich von Rechtsextremen geplant wird und dass die Terroristen von Polizisten unterstützt werden.

Kathrin Langes neuen Iskander-Roman kann man als das Zusammentreffen von US-Thrillerplot und deutscher Piefigkeit beschreiben. Mit einem Touch James Patterson. Denn die Handlung schert sich kaum um Glaubwürdigkeit. Dafür gibt es alle paar Seiten (na gut, eher alle paar Dutzend Seiten) eine überraschende Wendung. So gerät Iskander während seinem teils haarsträubend verlaufenden Undercover-Einsatz in eine Knastrevolte, die den gesamten Terroristenplot erst einmal zur Seite schiebt. Wenn Iskander sich dann durch das von Gefangenen besetzte Gefängnis bewegt, scheinen die alle gerade das Gebäude verlassen zu haben. Jedenfalls muss er sich nicht mit den dort inhaftierten Extremisten jeglicher Couleur auseinandersetzen. Plötzlich vermutet die Sondereinheit einen Verräter in den eigenen Reihen und wenige Seiten später ist er enttarnt. Und dann muss noch der große Giftgasanschlag verhindert werden.

Die zahlreichen kleineren Anschläge, die bis dahin ausgeführt werden, würde keine ernsthafte Terrororganisation vor ihrem großen Anschlag ausführen. Sie haben auch keine erkennbaren Auswirkungen auf die Geschichte, die sich innerhalb weniger Stunden abspielt. Sie sind eher eine periodisch eingestreute Erinnerung an den unaufmerksamen Leser, dass es eigentlich um Terroristen geht, die einen sehr gefährlichen Anschlag planen. Währenddessen scheint das normale Stadtleben in Berlin weiterzulaufen, als sei nichts geschehen. Obwohl die Medien darüber berichten. Das ist nicht glaubwürdig und in diesem Fall mit zunehmender Seitenzahl auch nicht spannend.

Kathrin Lange: Ohne Ausweg

Blanvalet, 2017

448 Seiten

9,99 Euro

Hinweise

Homepage von Kathrin Lange

Wikipedia über Kathrin Lange


TV-Tipp für den 17. August: Wir sind jung. Wir sind stark.

August 17, 2017

ZDF, 22.15

Wir sind jung. Wir sind stark. (Deutschland 2014, Regie: Burhan Qurbani)

Drehbuch: Martin Behnke, Burhan Qurbani

Ostdeutsche Willkommenskultur. Burhan Qurbani rekonstruiert in seinem Spielfilm die fremdenfeindlichen Übergriffe in Rostock-Lichtenhagen im Sommer 1992, die Deutschland schockierten. Sehenswert und zu Diskussionen anregend.

Mit Jonas Nay, Joel Basman, Saskia Rosendahl, David Schütter, Trang Le Hong, Devid Striesow

Hinweise

Filmportal über „Wir sind jung. Wir sind stark.“

Moviepilot über „Wir sind jung. Wir sind stark.“

Wikipedia über „Wir sind jung. Wir sind stark.“

Die Premiere des Films in Rostock


Kurzkritik: Leonhard F. Seidl: Fronten

August 16, 2017

Was habe ich da gelesen?

Eigentlich fragte ich mich schon während der Lektüre von Leonhard F. Seidls Kriminalroman „Fronten“, was ich da lese. Nach dem Klappentext geht es um einen bosnischen Waffensammler, der im oberbayerischen Auffing auf der Polizeistation Amok läuft, nachdem die Polizei seine Waffen konfiszierte.

Während des Amoklaufs ist auch eine muslimische Ärztin auf der Station. Später wird sie, aus nicht wirklich nachvollziehbaren Gründen, von der Polizei als Verdächtige behandelt.

Und ein ‚Reichsbürger‘ sinnt auf Rache. Unter anderem an der Ärztin.

Das ist die durchaus vielversprechende Ausgangslage, die, nun, auf sehr verschiedenen Wegen zu einem Ende geführt werden kann.

Seidl entschließt sich für einen sehr seltsamen Weg. Während des gesamten Romans springt er von der Gegenwart in die Vergangenheit der drei Protagonisten zurück zu genau datierten, aber eher unspezifischen Tagen in den Jahren 1988, 1995, 2001, 2007, 2013 und 2015. Diese über viele Seiten ausgebreiteten Ereignisse sind wenig interessant. Mit den aktuellen Ereignissen in Auffing haben sie praktisch nichts zu tun. Außer man will, in einer sehr gewagten Ursache-Wirkungskette, einen monokausalen Zusammenhang von einer bestimmten Erziehung oder Demütigung auf ein späteres Verhalten herstellen.

Die Ereignisse in der Gegenwart gewinnen vor allem durch die zusammenfassenden Berichte ihren Zusammenhang. Aber Berichte und Zeitungsartikel sind in einem Roman (oder Film) vor allem ein Mittel, um schnell Informationen zu vermitteln oder eine Perspektive einzufügen, die wichtig ist, aber zu sehr von der Haupthandlung ablenken würde. Manchmal ist das auch der erzählökonomische Weg, um den Protagonisten über bestimmte für ihn wichtige Dinge zu informieren.

In „Fronten“ ersetzen diese Zeitungsartikel und Berichte die Geschichte. So wird über den für den Roman zentralen Amoklauf in der Polizeistation nichts geschrieben. Es gibt nur, auf Seite 52/53 den Einsatzbericht des Roten Kreuzes über den Ausgang des Amoklaufs (ein toter, vier verletzte Beamte, ein schwer verletzter Täter). Was wie geschah können wir uns dann ausmalen.

Mit dieser durchgehend angewandten Collage-Technik will Seidl den Leser zum mit- und nachdenken bewegen. Nur: es funktioniert nicht. Alles ist zu kryptisch, vieles überflüssig und die angebotenen Erklärungen bleiben oberflächlich.

Leonhard F. Seidl: Fronten

Edition Nautilus, 2017

160 Seiten

16 Euro

Hinweise

Edition Nautilus über den Roman (mit mehr Synopse und den Daten der Lesetour)

Homepage von Leonhard F. Seidl

Wikipedia über Leonhard F. Seidl


TV-Tipp für den 16. August: Pride

August 15, 2017

Arte, 20.15

Pride (Pride, Großbritannien 2014)

Regie: Matthew Warchus

Drehbuch: Stephen Beresford

Großbritannien 1984: Die Minenarbeiter streiken und hungern und werden von der Regierung bekämpft. In London entschließt sich der homosexuelle Aktivist Mark Ashton, ihnen zu helfen. Schließlich kämpfen sie doch beide gegen die Thatcher-Regierung. Das ist dann aber auch die einzige Gemeinsamkeit zwischen ihnen. Trotzdem überzeugt Ashton einige seiner Freunde, mit ihm Geld für die Streikenden zu sammeln und das Geld persönlich den Streikenden in Onllwyn zu überreichen.

Zum Kinostart des auf Tatsachen basierenden Feelgood-Movies schrieb ich: „Pride“ ist einer der schönsten Filme des Jahres. Erzählt in einem rauhen, unsentimentalem, aber auch humorvollem Tonfall, der das Herz wärmt und zeigt, wie Veränderungen geschehen können. So ist das Schlussbild, wenn die Bergarbeiter im gespendeten LGSM-Bus (Lesbians and Gays Support the Miners – yep, sehr unzweideutige Namensgebung) nach London kommen und bei dem Gay-Pride-Marsch mitdemonstrieren ein schönes Schlussbild.

Mehr in meiner ausführlichen Besprechung.

mit Ben Schnetzer, George Mackay, Dominic West, Andrew Scott, Bill Nighy, Imelda Staunton, Paddy Considine, Jessica Gunning, Paye Marsay

Wiederholung: Montag, 28. August, 13.35 Uhr

Hinweise
Englische Homepage zum Film
Deutsche Homepage zum Film
Film-Zeit über „Pride“
Moviepilot über „Pride“
Metacritic über „Pride“
Rotten Tomatoes über „Pride“
Wikipedia über „Pride“ (deutsch, englisch)
The Guardian über „Pride“ und die historischen Hintergründe (18. September 2014) (es wird ein „A -“ für die historische Genauigkeit vergeben)
The Guardian über „Pride“: Ausführliche Reportage und Interviews über die historischen Hintergründe des Films (31. August 2014)

Meine Besprechung von Matthew Warchus‘ „Pride“ (Pride, Großbritannien 2014)


Cover der Woche

August 15, 2017


TV-Tipp für den 15. August: Family Business

August 14, 2017

Nach der „Reifefprüfung“ um 20.15 Uhr gibt es

3sat, 22.00

Family Business (USA 1989, Regie: Sidney Lumet)

Drehbuch: Vincent Patrick

LV: Vincent Patrick: Family Business, 1985

Für den gesetzestreuen Papa ist diese Nachricht eine Katastrophe: der Sohn schlägt ganz nach dem Großvater – einem Einbrecher. Gerade jetzt plant er einen neuen Coup.

Vergnügliche Gaunerkomödie

mit Sean Connery, Dustin Hoffman, Matthew Broderick

Wiederholung: Mittwoch, 16. August, 02.25 Uhr (Taggenau!)

Hinweise

Rotten Tomatoes über „Family Business“

Wikipedia über „Family Business“ (deutsch, englisch)

Mein Nachruf auf Sidney Lumet

Sidney Lumet in der Kriminalakte


%d Bloggern gefällt das: