TV-Tipp für den 1. Januar: Deadpool

Dezember 31, 2017

Pro7, 20.15

Deadpool (Deadpool, USA 2016)

Regie: Tim Miller

Drehbuch: Rhett Reese, Paul Wernick

LV: Charakter von Rob Liefeld und Fabian Nicieza

Wade Wilson sagt, dass „Deadpool“ der beste Superheldenfilm aller Zeiten ist und dass man, wenn man nur einen Superheldenfilm sehen will, „Deadpool“ sehen muss.

Mehr in meiner ausführlichen Besprechung.

mit Ryan Reynolds, Morena Baccarin, Ed Skrein, T. J. Miller, Gina Carano, Brianna Hildebrand, Leslie Uggams, Stan Lee (sein Cameo)

Wiederholung: Mittwoch, 3. Januar, 22.25 Uhr (dann ohne Schnitte. Denn „Deadpool“ ist ein FSK-16-Film und nach der Ankündigung dürften heute Abend etliche Minuten fehlen. Möglicherweise sogar über zehn Minuten!)

Hinweise

Deutsche Homepage zum Film
Englische Homepage zum Film
Moviepilot über „Deadpool“
Metacritic über „Deadpool“
Rotten Tomatoes über „Deadpool“
Wikipedia über „Deadpool“ (deutsch, englisch)

Wikipedia über Deadpool

Meine Besprechung von Victor Gischler (Autor)/Bong Dazo (Zeichner): Deadpool – Der Söldner mit der großen Klappe: Kopfsprung (Band 1 von 2) (Deadpool: Merc with a Mouth 1 – 6: Headtrip, 2009/2010)

Meine Besprechung von Victor Gischler (Autor)/Bong Dazo (Zeichner)/Kyle Baker (Zeichner): Deadpool – Der Söldner mit der großen Klappe (Band 2 von 2) (Deadpool: Merc with a Mouth 7: Are you there? It’s me, Deadpool; Deadpool: Marc with a Mouth 8 – 15: Next Stop: Zombieville, 2010)

Meine Besprechung von Daniel Way (Autor)/ Shawn Crystal (Zeichner)/Paco Medina (Zeichner): Deadpool 1 (Deadpool 13/14: Wave of Mutilation; Deadpool 15: Want you to want me, Part 1: The complete idiot’s guide to metaphers, 2009)

Meine Besprechung von Duane Swierczynski (Autor)/Jason Pearson (Zeichner): Deadpool: Weiber, Wummen & Wade Wilson! (Sonderband 1) (Deadpool: Wade Wilson’s War, Vol. 1 – 4, 2010)

Meine Besprechung von Victor Gischler (Autor)/Rob Liefeld/Whilce Portacio/Philip Bond/Paco Medina/Kyle Baker (Zeichner) „Deadpool Corps (Deadpool Sonderband 2)“(Prelude to Deadpool Corps, Vol. 1 – 5, März 2010)

Meine Besprechung von Victor Gischler (Autor)/Rob Liefeld/Marat Mychaels (Zeichner) “Deadpool Corps 2 (Deadpool Sonderband 3)” (Deadpool Corps 1 – 6, Juni 2010 – November 2010)

Meine Besprechung von Victor Gischler (Autor)Rob Liefeld/Marat Mychaels (Zeichner) “Deadpool Corps 3: You say you want a Revolution (Deadpool Sonderband 4)” (Deadpool Corps 7 – 12: You say you want a Revolution (Part 1 – Part 6), Dezember 2010 – Mai 2011)

Meine Besprechung von Duane Swierczynski (Autor)/Leandro Fernandez (Zeichner): Deadpool: Das Film-Special (X-Men Origins: Deadpool: The Major Motion Picture, 2010)

Meine Besprechung von Cullen Bunn/Ramon Rosanas „Night of the Living Deadpool“ (Night of the Living Deadpool # 1 – 4, März 2014 – Mai 2014)

Meine Besprechung von Cullen Bunn/Nik Virellas „Return of the Living Deadpool“ (Return of the Living Deadpool # 1 – 4, April 2015 – Juli 2015)

Meine Besprechung von „Deadpool: Greatest Hits – Die Deadpool-Anthologie“ (2016, Sammelband mit vielen Deadpool-Geschichten)

Meine Besprechung von Tim Millers „Deadpool“ (Deadpool, USA 2016)

 

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TV-Tipp für den 31. Dezember: Moderne Zeiten

Dezember 30, 2017

Weil die diesjährige Ausgabe von „Pop around the Clock“ bei 3sat ungewohnt schwach ausfällt (da hillft auch Metallica nicht)

Arte, 20.15

Moderne Zeiten (USA 1937, Regie: Charlie Chaplin)

Drehbuch: Charlie Chaplin

Tramp Charlie muss in einer Fabrik am Fließband arbeiten. Durch eine Verkettung unglücklicher Zufälle landet er sogar im Gefängnis.

Chaplins grandioser Stummfilm-Kommentar zur Industriegesellschaft und den Auswirkungen der Wirtschaftskrise ist ein immer wieder sehenswerter Klassiker der Komödie.

Danach, um 21.40 Uhr, zeigt Arte die Doku „Charlie Chaplin, wie alles begann“ (Frankreich 2013).

mit Charlie Chaplin, Paulette Goddard, Chester Conklin

Hinweise

Charlie-Chaplin-Seite

Charlie Chaplin Archive

Wikipedia über Charlie Chaplin (deutsch, englisch)

Rotten Tomatoes über „Moderne Zeiten“


TV-Tipp für den 30. Dezember: James Bond: Casino Royale

Dezember 29, 2017

ZDF, 22.00

James Bond: Casino Royale (USA 2006, Regie: Martin Campbell)

Drehbuch: Paul Haggis, Neal Purvis, Robert Wade

LV: Ian Fleming: Casino Royale, 1953 (Casino Royale)

James Bond soll Le Chiffre, den Finanzier eines weltweiten Terrornetzwerkes, ausschalten.

Nach allgemeiner Einschätzung ist der einundzwanzigste James-Bond-Film (Offizielle Zählung) einer der fünf besten, vielleicht sogar – vor “Skyfall” – der beste Bond-Film. Niemand hatte mit dieser umfassenden Revitalisierung des Mythos James Bond für das neue Jahrhundert gerechnet.

Der erste Auftritt von Daniel Craig als Geheimagent ihrer Majestät ist ein spannender Thriller mit einem viel zu langen Ende. Denn nachdem Le Chiffre tot ist, ist der Film noch lange nicht zu Ende.

Das Drehbuch war für einen Edgar nominiert.

Nächstes Jahr geht es bondisch weiter: Das ZDF zeigt am Montag, den 8. Januar, um 22.25 Uhr (VPS 22.15) „Ein Quantum Trost“ (GB/USA 2008), am Dienstag, den 9. Januar, um 20.15 Uhr „Skyfall“ (GB/USA 2012) und am Mittwoch, den 17. Januar, um 20.15 Uhr, als TV-Premiere, „Spectre“ (GB/USA 2015).

Mit Daniel Craig, Eva Green, Mads Mikkelsen, Jeffrey Wrigth, Judi Dench, Giancarlo Giannini

Wiederholung: Sonntag, 31. Dezember, 02.50 Uhr (Taggenau!)

Hinweise

Amerikanische Homepage zum Film

Englische Homepage zum Film

Deutsche Homepage zum Film

Film-Zeit über „Casino Royale“

Wikipedia über „Casino Royale“ (deutsch, englisch)

Homepage von Ian Fleming

Meine Besprechung von Ian Flemings ersten drei James-Bond-Romanen “Casino Royale”, “Leben und sterben lassen” und “Moonraker”

Meine Besprechung von John Gardners “James Bond – Kernschmelze” (James Bond – Licence Renewed, 1981; alter deutscher Titel “Countdown für die Ewigkeit”)

Meine Besprechung von Sebastian Faulks’ James-Bond-Roman „Der Tod ist nur der Anfang“ (Devil may care, 2008)

Meine Besprechung von Jeffery Deavers James-Bond-Roman “Carte Blanche” (Carte Blanche, 2011)

Meine Besprechung von William Boyds James-Bond-Roman “Solo” (Solo, 2013)

Meine Besprechung von Anthony Horowitz’ “James Bond: Trigger Mortis – Der Finger Gottes” (James Bond: Trigger Mortis, 2015)

Meine Besprechung der TV-Miniserie „Fleming – Der Mann, der Bond wurde“ (Fleming, Großbritannien 2014)

Meine Besprechung von Sam Mendes’ James-Bond-Films „Skyfall“ (Skyfall, GB/USA 2012)

Meine Besprechung von Sam Mendes’ James-Bond-Film “Spectre” (Spectre, USA/GB 2015)

James Bond in der Kriminalakte

Ian Fleming in der Kriminalakte

Meine Besprechung von Martin Campbells TV-Serie “Am Rande der Finsternis” (Edge of Darkness, GB 1985 – DIE Vorlage für “Auftrag Mord”)

Meine Besprechung von Martin Campbells „Green Lantern” (Green Lantern, USA 2011)

Bonushinweis

Noch mehr James Bond: Bei Cross Cult erschien jetzt als 25. James-Bond-Buch „Der Mann von Barbarossa“. Eine deutsche Erstveröffentlichung. John Gardner hält den Thriller für seinen besten James-Bond-Roman. Dieses Mal muss James Bond zusammen mit einem internationalen Agententeam eine bis dato unbekannte Terroristengruppe aufzuhalten. Sie fordert die Verurteilung eines angeblichen Nazi-Kriegsverbrechers. Aber ist das alles, was die Bösewichter wollen?

John Gardner: James Bond: Der Mann von Barbarossa

(übersetzt von Anika Klüver und Stephanie Pannen)

Cross Cult, 2017

400 Seiten

15 Euro

Originalausgabe

James Bond: The Man from Barbarossa

Hodder & Stoughton, 1991

 


Indianerland I: Craig Johnson verabreicht „Longmire: Bittere Wahrheiten“

Dezember 29, 2017

Walt Longmire ist seit Ewigkeiten Sheriff in Absaroka County, Wyoming; einem fast menschenleeren Landstrich in den USA. Wyoming ist der bevölkerungsärmste Bundesstaat der USA. Mit 585.000 Einwohnern hat er sogar weniger Einwohner als Washington, D. C., oder, anders gesagt, weniger Einwohner als zwei x-beliebige Berliner Bezirke. Bei der Fläche sieht es anders aus. Mit 253.596 km² ist Wyoming zwar kleiner als Deutschland (357.376 km²), aber deutlich größer als jedes Bundesland. Da verbringt Longmire schon halbe Arbeitstage in seinem Auto auf der Fahrt zu verschiedenen Befragungen und Tatorten.

Eines Tages im Spätherbst wird Cody Pritchard erschossen aufgefunden. Ob es ein unglücklicher Jagdunfall oder ein Mord war, ist zunächst noch unklar.

Aber Pritchard war vor zwei Jahren einer der Vergewaltiger von Melissa Little Bird, einem Cheyenne-Mädchen aus dem benachbarten Indianer-Reservat. Bei der Gerichtsverhandlung wurden Pritchard und seine Schulfreunde Jacob und George Esper und Bryan Keller zu geringen Strafen verurteilt. Longmire, seine Kollegen und sein Kindergartenfreund Henry Standing Bear (ein Indianer mit guten Verbindungen zu seinen Stammesbrüdern) glauben daher, dass Pritchard ermordet wurde, um Melissas Vergewaltigung zu vergelten. Als auch der zweite der damaligen Täter durch einen Schuss aus großer Entfernung stirbt, versuchen sie, weitere Morde zu verhindern. Dabei kann der Täter jeder sein, der über ein bestimmtes Gewehr verfügt und ein guter Schütze ist. In Absaroka County grenzt das die Zahl der Verdächtigen kaum ein.

Craig Johnsons Kriminalroman „Longmire: Bittere Wahrheiten“ war vor über zwölf Jahren in den USA der Auftakt zu seiner Longmire-Serie, die es auch auf die New York Times-Bestsellerliste schaffte, zahlreiche Preise erhielt (u. a. The Wyoming Historical Association Book of the Year und Western Writers of America Book of the Year) und die Grundlage für die ebenfalls erfolgreiche TV-Serie „Longmire“ war. Im Juni 2012 zeigte A & E die erste Folge. Es war ein Erfolg. Später wanderte die Serie zu Netflix und im November 2017 veröffentlichte Netflix die sechste und finale Staffel.

In Deutschland wurde die Serie ab Januar 2014 auf dem Nischensender RTL Nitro vor entsprechend wenigen Zuschauern gezeigt. Später erschien die erste Staffel auch in Deutschland auf DVD.

Trotzdem weist der Festa Verlag, wo jetzt „Bittere Wahrheiten“ erschien, auf die TV-Serie hin. Und das ist für die breite Masse auch nicht die schlechteste Werbung.

Krimifans dürften im ersten Moment an Robert B. Parkers Jesse-Stone-Romane über die Abenteuer eines Kleinstadt-Cops in Paradise, Massachusetts, in der Sichtweite von Boston oder James Lee Burkes Dave-Robicheaux-Romane über die Abenteuer eines Kleinstadt-Cops in New Iberia, Louisiana, denken. Wegen der Dicke des Longmire-Romans und des ländlichen Schauplatzes wahrscheinlich eher an die Robicheaux-Romane. Und so ganz falsch liegen sie damit nicht, obwohl die Romane von Tony Hillerman über die Indianerpolizisten Joe Leaphorn und Jim Chee die treffendere Referenz sind.

Hillerman schrieb zwischen 1970 und 2006 achtzehn Krimis, in denen er die Abenteuer der beiden Ermittler erzählte, die in Arizona im Navajo-Reservat Kriminalfälle lösen. Immer verwandte er einen großen Teil der Geschichte auf das Schildern indianischer Traditionen und wie sich das Leben der Indianer im Reservat veränderte. Beides ist untrennbar mit den Fällen verbunden. Über die Jahre zeigte sich auch, wie sehr Traditionen immer mehr vergessen wurden.

Craig Johnson knüpft hier an Hillerman an. Sein Protagonist, der Ich-Erzähler Walt Longmire, ist ein äußerst normaler Mann. Vietnamveteran, seit drei Jahren allein lebender Witwer, mit einer Tochter, die inzwischen außerhalb Wyomings als Anwältin arbeitet, respektiert und ohne diese besonderen Eigenschaften und Marotten, die in anderen Krimis die Ermittler interessant machen sollen. Auch der Fall ist alltäglich. Entsprechend überschaubar, auch weil in dem County so wenige Menschen leben, ist die Zahl der Verdächtigen.

Im Zentrum des Romans steht die Beschreibung des Lebens in Absaroka County. Der alltäglichen Polizeiarbeit. Der Menschen, die sich alle kennen. Und, gerade im Indianerreservat, dem dortigen Leben, in dem die indianischen Traditionen zwar noch lebendig sind, aber, wie man schon in Hillermans Romanen lesen konnte, immer unwichtiger werden.

Bittere Wahrheiten“ ist ein insgesamt spannender, mit viel Lokalkolorit gewürzter Roman, der allerdings auch unter seiner epischen Länge von fünfhundert Seiten leidet. Entsprechend zäh schleppen sich die Ermittlungen in den Mordfällen immer wieder hin, während wir noch etwas über die Polizeiarbeit, den Alltag in Absaroka County und die Landschaft und ihre Bewohner erfahren. Da wünscht man sich einige Seiten weniger. Es muss ja nicht gleich die Kürze eines Hillerman-Romans haben, der seine Geschichten auf normalerweise zweihundert bis zweihundertfünfzig Seiten erzählte.

Für Mai hat Festa den zweiten Longmire-Roman „Einsamer Tod“ angekündigt. Im Juli soll dann der dritte Longmire-Roman „Gute Taten rächen sich“ erscheinen. Und weil Craig Johnson eifrig weitere Longmire-Romane schreibt, ist für ausreichend Nachschub gesorgt.

Craig Johnson: Longmire: Bittere Wahrheiten

(übersetzt von Patrick Baumann)

Festa, 2017

512 Seiten

12,95 Euro

Originalausgabe

The Cold Dish

Viking Adult, 2004

Hinweise

Fantastic Fiction über Craig Johnson

Homepage von Craig Johnson

Wikipedia über Craig Johnson

Mysterious Musings: Interview mit Craig Johnson über Walt Longmire (2007)


TV-Tipp für den 29. Dezember: Self/Less – Der Fremde in mir

Dezember 29, 2017

RTL II, 20.15

Self/Less – Der Fremde in mir (Self/Less, USA 2015)

Regie: Tarsem Singh

Drehbuch: Àlex Pastor, David Pastor

Der todkranke Immobilienmogul Damian Hale erhält ein Angebot, das er nicht ablehnen will: für eine unglaubliche Summe wird sein Geist in einen frischen Körper transferiert. Es funktioniert und er erwacht im Körper eines jungen Mannes. Dummerweise hat er nach einiger Zeit Flashbacks aus dem Leben eines anderen Menschen. Hale will herausfinden, was diese Flashbacks bedeuten. Außerdem ist er stinkig, dass ihm gebrauchte Ware verkauft wurde.

TV-Premiere: Letztendlich nur okayer actionlastiger Verschwörungsthrillers, der das Potential seiner Prämisse verschenkt.

Mehr in meiner ausführlichen Besprechung.

mit Ryan Reynolds, Ben Kingsley, Natalie Martinez, Matthew Goode, Victor Garber, Derek Luke, Michelle Dockery

Wiederholung: Samstag, 30. Dezember, 02.40 Uhr (Taggenau!)

Hinweise
Deutsche Homepage zum Film
Englische Homepage zum Film
Film-Zeit über „Self/Less“
Moviepilot über „Self/Less“
Metacritic über „Self/Less“
Rotten Tomatoes über „Self/Less“

Wikipedia über „Self/Less“ (deutsch, englisch)

Meine Besprechung von Tarsem Singhs „Self/Less – Der Fremde in mir“ (Self/Less, USA 2015)


Neu im Kino/Filmkritik: Cherchez la Femme, „Voll verschleiert“

Dezember 28, 2017

Leila freut sich auf die Rückkehr ihres Bruders Mahmoud aus dem Jemen. Sie kann ihm ihren neuen Freund Armand vorstellen und erzählen, dass sie demnächst ein Praktikum bei den Vereinten Nationen in New York absolvieren wird. Und er kann ihr von seinen Erlebnissen im Jemen erzählen.

Dummerweise kommt er mit einer massiven religiösen Klatsche zurück. Vor seiner Reise war Mahmoud ein normaler französischer Moslem, der nach dem Tod ihrer Eltern die Rolle des Familienoberhaupts für Leila und ihren jüngeren Bruder übernommen hat. Jetzt hat er nicht nur den Bart eines religiösen Fanatikers, sondern auch dessen Ansichten. Als erstes verbrennt er Leilas Reisepass. Danach verdonnert er sie zum Hausarrest und zu einem streng religiösen Leben.

Armand, Sohn intellektueller, vor der Revolution aus dem Iran geflüchteter und immer noch linkspolitisch hoch engagierter Eltern, ist verzweifelt. Aber einer der zahlreichen Flüchtlinge, die er und seine Mitkommilitonen in ihren Asylrechtsverfahren beraten, bringt ihn auf die Idee: als Frau verkleidet kann er seine Geliebte besuchen. Gesagt, getan: in einem Niqab besucht er Leila. Er behauptet, ihre Mitstudentin und beste Freundin Scheherazade zu sein.

Mahmoud, der alles für ein gottgefälliges Leben tut, verliebt sich sofort und unsterblich in die scheue Scheherazade, die all seine Avancen ablehnt.

Voll verschleiert“ ist eine durchaus sympathische Komödie, in der Moslems und der Islam nicht als das Reich des Bösen erscheinen. Man lacht mit ihnen und nicht über sie. Es ist allerdings auch eine Komödie, die immer dann, wenn sie sich zwischen satirischer Zuspitzung und boulevardeskem Klamauk entscheiden muss, für das Boulevard entscheidet. Das ist dann so harmlos wie „Charleys Tante“, während man auf ein „Alles koscher“ (oder mehr) hofft.

Voll verschleiert (Cherchez la Femme, Frankreich 2016)

Regie: Sou Abadi

Drehbuch: Sou Abadi

mit Félix Moati, Camelia Jordana, William Lebghil, Anne Alvaro, Carl Malapa, Laurent Delbecque, Oscar Coop, Oussama Kheddam, Walid Ben Mabrouk, Miki Manojlovic

Länge: 88 Minuten

FSK: ab 6 Jahre

Hinweise

Deutsche Homepage zum Film

Moviepilot über „Voll verschleiert“

AlloCiné über „Voll verschleiert“

Rotten Tomatoes über „Voll verschleiert“

Wikipedia über „Voll verschleiert“


Neu im Kino/Filmkritik: Über Yorgos Lanthimos‘ „The Killing of a sacred Deer“

Dezember 28, 2017

Den meisten Kritikern gefällt Yorgos Lanthimos‘ neuer Film „The Killing of a sacred Deer“ und auf einer intellektuellen Ebene kann ich das auch nachvollziehen. Jedenfalls teilweise.

Es geht, in einem Satz, um eine Arztfamilie, die von einem jungen Mann, der ihr Leben zerstören will, bedroht wird und wie sich die Familie dagegen wehrt. Wie es sich für einen Mystery-Thriller gehört, wird der Grund für das zunächst seltsame Verhalten des jungen Mannes erst spät enthüllt. Spätestens in dem Moment ist der Filmtitel für Menschen mit einer gesunden abendländischen Bildung mühelos verständlich.

Und ungefähr jetzt begeben wir uns notgedrungen auf das Terrain von Spoilern.

Denn der Filmtitel spielt auf den griechischen Mythos der Iphigenie an. Danach muss Agamemnon seine Tochter Iphigenie opfern, weil er in einem heiligen Hain der Jagdgöttin Artemis einen Hirsch getötet hat und sich mit der Tat brüstete.

Im Film ist dann Doktor Steven Murphy Agamemnon. Vor Jahren starb bei einer Operation einer seiner Patienten. Vorher hatte der Patient einen Autounfall. Aber der ist für die Filmgeschichte egal. Irgendwie geplagt von Schuldgefühlen trifft er sich mit Martin, dem sechzehnjährigen Sohn des toten Patienten. Und dieser schleicht sich in Murphys Familie ein. Er will sogar Murphy mit seiner Mutter verkuppeln und so wohl wieder eine richtige Familie haben. Letztendlich ist Martin aber kein nach Liebe und Geborgenheit suchender Stalker, sondern der durchgeknallte Psycho von nebenan, den wir aus zahlreichen Filmen kennen und der stoisch seinen Racheplan verfolgt.

Denn er schleicht sich nicht nur in de Bilderbuchfamilie Murphy ein, sondern belegt sie mit einem Fluch. Plötzlich können Murphys beiden Kinder sich nicht mehr bewegen und Martin fordert Murphy auf, eines seiner Kinder zu opfern. Oder er werde die gesamte Familie töten.

Diesen eher wenig plausiblen Konflikt (Warum rächt er sich nicht an der Person, die den tödlichen Unfall verursachte? Warum will er nur Murphy und nicht auch das restliche Klinikpersonal bestrafen?) etablieren Lanthimos und seinem Stamm-Co-Autor Efthimis Filippou arg umständlich. Jedenfalls wenn man die gängigen Drehbuchregeln anlegt. Auch verglichen mit ihrem vorherigen, ungleich gelungeneren Film „The Lobster“ (ebenfalls mit Colin Farrell n der Hauptrolle) dauert es in „The Killing of a sacred Deer“ lange, bis der Konflikt etabliert ist und die damit zusammenhängende Geschichte beginnt. Dafür zeigen sie, in schönster David-Lynch-Manier inszeniert und mit Schauspielern, die konsequent unnatürlich spielen, in elegant gefilmten Szenen die bröselige Fassade des gut situierten Bürgertums. Diese Szenen bringen die Geschichte nicht vorwärts, aber sie etablieren eine herrlich ver-rückte, absurde Welt. Emotionslos werden Sätze vorgetragen. Man agiert eher neben- als miteinander und auch offensichtliche Lügen zerstören den schönen Schein nicht. Das führt zu wohltuenden Irritationen in einer durch und durch artifiziellen Welt, die mit der Realität oder einer realistischen Inszenierung der Realität nichts zu tun hat. Das ist eher die Welt von „Twin Peaks“. Ohne die Überhöhungen, Symbolismen und Andeutungen von großen Geheimnissen, die irgendwann gelöst werden.

In der zweiten Hälfte, wenn die Murphys Martin im Keller gefangenhalten (nicht in einem kleinen Kellerloch, sondern im Freizeitzimmer) und die üblichen Psychospielchen beginnen, mutiert „The Killing of a sacred Deer“ schnell zu einer banalen und erschreckend eindimensionalen Rachegeschichte in der Martin sich rächen und Murphy seine Familie beschützen will. Wie in Sabus „Happiness“, der vor einigen Wochen bei uns anlief und der in der Mitte einen ähnlichen erzählerischen Bruch hat, zieht sich dieser Teil elendig lang hin, ohne dass wir etwas substantiell neues erfahren, die Geschichte irgendeine Entwicklung hat oder das Thema aus verschiedenen Perspektiven beleuchtet wird.

In „The Killing of a sacred deer“ wäre es natürlich die Frage, welches Opfer für eine schlimme Tat erbracht werden muss. Im alten Griechenland war es ein Menschenopfer. In dem Film verlangt das auch Martin. Immerhin ist, aus seiner Sicht, Murphy für den Tod seines Vaters verantwortlich.

Weil Lanthimos diese Frage nur innerhalb der von ihm selbst sehr eng gesteckten Regeln seines Spiel thematisiert, geht es nur darum, ob die Murphys Martin töten oder einer aus ihrer Familie (oder alle) sterben. Das hat einen Erkenntnisgewinn, der nicht über das alttestamentarische Auge um Auge, Zahn um Zahn hinausgeht, weil die Spielregeln genau so festgelegt wurden. Diese verkopfte Rache- oder, je nach Perspektive, Sühnegeschichte im Arthaus-Gewand ist damit sogar flacher als ein hundsgewöhnliches und strunzdummes Revenge-B-Movie.

The Killing of a sacred Deer (The Killing of a sacred Deer, Großbritannien/Irland 2017)

Regie: Yorgos Lanthimos

Drehbuch: Yorgos Lanthimos, Efthimis Filippou

mit Colin Farrell, Nicole Kidman, Barry Keoghan, Alicia Silverstone, Raffey Cassidy, Sunny Suljic, Bill Camp

Länge: 121 Minuten

FSK: ab 16 Jahre

Hinweise

Deutsche Homepage zum Film

Englische Homepage zum Film

Moviepilot über „The Killing of a sacred Deer“

Metacritic über „The Killing of a sacred Deer“

Rotten Tomatoes über „The Killing of a sacred Deer“

Wikipedia über „The Killing of a sacred Deer“ (deutsch, englisch)

Die Cannes-Pressekonferenz

Q&A beim TIFF


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