Ein Besuch in Millarworld: „Genosse Superman“, „Huck“ und die „Empress“ sind „Reborn“

Mit Geschichten wie „Wanted“ und „Kick-Ass“ wurde Mark Millar bekannt und, egal wie sehr sie einem gefallen, sind es Geschichten für pubertierende Jungs. Inzwischen ist Millar in zweiter Ehe verheiratet, hat zwei Kinder und darf bald seinen fünfzigsten Geburtstag feiern (Ähem, nachträglich: Alles Gute zum Geburtstag, der am 24. Dezember war). Wie das Perspektiven verändert, sieht man in seinen neuen Werken „Reborn“ und „Empress“.

Doch beginnen wir unseren kleinen Überblick über seine neu auf Deutsch erschienenen, durchgehend lesenswerten Werke mit einem Frühwerk. Als vierter Band der „Mark Millar Collection“ erschien „Genosse Superman“. Wie man bei dem Titel schon vermuten kann, handelt es sich um keine gewöhnliche Superman-Geschichte. Aber wer hätte das, ehrlich gesagt, bei Millar erwartet? Schließlich verbindet er immer wieder eine bekannte Geschichte mit einem besonderen Twist. Bei „Kick-Ass“ erzählt er, zum Beispiel, eine typische Superhelden-Origin-Geschichte. Nur ist sein Held kein Superheld, sondern ein ganz normaler, verweichlichter, unsportlicher Nerd, der ohne die Hilfe von Hit-Girl keine zwei Minuten überleben würde. Sie ist ein Mädchen, das reihenweise Männer tötet.

In „Genosse Superman“ ist es die Idee, dass Superman nicht in den USA, sondern in der UdSSR landete, die die bekannte Superman-Geschichte radikal verändert. In der Ukraine wuchs er auf einer Kolchose auf. Danach setzte er seine Kräfte für den Ostblock ein und das verändert den Lauf der gesamten Nachkriegsgeschichte.

Für den freien, kapitalistischen Westen sucht Lex Luthor nach einem Weg, um Superman zu besiegen. Immerhin ist er eine Bedrohung für die USA, ihren Lebensstil und die von ihr forcierte Ideologie.

Mark Millars Superman-Geschichte, sozusagen eine Alternativwelt-Geschichte zu einer erfundenen Geschichte, erschien im Original erstmals 2003.

Im Rahmen der Mark Millar Collection ist sie jetzt mit zahlreichen Zeichnungen aus den Skizzenbüchern der Zeichner Dave Johnson und Kilian Plunkett wieder veröffentlicht worden.

Fast, aber wirklich nur fast, schließt „Huck – Held wieder Willen“ daran an. Im Mittelpunkt steht Huck. Er lebt in einem kleinen Dorf in den USA ein einfaches, glückliches Leben als Tankwart. Seine Nachbarn mögen ihn. Das Findelkind mag sie. Er hilft ihnen. Auch mit seinen Superkräften, die die Dorfbewohner klaglos akzeptieren. Denn jeden Tag vollbringt er, in schönster Pfadfindertradition, eine gute Tat.

Als die kürzlich zugezogene Diane von seinen Fähigkeiten erfährt, erzählt sie es der Presse. Selbstverständlich belagern die Medien das Dorf. Auch Hucks Bruder meldet sich. Gemeinsam machen sie sich auf den Weg, ihre Mutter zu suchen – und das Geheimnis ihrer Herkunft aufzudecken.

Die untergegangene Sowjetunion spielt eine Rolle dabei und die Lösung erinnerte mich an die Prämisse der TV-Science-Fiction-Serie „Dark Angel“ (Kennt die noch jemand? Außerdem sollte ich sie mir mal zu Ende ansehen und die Romane von Max Allan Collins lesen.).

Huck“, zusammen mit Rafael Albuquerque (American Vampire) geschrieben und im Original 2015/2016 erschienen, bewegt sich noch in dem altbekannten Millar-Kosmos.

Die danach erschienenen Folgewerke „Empress“ und „Reborn“ unterscheiden sich deutlich von „Huck“. Nicht nur weil beide Male Frauen die Protagonistinnen sind (das ist bei Millar ja nicht ungewöhnlich), sondern weil die eine Frau eine Mutter und die andere eine alte, gerade verstorbene Frau ist. Und das ist bei Millar, dessen Protagonisten normalerweise junge Kindsköpfe sind, schon sehr ungewöhnlich. Spontan fallen mir nur „Old Man Logan“ und seine „Flash Gordon“-Liebeserklärung „Starlight“ ein. In dieser, im Original 2014 erschienen Geschichte ist der Protagonist ein Großvater, der als junger Air-Force-Pilot einen weit, weit entfernten Planeten von einem Diktator befreite und jetzt wieder in diese Welt zurückkehren muss.

Empress“ spielt in einer Fantasy-Welt, die an die alten „Flash Gordon“-Serials erinnert und vom ersten bis zum letzten Panel eine waschechte Space-Opera ist.

Weil Königin Emporia für ihre Kinder ein glückliches Leben will, flüchtet sie vor ihrem Mann, dem diktatorischen König Morax, auf einen fremden Planeten.

Morax schickt wutentbrannt seine Schergen hinter ihr her und schon beginnt ein munteres Planetenhopping von einem gefährlichen Planeten zum nächsten.

Und mehr zu verraten, würde wirklich den Spaß bei dieser flotten Space Opera verderben.

In „Reborn“ stirbt die 78-jährige Bonnie Black im Krankenhaus. Mit ihrem Tod (jedenfalls vermuten wir das in dem Moment) betritt sie, wie „Alice im Wunderland“, eine andere, eine fantastische Welt, in der sie viele alte Bekannte aus ihrer Vergangenheit trifft, wie ihren Vater, ihre Katze Frosty (jetzt General Frost und sehr stinkig) und ihre frühere beste Freundin, die jetzt die Elfenkönigin ist. Teilweise haben ihre alten Bekannte, Freunde und Verwandten in Adystria ihre Gestalt geändert.

Von ihrem Vater wird Bonnie als die große Hoffnung für diese Welt angesehen. Aber bevor sie gegen die Bösen in die Schlacht zieht, möchte sie ihren vor vierzehn Jahren verstorbenen Ehemann finden. Zusammen mit ihrem Vater und ihrem Hund Roy-Boy (inzwischen ein Pudel von der Größe eines Pferdes) machen sie sich auf die Suche nach ihm. In einer Welt, die aus einem Fantasy-Spektakel oder eben „Alice im Wunderland“ stammen könnte und Bonnies wildes Abenteuer eine Fantasie, ein Traum, sein könnte.

Empress“ und „Reborn“ haben alles, was man von einer Mark-Millar-Geschichte erwartet. Nur dass es dieses Mal etwas mehr Altersweisheit als gewohnt gibt.

Mark Millar/Dave Johnson/Kilian Plunkett: Genosse Superman (Mark Millar Collection 4)

(übersetzt von Christian Heiss)

Panini, 2017

172 Seiten

24, 99 Euro

Originalausgabe

Superman: Red Son # 1 – 3

DC Comics, 2003

Mark Millar/Rafael Albuquerque/Dave McCaig: Huck – Held wider Willen

(übersetzt von Bernd Kronsbein)

Panini, 2017

164 Seiten

19,99 Euro

Originalausgabe

Huck # 1 – 6

Millarworld, November 2015 – April 2016

Mark Millar/Stuart Immonen: Empress

(übersetzt von Bernd Kronsbein)

Panini, 2017

200 Seiten

19,99 Euro

Originalausgabe

Empress # 1 – 7

Millarworld, Juni 2016 – Januar 2017

Mark Millar/Greg Capullo: Reborn

(übersetzt von Bernd Kronsbein)

Panini, 2017

180 Seiten

19,99 Euro

Originalausgabe

Reborn # 1 – 6

Millarworld, Oktober 2016 – Juni 2017

Hinweise

Homepage von Mark Millar

Meine Besprechung von Mark Millar/J. G. Jones‘ „Wanted (Mark Millar Collection 1)“ (Wanted # 1 – 6, Dezember 2003 – Februar 2005)

Meine Besprechung von Mark Millar/Steve McNivens „Nemesis“ (Nemesis, 2010/2011)

Meine Besprechung von Mark Millar/Grant Morrisons “Vampirella: Heiliger Krieg (Master Series 1)”

Meine Besprechung von Mark Millar/Steve McNivens „Wolverine: Old Man Logan“ (Old Man Logan, 2008/2009)

Meine Besprechung von Mark Millar/John Romita, Jr. „Kick-Ass 2 (Band 1)“ (Kick-Ass 2 – Issue 1 – 4, Dezember 2010 – November 2011)

Meine Besprechung von Mark Millar/John Romita, Jr. „Kick-Ass 2 (Band 2)“ (Kick-Ass 2 – Issue 5 – 7, Januar – Mai 2012)

Meine Besprechung von Mark Millar/John Romita, Jr. „Hit-Girl – Kick-Ass 2: Die Vorgeschichte“ (Hit-Girl, Issue 1 – 5, August 2012 – April 2013)

Meine Besprechung von Mark Millar/Leinil Yus „Superior – Band 2“ (Superior, Issue 5 – 7, Dezember 2011 – März 2012)

Meine Besprechung von Mark Millar/Dave Gibbons‘ „Secret Service“ (Secret Service # 1- 6, Juni 2012 – April 2013)

Meine Besprechung von Mark Millar/John Romita jr. „Kick-Ass 3 – Band 1“ (Kick-Ass 3, # 1 – 5, Juli 2013 – Januar 2014)

Meine Besprechung von Mark Millar/John Romita jr. „Kick-Ass 3 – Band 2“ (Kick-Ass 3 – # 6 – 7, April – August 2014)

Meine Besprechung von Mark Millar/Leinil Yu/Nacho Vigalondos (Co-Autor/Drehbuch) „Super Croocks – Band 1: Der Coup“ (Super Crooks # 1 – 4, 2012)

Meine Besprechung von Jeff Wadlows Mark-Millar-Verfilmung „Kick-Ass 2“ (Kick-Ass 2, USA 2013)

Meine Besprechung von Matthew Vaughns Mark-Millar-Verfilmung „Kingsman: The Secret Service“ (Kingsman: The Secret Service, USA/Großbritannien 2015)

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