Herzlichen Glückwunsch zum siebzigsten Geburtstag, James Ellroy!

James Ellroy, geboren am 4. März 1948 in Los Angeles, ist unbestritten einer der großen amerikanischen Krimiautoren und Chronisten seiner Heimatstadt Los Angeles in Hollywoods goldener Ära und, seit zwanzig Jahren, auch der USA und seines Lebens.

2015 ernannten die Mystery Writers of America (MWA) ihn zum Grand Master.

Seine ersten Romane, die Einzelkrimis „Browns Grabgesang“ (Brown’s Requiem, 1981), „Heimlich“ (Clandestine, 1982) und „Stiller Schrecken“ (Silent Terror/Killer on the Road, 1986) und die drei Lloyd-Hopkins-Krimis „Blut auf dem Mond“ (Blood on the Moon, 1984), „In der Tiefe der Nacht“ (Because the Night, 1984) und „Hügel der Selbstmörder“ (Suicide Hill, 1986) sind noch ziemlich normale Hardboiled-Krimis.

Seinen Durchbruch hatte er mit „Die schwarze Dahlie“ (The Black Dahlia, 1987), in dem er den bis heute nicht aufgeklärten bestialischen Mord an Elizabeth Short im Januar 1947 fiktional verarbeitete. „Die schwarze Dahlie“ ist auch der Auftakt seines „L. A.-Quarett“, einer faktengesättigten fiktionalen Gegenerzählung seiner Heimatstadt Los Angeles in den späten vierziger und fünfziger Jahren. Auch die nächsten drei Romane des „L. A.-Quartett“ – „Blutschatten“ (The Big Nowhere, 1988), „Stadt der Teufel“ (L. A. Confidential, 1990; grandios verfilmt) und „White Jazz“ (White Jazz, 1992) – gehören zum festen Kanon der Kriminalliteratur.

In der anschließenden „Underworld USA“-Trilogie „Ein amerikanischer Thriller“ (American Tabloid, 1995), „Ein amerikanischer Albtraum“ (The Cold Six Thousand, 2001) und „Blut will fließen“ (Blood’s a Rover, 2009) erzählt er eine mehrere Länder umspannende Gegenschichte der USA und der US-Politik zwischen dem Mord an John F. Kennedy und Watergate.

Seine schon immer dicken Romane wurden länger. Die zahlreichen Handlungsstränge in der „Underworld USA“-Trilogie sind sehr unübersichtlich und Ellroys Sprachexperimente, vor allem die Kaskade kürzester Sätze und Lautmalereien, machen die mit Fakten und Verschwörungstheorien vollgestopften Romane zunehmend unlesbar.

Mit seinem bislang letzten Roman „Perfidia“ (Perfidia, 2014), der der Auftakt zu einem zweiten „L. A. Quartett“ sein soll, kehrt er wieder in die Welt des L. A.-Quartetts zurück und erzählt die Vorgeschichte davon. Daher tauchen in der im Dezember 1941 spielenden Geschichte aus dem L. A.-Quartett bekannte Charaktere auf. Auch sprachlich kehrt Ellroy wieder mehr zu den Konventionen zurück. Lesbarer ist der fast tausendseitige Roman dadurch nicht geworden.

Der zweite Band des zweiten L. A. Quartetts, „This Storm“, ist für September 2018 in den USA angekündigt.

Neben seinen immer hart an der Realität vorbeischrammenden Romanen, veröffentlichte er auch mehrere Bücher mit Kriminalreportagen und autobiographische Werke. Hier ist vor allem „Die Rothaarige“ (My Dark Places, 1997) wichtig. In dem Buch erzählt er von der erfolglosen Suche nach dem Mörder seiner Mutter Geneva ‚Jean‘ Ellroy. Sie wurde 1958 in einem Vorort von L. A. vergewaltigt und ermordet. Seine Beziehung zu ihr, auch und vor allem über ihren Tod hinaus, begründete eine seiner Obsessionen, die in seinem gesamten Werk spürbar ist.

Der Ullstein Verlag, Ellroys deutscher Verlag, veröffentlichte zu seinem Geburtstag „Die Rothaarige“ und das „L. A. Quarett“ in Neuausgaben – und, wer noch nichts von James Ellroy gelesen hat, hat mit diesen Büchern einen guten Einstieg in die Welt des „Demon dog of American crime fiction“.

James Ellroy: Die Rothaarige – Die Suche nach dem Mörder meiner Mutter

(übersetzt von Tina Hohl und Heinrich Anders)

Ullstein, 2018

528 Seiten

25 Euro

Hinweise

Homepage von James Ellroy

Wikipedia über James Ellroy (deutsch, englisch)

Meine Besprechung der James-Ellroy-Verfilmung “Rampart – Cop außer Kontrolle” (Rampart, USA 2011)

Meine Besprechung von James Ellroys Underworld-USA-Trilogie (Ein amerikanischer Thriller, Ein amerikanischer Albtraum, Blut will fließen)

Meine Besprechung von James Ellroys “Der Hilliker-Fluch – Meine Suche nach der Frau” (The Hilliker Curse – My Pursuit of Women, 2010)

Meine Teilbesprechung von James Ellroys “Perfidia” (Perfidia, 2014)

James Ellroy in der Kriminalakte (oft mit Videos, in denen der nicht an Selbstüberschätzung leidende Ellroy persönlich auftritt)

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