Neu im Kino/Filmkritik: „Pacific Rim: Uprising“ – wieder gibt es Ärger mit den Kaijus

Zehn Jahre nach den Ereignissen von Pacific Rim (und fünf Jahre nach dem Spielfilm „Pacific Rim“) spielt „Pacific Rim: Uprising“. In „Pacific Rim“ wehrte die Menscheit einen letzten Angriff der Kaiju, Urviecher aus einer anderen Galaxis, erfolgreich ab. Jaeger-Marshal Stacker Pentecost, der die Jaeger-Piloten in die Schlacht führte, starb dabei.

Jetzt, im Jahr 2035, genießt sein Sohn Jake Pentecost (John Boyega) sein Leben zwischen Partys in mondänen, verlassenen, teilzerstörten Luxusvillen und kleinen Diebstählen, bevorzugt von verwertbaren Teilen aus an den Kampfplätzen zurückgelassenen Jaeger-Teilen. Er ist wie Han Solo; nur ohne Weltraumerfahrung, Raumschiff und Chewbacca.

Währenddessen trainieren die jungen Soldaten des Pan Pacific Defense Corps (PPDC) immer noch für einen möglichen weiteren Angriff der Kaiju.

In einem gesperrten Gebiet trifft Jake die fünfzehnjährige Amara (Cailee Spaeney), die dort ebenfalls auf Diebestour ist. Als sie erwischt werden, werden sie vor die Wahl gestellt: Gefängnis oder, für Jake, die Rückkehr zum PPDC, und, für Amara, die Teilnahme am Jaeger-Pilotenprogramm des PPDC. Sie, die in Heimarbeit bereits einen kleinen Jaeger gebaut hat, ist begeistert über ihren Zwangseinzug beim Militär.

Und dann begibt sich Steven S. DeKnight, der vorher Showrunner für die TV-Serien „Spartacus“ und „Daredevil“ war, in seinem Spielfilmdebüt in das Fahrwasser von „Top Gun“, garniert mit Kämpfen zwischen den verschiedenen bis zu 25 Stockwerke großen Jaeger-Modellen, die sehr fotogen japanische Millionenstädte zerstören.

Etwaige tiefergehende Fragen werden zwischen der Ausbildung der Kadetten im Moyulan Shatterdome, Angriffen von anderen Jaegern und etwas Streit um die Weiterentwicklung des Jaeger-Programms, noch nicht einmal angedacht.

Denn „Pacific Rim: Uprising“ ist, wie „Pacific Rim“, vor allem eine Liebeserklärung an den japanischen Science-Fiction-Film, als Godzilla und andere Monster im Wochentakt Millionenstädte zertrampelten. Auch da fragte niemand nach Logik und Wahrscheinlichkeit. Wegen der schlechten Spezialeffekte, schlechten Synchronisation und schlechten Schauspieler genoss man diese Monsterheuler als rundum kindisches Vergnügen an verregneten Samstagnachmittagen. Bei DeKnight sind dann die Effekte deutlich besser, die Schauspieler auch, die Dialoge zweckdienlich ohne den Zwölfjährigen in uns zu überfordern und die Logik wird immer noch höflich ignoriert.

Die Idee der Jaeger und ihrer Steuerung ist nämlich vollkommen bescheuert. Sie sind riesige roboterähnliche Blechrüstungen, die aufgrund ihrer Größe von zwei oder manchmal sogar drei Menschen gesteuert müssen, weil ein Mensch damit geistig überfordert ist. Diese Menschen sind mental miteianander verbunden, wissen daher alles (!) übereinander und haben so die nötige Gehirnmasse, um die Jaeger zu bewegen. Das war in den fünfziger Jahren vielleicht eine nette Fantasie für Kinder. Heute würde man andere Lösungen für das Problem finden, als zwei Steuermänner, die sich synchron bewegen müssen. Bei den Actionszenen läuft es dann sowieso auf zwei oder mehrere Roboter, die sich verprügeln, hinaus.

Erst am Ende von „Pacific Rim: Uprising“ tauchen die Kaiju, die etwas anders aussehen als in „Pacific Rim“, auf. Sie leiten einen epischen Schlusskampf ein, der am helllichten Tag in Japan zwischen einer Großstadt und einem Vulkan stattfindet. Diese lange Sequenz erfreut das Herz jedes Actionfilmfans, der bei den „Transformers“-Filmen an der kruden Story verzweifelte und bei den Actionszenen schnell jeden Überblick verlor. Beides wird ihm bei DeKnights Film nicht passieren. Er erzählt seine durchgängig nachvollziehbare und nacherzählbare Geschichte, die gerade in der ersten Hälfte aus viel letztendlich verzichtbarer Exposition besteht, in unter zwei Stunden. Die Actionszenen, die einen großen Teil des Films ausmachen, sind dabei immer nachvollziehbare und spielen tagsüber, was dazu führt, dass man das Geschehen wirklich sieht und nicht erahnt.

Letztendlich, und soll nicht verschwiegen werden, ist „Pacific Rim: Uprising“ militaristischer Murks, der junge Menschen an die Waffen führt. „Top Gun“ reloaded eben. Nur dieses Mal mit einem deutlich diverserem und jüngeren Cast, ohne Liebesgeschichte und folgerichtig ohne Schnulzen.

Pacific Rim: Uprising (Pacific Rim Uprising, USA 2018)

Regie: Steven S. DeKnight

Drehbuch: Steven S. DeKnight, Emily Carmichael, Kira Snyder, T. S. Nowlin (basierend auf Charakteren von Travis Beacham)

mit John Boyega, Scott Eastwood, Tian Jing, Cailee Spaeny, Rinko Kikuchi, Burn Gorman, Arja Ardona, Charlie Day, Karan Brar, Wesley Wong

Länge: 111 Minuten

FSK: ab 12 Jahre

Hinweise

Deutsche Homepage zum Film

Moviepilot über „Pacific Rim: Uprising“

Metacritic über „Pacific Rim: Uprising“

Rotten Tomatoes über „Pacific Rim: Uprising“

Wikipedia über „Pacific Rim: Uprising“ (deutsch, englisch)

Meine Besprechung von Guillermo del Toros „Pacific Rim“ (Pacific Rim, USA 2013)

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One Response to Neu im Kino/Filmkritik: „Pacific Rim: Uprising“ – wieder gibt es Ärger mit den Kaijus

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