TV-Tipp für den 19. September: Das Leben gehört uns

September 19, 2018

Arte, 20.15

Das Leben gehört uns (La Guerre est déclarée, Frankreich 2011)

Regie: Valérie Donzelli

Drehbuch: Valérie Donzelli, Jérémie Elkaïm

Als Juliette und Roméo erfahren, dass ihr 18 Monate alter Sohn einen Krebstumor im Gehirn hat, nehmen sie den Kampf auf.

Autobiographisch inspirierte, in schönster französischer Tradition erzählte Kampfansage an den Krebs und für das Leben. Ein etwas anderer Feelgood-Film.

Mehr in meiner ausführlichen Besprechung.

mit Valérie Donzelli, Jérémie Elkaïm, César Desseix, Gabriel Elkaïm, Brigitte Sy, Elina Löwensohn, Michèle Moretti, Philippe Laudenbach, Bastien Bouillon, Béatrice De Staël, Anne Le Ny, Frédéric Pierrot, Elisabeth Dion

Hinweise

Französische Homepage zum Film

Deutsche Homepage zum Film

Wikipedia über „Das Leben gehört uns“ (englisch, französisch)

Rotten Tomatoes über „Das Leben gehört uns“

Film-Zeit über „Das Leben gehört uns“

Allocine über „Das Leben gehört uns“

taz: Interview mit Valérie Donzelli und Jérémie Elkaïm

Meine Besprechung von Valérie Donzellis „Das Leben gehört uns“ (La Guerre est déclarée, Frankreich 2011)

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„Der Riss“ – mehrere Reportagereisen, ein Buch, eine Ausstellung

September 18, 2018

Der Anfang war im Dezember 2013: Journalist Guillermo Abril und Fotograf Carlos Spottorno werden von der Chefredakteurin des Magazins „El Pais Semanal“ beauftragt, an mehrere, besonders konfliktträchtige Orte an Europas Grenzen zu reisen und über das Erlebte eine Titelgeschichte zu schreiben.

Die erste Station ihrer Reise ist in Nordafrika die von Marokko umgebene spanische Enklave Melilla. Danach reisen sie nach Griechenland und in das benachbarte Bulgarien. Ihre dritte Reise führt sie im März 2014 nach Lampedusa, Sizilien und auf das Schiff Grecale, das an der Operation Mare Nostrum beteiligt ist. Dort dokumentieren sie eine Seerettung von über zweihundert Flüchtlingen.

Diese Reisen werden, mit viel Multimediamaterial, zur zwanzigseitigen Titelgeschichte „Vor den Toren Europas“. Das Video erhält einen World Press Photo Award.

2015, eineinhalb Jahre nach ihren ersten Reisen, erhalten sie von ihrer Redaktion den Folgeauftrag. Jetzt wollen Abril und Spottorno die Ostgrenze der Europäischen Union erkunden. Sie fahren nach Ungarn und Kroatien. Im November 2015 geht es in die Ukraine, Litauen, Lettland und Polen, wo sie Militärübungen beobachten und Flüchtlingslager besuchen. Ihre letzte Reise geht dann nach Estland und Finnland, wo sie an der Grenze auf eine Gruppe Flüchtlinge aus Afghanistan und Kamerun treffen.

Bei diesen Reisen bemerken sie auch das zunehmend flüchtlingsfeindliche Klima.

Danach fragten die beiden Reporter sich, wie sie ihre Reisen, die sie in Reportagen dokumentierten, in einen größeren Zusammenhang stellen und einem breiteren Publikum präsentieren könnten. Abseits der Schnelllebigkeit des journalistischen Tagesgeschäfts, in dem auch prämierte Reportagen schnell reales und virtuelles Altpapier sind. Fotobände haben einen guten Ruf, aber Bestseller sind sie eher nicht. Und sie dachten daran, dass die neue Präsentation des Materials auch anders als die schon erfolgte Präsentation in dem Magazin sein sollte.

Carlos Spottorno erklärt: „Ich glaube nicht, dass wir es mit einer Fotostrecke plus Prolog geschafft hätten, so detailliert und genau zu erzählen wie es in der Graphic Novel möglich wurde. Und egal, wie gut so ein normales Buch geworden wäre: Ich glaube nicht, dass wir damit ein breites Publikum erreicht hätten. Ich weiß aus Erfahrung, dass Fotobücher es schwer haben. Nur wenige Leute kaufen sie. Als ich darüber nachgedacht habe, wie man die Reportage so erzählen kann, dass Text und Foto gleichberechtigt sind und sich gegenseitig bereichern, habe ich mich mit der Graphic Novel beschäftigt und erkannt, dass das die perfekte Sprache für uns ist. Dann musste ich nur noch die Fotos so bearbeiten, dass das Ergebnis nicht aussah wie ein Fotoroman.“

Die so entstandene, in jeder Hinsicht beeindruckende Graphic Novel dokumentiert ihre Reisen mit knappen Texten und Bildern, die nach der Bearbeitung für das Buch meistens wie alte, leicht verblasste Farbfotografien aussehen. Die Texte ergänzen die Fotos und umgekehrt. Zusammen dokumentieren sie auf hundertsiebzig Seiten ein zunehmend auf Abschottung setzendes Grenzregime.

Guillermo Abril meint: „An der Grenze der EU sagte uns ein Asylbewerber, was Europa für ihn bedeute: den Unterschied zwischen einer gefährlichen und einer sicheren Welt. Wenn du das hörst, an den Grenzen des Kontinents, ist es unmöglich, nicht zu spüren, dass die Union mit all ihren Fehlern, eine der größten Errungenschaften der Menschheit ist. Und dass sie es wert ist, dass man darum kämpft, sie so gut wie möglich zu machen.“

Carlos Spottorno/Guillermo Abril: Der Riss

(übersetzt von André Höchemer)

Avant-Verlag, 2017

176 Seiten

32 Euro

Originalausgabe

La Grieta

Astiberri ediciones, 2016

Die Ausstellung in Berlin (wobei mental ‚zwischen Berlin und Potsdam‘ treffender ist):

Zur Eröffnung am 19. September 2018 um 19.30 Uhr sprechen Guillermo Abril und Carlos Spottorno mit Anna Kemper über ihre Arbeiten. In Zusammenarbeit mit dem Literaturhaus Stuttgart.

Im Auftrag des spanischen Magazins El País Semanal recherchierten der Fotograf Carlos Spottorno und der Journalist Guillermo Abril an den Außengrenzen der EU. Zwischen 2013 und 2016 entstanden zahlreiche Reportagen und Filmbeiträge: Von Melilla, der spanischen Enklave in Marokko, schwer bewacht und durch einen nahezu unüberwindbaren Zaun geschützt, bis in den Norden Finnlands und die Wälder Weißrusslands, wo NATO-Truppen für einen möglichen Grenzkonflikt mit Russland trainieren. Die Autoren treffen Flüchtende, Grenzsoldaten, Kommunalpolitiker und halten ihre Erlebnisse in Wort und Bild fest. Für ihre Reportagen wurden sie mit einem World Press Award ausgezeichnet. Im Dezember letzten Jahres erschien zudem ihr Comicband »La grieta«, eine Fotoreportage in Form eines Comics, ein Reisebericht mit authentischem Bildmaterial. Unter dem Titel »Der Riss« veröffentlichte der Berliner avant-verlag die deutsche Ausgabe des Comics. Kuratiert von Anna Kemper, Redakteurin des ZEITmagazins, und konzipiert vom Literaturhaus Stuttgart und der Agentur Gold & Wirtschaftswunder, entstand parallel eine Wanderausstellung, die nun im LCB gezeigt wird.

Vor und nach den Abendveranstaltungen bzw. mit Voranmeldung (unter 030-8169960) ist die Ausstellung im LCB bis zum 3.12.2018 zu sehen.

Hinweise

Avant-Verlag über „Der Riss“

Perlentaucher über „Der Riss“


R. i. P. Horst Bosetzky (-ky)

September 18, 2018

Horst Bosetzky (1. Februar 1938, Berlin – 16. September 2018, Berlin)

Seine ersten Kriminalromane veröffentlichte er ab 1971 als -ky. Er wollte seine bürgerliche Karriere als Hochschulprofessor nicht gefährden. Die Krimis waren Bestseller. Er begründete den einflussreichen Soziokrimi. Einige seiner Bücher wurden auch verfilmt. Der enorm produktive Autor war von 1991 bis 2001 Sprecher des Syndikats. Von 2000 bis 2014 war er Vorsitzender des Landesverband Berlin des Verband deutscher Schriftstellerinnen und Schriftsteller (VS) und manchmal hatte ich in den letzten Jahren den Eindruck, dass jede zweite Lesung in seiner Heimatstadt eine Bosetzky-Lesung war.

Mit ihm starb einer der wichtigen deutschen Krimiautoren; – das muss man, auch wenn man kein Fan von ihm ist, uneingeschränkt sagen.

Hinweise

Homepage von Horst Bosetzky

Lexikon der deutschen Kriminal-Autoren über Horst Bosetzky

Wikipedia über Horst Bosetzky


Cover der Woche

September 18, 2018


Neu im Kino/Filmkritik: „Tokat – Das Leben schlägt zurück“ – früher Gangster, heute?

September 18, 2018

Das ist ein Dokumentarfilm, den viele Menschen sehen sollten. Dabei porträtieren Andrea Stevens und Cornelia Schendel in ihrem mit überschaubarem Budget und Crowdfunding-Hilfe gedrehten „Tokat – Das Leben schlägt zurück“ nur drei mittelalte Männer, die in ärmlichen Verhältnissen leben. Teilweise, weil sie ihr Leben verpfuscht haben, teilweise weil die Gesellschaft sich nicht um sie kümmerte.

Sie heißen Hakan, Dönmez und Kerem und sie erzählen ihre Geschichte.

In den neunziger Jahren gehörten sie zu den in Frankfurt am Main berüchtigten Jugendbanden, die wie Filmgangster auf großem Fuß lebten, Geld durch den Schornstein jagten, Drogen nahmen, kleine und große Verbrechen begingen und die Stadt in Atem hielten.

Heute ist von diesem Lebensstil nichts mehr übrig.

Kerem war bei den „Turkish Power Boys“. Seine zahlreichen Straftaten verschafften ihm im Milieu den Status einer Legende. Er dealte, er war drogensüchtig und wurde 1997 wegen Totschlags zu elf Jahren Gefängnis verurteilt.

Heute lebt er als Frührentner in Frankfurt. Er ist krank und muss starke Schmerzmittel nehmen. Mit dem Film möchte er Jugendliche vor einem Leben als Verbrecher bewahren.

Hakan kam mit sechzehn Jahren nach Deutschland. Er sprach kaum Deutsch, schwänzte die Schule und wurde der Organisator eine Jugendbande, de aus Jugendlichen aus seinem Heimatdorf bestand. Nach einer Lehre blieb er arbeitslos. Er erhielt keine unbefristete Aufenthaltserlaubnis, wurde in die Türkei abgeschoben, verweigerte den Militärdienst und ihm wurde die Staatsbürgerschaft entzogen.

Seitdem ist er staatenlos und quasi ohne Rechte. Er lebt als Feldarbeiter in ärmlichsten Verhältnissen in seinem Geburtsort Bayat in Ostanatolien.

Der Frankfurter Dönmez ging bis zur 9. Klasse zur Schule, schloss sich einer Jugendbande an, dealte mit Heroin, war süchtig und wurde zu einer mehrjährigen Haftstrafe verurteilt. Danach ließ er sich mit 26 Jahren zwangsausweisen nach Igdir, der ihm vollkommen unbekannten Heimat seiner Eltern.

Heute arbeitet er in einer Apfelsaftfabrik, ist verheiratet und hat einen Sohn.

Kerem und Kakan sind gescheiterte Existenzen. Dönmez hat es zwar etwas besser. Aber wenn man sich ihr heutiges Leben ansieht, taugt keiner von ihnen zum Idol für Jugendliche. Und keiner von ihnen ist heute eine Gefahr für die Gesellschaft.

Das ist in „Tokat – Das Leben schlägt zurück“ ein Punkt, weshalb der kinventionell gestaltete Dokumentarfilm beruhigend ist. Die große Panik, die damals über die verbrecherischen Jugendlichen herrschte, wirkt angesichts des ärmlichen Lebens der Ex-Gangster wie ein Sturm im Wasserglas. Diese Panik bestand und besteht beim Auftauchen von Jugendbanden auch in anderen Städten. Sie ignoriert, wie sehr jugendliches Delinquententum eine oft vorübergehende Phase ist, auf die richtig reagiert werden sollte.

Tokat“ ist allerdings auch ein bitterer Film. Denn Hakan, Dönmez und Kerem hatten nie wirklich eine Chance. Teils weil sie in ihrer Jugend die falschen Dinge taten. Teils weil die Gesellschaft sich nicht genug um sie kümmerte mit Bildung, Ausbildung und Arbeit. Stattdessen wurden die Problemfälle abgeschoben oder ausgesessen.

Tokat“ ist auch ein Film, der in möglichst vielen Jugendzentren und Schulen gezeigt werden sollte. Damit Schüler sehen, was aus den ‚coolen Typen‘ wird, wenn sie älter werden. Dönmez, Hakan und Kerem hatten keinen großen Filmgangster-Tod, wie zum Beispiel Al Pacino in „Scarface“.

Tokat – Das Leben schlägt zurück (Deutschland 2016)

Regie: Andrea Stevens, Cornelia Schendel

Drehbuch: Andrea Stevens, Cornelia Schendel

Länge: 78 Minuten

FSK: ?

Hinweise

Homepage zum Film

Filmportal über „Tokat“

Moviepilot über „Tokat“

 


TV-Tipp für den 18. September: Stirb langsam

September 18, 2018

Nitro, 22.20

Stirb langsam (Die hard, USA 1988)

Regie: John Mc Tiernan

Drehbuch: Jeb Stuart, Steven E. de Souza

LV: Roderick Thorp: Nothing lasts forever, 1979 (Stirb langsam)

Bahnbrechendes Action-Kino, das Bruce Willis zum Star machte – im Buch besucht der Held seine Tochter, im Film besucht der Held seine Frau, der Rest (Terroristen besetzten ein Hochhaus, unser Held kämpft gegen sie) ist bekannt. EPD Film meinte „ein durch und durch regressiver Film, der einer infantilen Lust an der Zerstörung Nahrung verschafft.“

Das Drehbuch von Jeb Stuart und Steven E. De Souza war für den Edgar nominiert.

Mit Bruce Willis, Alan Rickman, Bonnie Bedelia, Alexander Godunov, Reginald VelJohnson, William Atherton, Paul Gleason, Hart Bochner

Hinweise

Rotten Tomatoes über „Stirb langsam“

Wikipedia über „Stirb langsam“ (deutsch, englisch)

Spiegel: „Eines Tages“ über 20 Jahre „Stirb langsam“

Thrilling Detective über Joe Leland (so heißt John McClane im Buch)

The Independent: Nachruf auf Roderick Thorp

Meine Besprechung von Howard Chaykin (Autor)/Stephen Thompson/Gabriel Andrade jr. (Zeichner): Die Hard – Das erste Jahr (Die Hard: Year One 1 – 8, 2009)

Meine Besprechung von John McTiernans „Nomads – Tod aus dem Nichts“ (Nomads, USA 1985)


Neu im Kino/Filmkritik: „Styx“ – Seefahrt mit Problem

September 17, 2018

Rike, eine vierzigjährige Notärztin aus Köln, will als Einhandseglerin während ihres Urlaubs von Gibraltar zur Südatlantikinsel Ascension Island segeln.

Während ihrer Fahrt gerät sie in einen Sturm, den sie und ihr Schiff unversehrt überstehen. Danach sieht sie in ihrer Nähe ein havariertes, mit Flüchtlingen überladenes Fischerboot – und steht vor der Frage, was sie tun soll.

Obwohl Wolfgang Fischer die Idee für „Styx“ schon lange vor der ‚Flüchtlingskrise‘ hatte, die Dreharbeiten 2016 waren und die Geschichte nicht im Mittelmeer spielt, wird „Styx“ als Film zu den aktuellen Ereignissen gesehen. Es fällt auch nicht schwer, ausgehend von der Filmgeschichte, über die Flüchtlingspolitik des Westens und die Seenotrettung zu sprechen.

Fischer gibt für eine solche Interpretation genug Anhaltspunkte. Wobei viele Anspielungen und Bilder auch mehr oder weniger ins Nichts führen oder so interpretationsoffen sind, dass man sie in fast jede beliebige Richtung interpretieren kann. Wie der Filmtitel oder die Affen, die sich am Filmanfang mühelos durch die Hafenstadt bewegen oder das Ziel von Rikes Reise (das von Charles Darwin initiierte, sehr erfolgreiche Terraforming-Projekt Ascension Island) oder der Name ihres Bootes (Asa Gray, ein Botaniker und Freund von Darwin) oder ihr Beruf mit dem allseits bekannten hippokratischen Eid. Durch ihren Beruf kann sie später einem Jungen sehr kompetent und ohne zu zögern das Leben retten und ärztlich versorgen.

Wenn man sich allerdings auf den Film und die Filmgeschichte konzentriert und „Styx“ mit einigen neueren Filmen, in denen Menschen allein auf See waren, vergleicht, dann fällt auf, wie wenig „Styx“ aus seinem Thema macht. Als Blaupause bietet sich hier J. C. Chandors Robert-Redford-Solo „All is lost“ (USA 2013) an. In dem Film kämpft ein Segler von der ersten Filmminute an ums Überleben, während sein Schiff unaufhaltsam sinkt. Er versucht alles, um zu überleben. In Baltasar Kormákurs „Die Farbe des Horizonts“ (Adrift, USA 2018) ergeht es der Seglerin von der ersten Filmminute an nicht viel besser. Außerdem muss sie sich noch um ihren schwer verletzten Freund kümmern, während ihr Schiff langsam auf die nächste Insel zutreibt und sie keine Hilfe rufen kann. Auch sie versucht alles mögliche, um zu überleben und erinnert sich an die glücklichen Tage mit ihrem Freund. In beiden Filmen passiert viel. In beiden Filmen sind die Protagonisten sehr aktiv.

In „Styx“ dauert es erst einmal eine halbe Stunde, bis Rike in den Sturm gerät. Bis dahin genießt sie die ereignislose, von Routinearbeiten geprägte Reise. Danach setzt sie einen Notruf ab und wartet, wie ihr gesagt wird, auf Hilfe. Als die Hilfe nicht kommt, setzt sie einen weiteren Notruf ab. Und wartet weiter. Das Warten wird unterbrochen durch den Jungen Kingsley, der von dem Fischerboot springt und zu ihr schwimmt. Sie kann ihn aus dem Wasser retten und fortan sind sie zu zweit auf ihrem Boot. Und sie warten weiter auf Hilfe. Wobei Kingsley auch wieder zurück zu seinen Leidensgenossen möchte.

Und als Zuschauer wartet man auf irgendeine dramatische Wende oder eine Handlung von ihr. Aber Rike bleibt passiv. Wie die Flüchtlinge, die auf dem Boot, das man nur am Horizont sieht, ausharren.

Eben diese Passivität von Rike langweilt im Film schnell. Sie tut zwar etwas, aber es ist immer wieder das gleiche. Es gibt keine Steigerung. Ihre Situation verändert sich nicht.

Und das propagierte Dilemma, vor dem Rike steht, existiert so nicht. Sie greift ein, indem sie mehrere Notrufe absetzt. In dem Moment wissen dann schon eine unbekannte Zahl von Menschen Bescheid. Sie könnte, was sie nicht tut, vor den Konsequenzen einer verweigerten Hilfe warnen und mit Klagen drohen. Sie tut am Ende etwas anderes.

Styx (Deutschland 2018)

Regie: Wolfgang Fischer

Drehbuch: Wolfgang Fischer, Ilka Künzel

mit Susanne Wolff, Gedion Oduor Wekesa

Länge: 95 Minuten

FSK: ab 12 Jahre

Hinweise

Homepage zum Film

Filmportal über „Styx“

Moviepilot über „Styx“

Rotten Tomatoes über „Styx“

Wikipedia über „Styx“ (deutsch, englisch)

Berlinale über „Styx“


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