Neu im Kino/Filmkritik: „Mile 22“ – der neue Film von Peter Berg und Mark Wahlberg

Nach drei auf wahren Ereignissen basierenden Filmen – „Lone Survivor“, „Deepwater Horizon“ und „Boston“ – erzählen Regisseur Peter Berg und Schauspieler Mark Wahlberg in ihrer vierten Zusammenarbeit eine erfundene Geschichte. Berg ist inzwischen bekannt für intelligente Actionfilme. In „Mile 22“ gibt es weder das eine, noch das andere. Dafür gibt es ein veritables Desaster.

Mile 22“ ist ein Actionfilm, der seine Geschichte niemals in den Griff bekommt. Dabei ist der Hauptplot denkbar einfach: in dem südostasiatischen Fantasiestaat Indocarr sollen James Silva (Mark Wahlberg) und sein Overwatch-Team einen Mann von der US-Botschaft zum nächsten Flughafen bringen. Es handelt sich um Li Noor (Iko Uwais), einen lokalen Special-Forces-Soldaten, der auch als Informant für die Amerikaner arbeitet. Er hat hoch sensible Informationen, die er den Amerikanern übergeben wird, wenn sie ihn aus dem Land befördern.

Schon in der Botschaft, wenige Minuten nachdem Noor sie betreten hat, wird ein Mordanschlag auf ihn verübt. Er kann die Attentäter töten. Silva weiß jetzt, dass Noor mächtige Feinde hat und dass die Informationen, die Noor ihnen geben will, wichtig sind. Auf der 22 Meilen langen Strecke werden weitere Anschläge auf sie verübt. Denn anscheinend will jeder, der gerade auf der Straße ist, sie umbringen.

Was, so fragt sich der Genrejunkie, kann bei so einer Geschichte schon schief gehen? In diesem Fall so ungefähr alles. Anstatt die Geschichte einfach chronologisch zu erzählen und Silvas Team mit Noor möglichst schnell auf die Reise zu schicken, springt Berg zwischen den Ereignissen in Indocarr, der temporären Overwatch-Zentrale an einem anderem Ort und einem Verhör (Nachbesprechung?), in dem Silva seine Sicht der Ereignisse erzählt, hin und her. Dieses Springen zwischen den verschiedenen Orten und Zeiten verdeckt, dass unglaublich viel Filmzeit vergeht, bis Silva mit Noor die Botschaft verlässt. In dem Moment ist schon der halbe Film mit etwas Action, viel Set-Up-Geplänkel und vielen, vielen, sehr vielen Wiederholungen des F-Wortes vorbei. Dummerweise ersetzt ständiges Fluchen kein intelligentes Drehbuch.

Und dann ist noch ein russisches Spionageflugzeug unterwegs. In dem Flugzeug ist eine Hightech-Überwachungseinheit und eine hochrangige Kreml-Offizierin, die Overwatch und die Jagd auf Silva, sein Team und Noor beobachtet. Warum wird erst am Ende der 22 Meilen enthüllt. Bis dahin ist vollkommen rätselhaft, warum aus dem Flugzeug die Aktion beobachtet wird. Wenn man dann dummerweise über die Schlusspointe nachdenkt, fragt man sich, ob sie ihr Ziel nicht auch einfacher hätte erreichen können.

Das gilt für den gesamten Film. Anstatt im Rahmen eines Actionfilms eine politische Analyse zu liefern, über die man diskutieren kann, gibt es ein kopfloses Themenshopping, das sich für nichts interessiert und über das man nicht ernsthaft diskutieren kann.

Dieses erzählerische Chaos, unter dem einige interessante Ideen vergraben sind, könnte man vergessen, wenn wenigstens die Action gut inszeniert wäre. Das war in Bergs vorherigen Filmen eine der Stärken: mitreisend inszenierte Action, die einen in das Geschehen hineinversetzt und bei der man, bei all dem Chaos, niemals den Überblick verliert. In „Mile 22“ bleibt dann nur noch das Chaos übrig, aus dem man sich mühsam die Abläufe zusammenreimen muss. Schon die erste Actionszene – ein Überfall auf ein russisches Safe-House in den USA – ist so schlecht geschnitten, dass es nicht nach Peter Berg, sondern nach einem Möchtegern-Peter-Berg aussieht.

Bei den Actionszenen von und mit Iko Uwais möchte man schreien. Uwais wurde durch die „The Raid“-Filme bekannt. Er kann schauspielern und kämpfen. Auch in „Mile 22“ choreographierte er seine Kämpfe. Aber anstatt ihn im Film möglichst ungeschnitten kämpfen zu lassen, gehen auch Uwais‘ Kämpfe im Schnittgewitter unter.

Mile 22“ ist ein vollkommen vermurkster Film.

Mile 22 (Mile 22, USA 2018)

Regie: Peter Berg

Drehbuch: Lea Carpenter (nach einer Geschichte von Graham Roland und Lea Carpenter)

mit Mark Wahlberg, Lauren Cohan, Iko Uwais, Ronda Rousey, Terry Kinney, John Malkovich, Emily Skeggs, Carlo Alban, Sam Medina, Poorna Jagannathan, Chae Rin Lee, Natasha Goubskaya, Peter Berg (Cameo)

Länge: 95 Minuten

FSK: ab 16 Jahre

Hinweise

Deutsche Homepage zum Film

Englische Homepage zum Film

Moviepilot über „Mile 22“

Metacritic über „Mile 22“

Rotten Tomatoes über „Mile 22“

Wikipedia über „Mile 22“ (deutsch, englisch)

Meine Besprechung von Peter Bergs „Battleship“ (Battleship, USA 2012)

Meine Besprechung von Peter Bergs „Lone Survivor“ (Lone Survivor, USA 2013)

Meine Besprechung von Peter Bergs „Deepwater Horizon“ (Deepwater Horizon, USA 2016)

Meine Besprechung von Peter Bergs „Boston“ (Patriots Day, USA 2016) und der DVD

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