Neu im Kino/Filmkritik: „100 Dinge“ und Matthias Schweighöfer und Florian David Fitz

Wer sich nach einem Blick auf Plakat und Trailer fragt, wie oft man die Herren Schweighöfer und Fitz in einem ab 6 Jahren freigegebenem Film nackt sieht, muss nicht weiterlesen: man sieht sie oft. Vor allem Matthias Schweighöfer läuft erstaunlich oft nackt durch das Bild und er hat irgendwann vor dem Dreh ein umfangreiches Muskelaufbauprogramm absolviert. Das fällt vor allem am Ende des Films auf; nach einer Szene, die jeder Berliner sofort als Fantasie erkennt.

Wer wissen will, ob sich der Film „100 Dinge“ lohnt, kann weiterlesen.

Matthias Schweighöfer und Florian David Fitz (auch Drehbuch und Regie) spielen die Jugendfreunde Toni Katz und Paul Konaske, die kaum gegensätzlicher sein könnten. Während Paul (Florian David Fitz) mühelos jedes Weckerklingeln ignoriert, eine riesige Auswahl nie getragener, brandneuer Sneakers hat und gerade, wie in „Her“, in die Stimme der künstlichen Intelligenz seines Smartphones verliebt ist, ist Toni (Matthias Schweighöfer) das komplette Gegenteil. Er ist schon vor dem ersten Weckerklingeln wach, steckt mehr Zeit und Arbeit in sein Aussehen als jede Frau und er ist der perfekte aalglatte Verkäufer. Sie könnten kaum unterschiedlicher sein. Trotzdem gründeten sie gemeinsam eine Firma. Ihr Start-Up entwickelte eine App, die ihren Kunden mit lieblicher Stimme und persönlicher Ansprache bei der täglichen Lebensgestaltung hilft und Kauftipps gibt. Diese App, die Paul gerade testet, präsentieren sie dem US-Internet-Milliardär David Zuckermann (Artjom Gilz, der wie eine schlechte Mark-Zuckerberg-Kopie aussieht).

Also die beiden Firmengründer präsentieren ihre Idee nicht dem großen Boss, sondern einem Kuratorium gelangweilter Angestellter. Aber weil Zuckemann zuhört und er in ihrer Idee Potential sieht, gibt er ihnen einen millionenschweren Entwicklungsauftrag und er will demnächst Berlin besuchen.

Am Abend feiern Paul und Toni mit ihren Angestellten das Riesengeschäft. Während der Büroorgie beginnen Paul und Toni sich zu streiten. Denn Toni behauptet, Paul sei viel zu konsumsüchtig und unbeherrscht, um nur einen Tag auf etwas zu verzichten. Er sei das perfekte Opfer für ihre App. Ein Wort gibt das nächste, bis Paul eine Wette vorschlägt: er und Toni verzichten jetzt sofort auf alles. In den kommenden 100 Tagen darf jeder sich jeden Tag einen Gegenstand aus einem Lagerraum, in dem ihre persönliche Habe deponiert ist, zurückholen. Wer als erster gegen die Regeln verstößt, hat die Wette verloren. Der Wetteinsatz ist die eigene Hälfte der Firma.

100 Dinge“ ist eine der Komödien, bei der man viel Zeit auf vollkommen unwichtige Fragen verwenden kann, wie warum einmal Schnee in Berlin liegt und einmal nicht. Es sind Fragen, die in einem besseren Film egal wären. Aber im zweiten gemeinsamen Film von Florian David Fitz und Matthias Schweighöfer stimmt so wenig, dass solche Fragen wichtig werden.

Das beginnt schon mit ihren durchgehend unglaubwürdigen, meist hoffnungslos überdreht agierenden Charakteren. Sie sind so verschieden, dass ihre jahrzehntelange Freundschaft nie auch nur einen Hauch von Glaubwürdigkeit hat. Dazu kommt, dass sie, wie Erzfeinde, ständig versuchen, sich zu betrügen. Sie sind Kunstfiguren mit Problemen, die in diesem Licht auch künstlich erscheinen. So müssen wir einfach glauben, dass Paul sich in die Stimme seiner von ihm programmierten App verliebte. Warum und wieso ist in „100 Dinge“ egal. In Spike Jonzes „Her“ verstanden wir intellektuell und emotional, warum der einsame Theodore Twombly sich in die liebliche Computerstimme verliebte.

Die um Paul und Toni und ihre Wette herumgesponnene Geschichte, in der sie selbstverständlich auch eine Frau kennenlernen und auch einige persönliche Problemchen verarbeiten, streift dann etliche aktuelle und wichtige Themen, ohne sie jemals zu vertiefen. Stattdessen darf ein Kapitalismusjunkie die Liebe seines Lebens entdecken und am Ende wird alles gut, weil der Drehbuchautor es so will. Besser wäre es gewesen, weil die Figuren es so wollen. Garniert wird das ganze mit begrüßenswerter, aber wohlfeiler und nicht besonders glaubwürdiger Konsumkritik.

100 Dinge“ ist eine langweilig-vorhersehbare Komödie, deren Halbwertzeit schon auf dem Weg vom Kino zum gegenüberliegenden Konsumtempel überschritten wird.

100 Dinge (Deutschland 2018)

Regie: Florian David Fitz

Drehbuch: Florian David Fitz

mit Florian David Fitz, Matthias Schweighöfer, Miriam Stein, Hannelore Elsner, Wolfgang Stumph, Maria Furtwängler, Katharina Thalbach, Artjom Gilz

Länge: 111 Minuten

FSK: ab 6 Jahre

Hinweise

Homepage zum Film

Filmportal über „100 Dinge“

Moviepilot über „100 Dinge“

Wikipedia über „100 Dinge“

Werbeanzeigen

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s

This site uses Akismet to reduce spam. Learn how your comment data is processed.

%d Bloggern gefällt das: