Über Florian Hartlebs „Einsame Wölfe – Der neue Terrorismus rechter Einzeltäter“

Ich bin ein potentieller rechter Einzeltäter.

Jedenfalls kann nach Florian Hartlebs „Einsame Wölfe – Der neue Terrorismus rechter Einzeltäter“ der Eindruck entstehen. Nachdem ich auch schon Psychopath und Massenmörder war; – jedenfalls nach der Lektüre entsprechender Sachbücher. Denn die „Einsamen Wölfe“ sind eine Untergruppe der „alleinstehenden Männer“. D. h., um ein anderes Beispiel zu nehmen, jeder Abiturient ist ein Schüler, aber nicht jeder Schüler ist ein Abiturient. Und damit sind wir bei einem, vielleicht sogar dem größten Problem, um gegen Einzeltäter etwas zu unternehmen.

Aber bevor man etwas gegen Einzeltäter unternimmt, sollte man das Phänomen erfassen. Politikwissenschaftler Florian Hartleb will mit seinem Buch dazu beitragen. Denn im Bereich des Terrorismus ist der „Einsame Wolf“ ein relativ neues Phänomen. Klassische Erklärungen für Terrorismus gehen von einer gefestigten Ideologie und einer Gruppe aus, die mehr oder weniger gemeinsam Anschläge plant und verübt.

Der „Einsame Wolf“ ist dagegen ein Einzeltäter. Er – weibliche Einsame Wölfe gibt es bislang nicht – ist kein Mitglied einer Gruppe. Jedenfalls nicht im klassischen Sinn. In verschiedenen Internetgruppen ist er schon Mitglied. Er ist sozial isoliert und im persönliche Umgang merkwürdig bis fanatisch. Er plant und führt seine Tat allein aus. Oft hat er eine Vorgeschichte psychischer Erkrankungen und auch nach der Tat wird darüber diskutiert. Also ob seine Tat in seiner rechten Ideologie begründet ist oder ob er psychisch krank und daher vermindert schuldfähig ist. Diese Frage stellte sich bei früheren Terroristengenerationen nicht. Auch bei islamistischen und religiösen Tätern wird normalerweise nicht über seine Zurechnungsfähigkeit spekuliert, sondern ihm sofort die politische Motivation zugestanden.

In seinem Sachbuch „Einsame Wölfe“ beschäftigt sich Hartleb nicht weiter mit dem religiösen Terrorismus. Bei ihm stehen rechte Einzeltäter im Zentrum. Sie sind eine Gruppe, die sich signifikant von anderen Terroristen unterscheidet.

Bei den Einsamen Wölfen beherrscht oft ein paranoides Wahngebilde das Denken. Er sieht sich von Feinden umzingelt. Es ist ein sich selbst verstärkendes Denken, aus dem es keinen rationalen Ausweg gibt, weil schon die Analyse irrational ist.

Damit ähnelt dieser Rechtsterrorismus dem Vigilantismus. Auch der Vigilant sieht überall Feinde, die er bekämpfen muss.

Diese Einsamen Wölfe sind Männer wie Anders Breivik und David Sonboly. Sonboly tötete am 22. Juli 2016 in München neun Menschen. Zunächst war das Motiv unklar. Hartleb, der für die Stadt München ein Gutachten zu dem Fall schrieb, beschäftigt sich in seinem Buch ausführlicher mit diesem Fall.

Dummerweise ist „Einsame Wölfe“ schlecht strukturiert und das Analyseraster ist mehr essayistisch als wissenschaftlich. Außerdem ist es so schlecht geschrieben, dass ich beim Lesen fast jeden Satz umformulierte. Dieses Bedürfnis hatte ich schon lange nicht mehr.

Florian Hartleb: Einsame Wölfe – Der neue Terrorismus rechter Einzeltäter

Hoffmann und Campe, 2018

256 Seiten

22 Euro

Hinweise

Homepage von Florian Hartleb

Wikipedia über Florian Hartleb

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