Neu im Kino/Filmkritik: Ansel Elgort ist „Jonathan“ und sein Zwillingsbruder

Auf den ersten Blick ist der 24-jährige Jonathan ein ganz normaler junger Mann. Vielleicht etwas höflicher, ordentlicher und zurückgezogener, als man es von einem allein lebenden Mittzwanziger erwarten würde. Er arbeitet in einem Architekturbüro und sein Chef würde ihm gerne in das Team für ein großes Projekt aufnehmen. Dafür müsse Jonathan allerdings mehr im Büro arbeiten. Teilweise auch an den Abenden. Jonathan lehnt das Angebot für eine Vollzeitstelle, für das andere morden würden, mit einem Hinweis auf seine besonderen Verpflichtungen ab.

Und das mit dem ‚allein leben‘ stimmt so auch nicht. Denn in dem sauberen Apartment stehen zwei getrennte Betten. In dem einen schläft Jonathan. In dem anderen sein Zwillingsbruder John.

Die beiden Brüder sehen sich niemals. Sie kommunizieren über Video und SMS. Sie erzählen sich alles, damit der eine Bruder immer für den anderen einspringen kann.

Spätestens jetzt dürften Genrefans an Tommy Wirkolas „What happened to Monday?“ (What happened to Monday?, Großbritannien 2017) denken. In dem SF-Thriller spielt Noomi Rapace Monday und ihre sechs Geschwister sich ein Leben. Sie leben in einer überbevölkerten Welt, in der es eine strenge Ein-Kind-Geburtenkontrolle gibt. An jedem Tag verlässt eine Schwester das Haus. Eines Tages kehrt Monday nicht zurück.

In Bill Olivers Spielfilmdebüt „Jonathan“ steht der Protagonist vor einem anderen Problem. Denn Jonathan und John leben in dem gleichen Körper. Damit sich die beiden Brüder nicht ständig im Kopf ihres Wirts streiten, folgen sie auf Jonathans Drängen seit Ewigkeiten einem strengen Regelbuch. Von 7.00 bis 19.00 Uhr lebt Jonathan, von 19.00 bis 7.00 Uhr Jonas in dem von ihnen bewohntem Körper. Das läuft gut, bis Jonathan herausfindet, dass John ihm nicht alles verrät und er eine Freundin hat.

Jonathan“ erzählt klinisch kühl die Geschichte einer extrem Persönlichkeitsspaltung, die zu einem Machtkampf zwischen den beiden Brüdern wird. Das ist eine Idee, die aus einer „The Twilight Zone“-Episode stammen könnte und wie eine überlange „The Twilight Zone“-Episode wirkt „Jonathan“ dann auch. Nachdem die Prämisse etabliert ist, verflacht die langsam erzählte, an wenigen Orten spielende Geschichte zunehmend. Als haben die Macher nicht gewusst, was sie mit ihrer Idee anfangen sollen.

Die Hauptrolle übernahm Ansel Elgort, der hier mit seinem subtilen Spiel überzeugt. Bekannt wurde er als Caleb Prior in den „Divergent“-Filmen und „Baby Driver“ (so auch der Filmtitel). Demnächst spielt er in Steven Spielbergs „West Side Story“ mit.

Jonathan (Jonathan, USA 2018)

Regie: Bill Oliver

Drehbuch: Gregory Davis, Peter Nickowitz, Bill Oliver

mit Ansel Elgort, Patricia Clarkson, Suki Waterhouse, Matt Bomer, Douglas Hodge

Länge: 101 Minuten

FSK: ab 12 Jahre

Hinweise

Deutsche Homepage zum Film

Moviepilot über „Jonathan“

Metacritic über „Jonathan“

Rotten Tomatoes über „Jonathan“

Wikipedia über „Jonathan

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