Hat Dave Robicheaux “Sumpffieber”?

Zwischen die neuen, noch nicht übersetzten Dave-Robicheaux-Romane schiebt der Pendragon-Verlag ältere, bereits übersetzte und seit Ewigkeiten nicht mehr erhältliche Robicheaux-Romane. Wie jetzt „Sumpffieber“. Dabei handelt es sich um den im Original 1998 erschienenen zehnten Robicheaux-Roman „Sunset Limited“, der zwei Jahre später bei Goldmann in einer deutschen Übersetzung erschien.

In dem Kriminalroman kehren Megan und Cisco Flynn nach New Iberia zurück. Sie sind die Kinder von Jack Flynn, einem Gewerkschaftler, der vor Jahrzehnten vom Klan mit 16-Penny-Nägeln an Fuß- und Handgelenken an eine Scheunenwand genagelt wurde. Robicheaux entdeckte damals die Leiche (jau, langjährige Robicheaux-Fans wissen, dass der junge Dave als Jugendlicher anscheinend täglich über Leichen stolperte). Flynns Mörder wurde nie gefunden (auch das dürfte langjährigen Robicheaux-Lesern bekannt vorkommen).

Jetzt sind seine beiden Kinder zurück in New Iberia und sie interessieren sich für den Kleingangster Cool Breeze Broussard. Der behauptet, im Gefängnis misshandelt worden zu sein. Broussard hat außerdem Ärger mit dem Giacano-Klan und das FBI möchte sich nicht um seinen Kronzeugen kümmern. Broussard hat Angst um sein Leben. Seine Angst ist berechtigt. Denn ein Killer ist auf ihn angesetzt.

Die Flynns und Broussard haben eine für Robicheaux zunächst undurchschaubare Beziehung zu dem reichen und entsprechend einflussreichem Plantagenbesitzer Archer Terrebonne.

Sumpffieber“ ist einer dieser alten Robicheaux-Romane, die mir deutlich besser als die neueren Robicheaux-Romen gefallen. Das kann daran liegen, dass ich diese Romane zuerst las und mir daher in den neueren Robicheaux-Romanen vor allem die Wiederholungen und Plotschwächen auffallen. Das kann auch daran liegen – und diese Erklärung bevorzuge ich -, dass die alten Robicheaux-Romane einfach besser waren. In ihnen entwickelte sich Robicheaux weiter. In „Neonregen“ (The Neon Rain, 1987) ist Dave Robicheaux noch Mordermittler in New Orleans und Trinker. Später kämpft er mit seinem Alkoholismus, geht zu den Anonymen Alkoholikern, zieht nach New Iberia, betreibt eine Bootsvermietung und Köderladen, hat eine Adoptivtochter und arbeitet als Detective bei der örtlichen Polizei. Das und seine wichtigsten Freundschaften sind in „Sumpffieber“ fest etabliert, aber noch nicht zur Routine erstarrt und weil James Lee Burke damals seinen Charakter noch in Echtzeit altern ließ, konnte man sich Robicheaux vor zwanzig Jahren mühelos als rüstigen Vietnam-Veteran, der keinen Gedanken an seine Pensionierung verschwendet, vorstellen.

In „Sumpffieber“ erzählt Burke, mit viel Südstaaten-Feeling, eine ziemlich komplizierte, mehrere Familien und Generationen betreffende, sich langsam entwickelnde Geschichte von Schuld und Sühne. Weil mehrere Plots sich kreuzen, sollte man nicht zu viele Seiten überblättern.

Der Roman erhielt 1998 den Dagger-Preis als bester Roman und war für den Dily Award nominiert.

James Lee Burke: Sumpffieber

(übersetzt von Christine Frauendorf-Mössel) (überarbeitete Neuausgabe)

Pendragon, 2019

456 Seiten

18 Euro

Deutsche Erstausgabe

Goldmann, 2000

Originalausgabe

Sunset Limited

Doubleday, 1998

Hinweise

Thrilling Detective über „the Great Lost P. I.“ Dave Robicheaux

Homepage von James Lee Burke

Wikipedia über James Lee Burke (deutsch, englisch)

Mein Porträt von James Lee Burke

James Lee Burke in der Kriminalakte

„In the Electric Mist“ in der Kriminalakte

Meine Besprechung von Bertrand Taverniers James-Lee-Burke-Verfilmung „In the Electric Mist – Mord in Louisiana“ (In the Electric Mist, USA 2009)

Meine Besprechung von James Lee Burkes „Neonregen“ (The Neon Rain, 1987)

Meine Besprechung von James Lee Burkes „Blut in den Bayous“ (Heaven’s Prisoners, 1988)

Meine Besprechung von James Lee Burkes „Mississippi Jam“ (Dixie City Jam, 1994)

Meine Besprechung von James Lee Burkes „Straße der Gewalt“ (Last Car to Elysian Fields, 2003)

Meine Besprechung von James Lee Burkes „Flucht nach Mexiko – Ein Dave-Robicheaux-Krimi“ (Crusader’s Cross, 2005 )

Meine Besprechung von James Lee Burkes „Sturm über New Orleans“ (The Tin Roof Blowdown, 2007)

Meine Besprechung von James Lee Burkes „Regengötter“ (Rain Gods, 2009)


Ein noch vor der Wahl von Donald Trump von Denis Scheck mit James Lee Burke geführtes Interview

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