TV-Tipp für den 30. Juni: James Bond: Stirb an einem anderen Tag

Juni 29, 2019

RTL, 22.00

James Bond: Stirb an einem anderen Tag (Die another day, USA/Großbritannien 2002)

Regie: Lee Tamahori

Drehbuch: Neal Purvis, Robert Wade

LV: Charakter von Ian Fleming

Buch zum Film: Raymond Benson: Die Another Day, 2002

Nachdem James Bond kurzzeitig von M gefeuert wird, darf er wieder die Welt retten. Aktuelle Schauplätze sind Nordkorea, Hongkong, Kuba, London und Island.

Vierter und letzter Bond-Film mit Pierce Brosnan, der sich nicht sonderlich von den vorherigen unterscheidet: kurzweiliges Popcornkino für die ganze Familie.

Mit Pierce Brosnan, Halle Berry, Rick Yune, Judi Dench, John Cleese, Toby Stephens, Michael Madsen, Rosamund Pike, Michael G. Wilson, Madonna

Hinweise

Rotten Tomatoes über “James Bond: Stirb an einem anderen Tag”

Wikipedia über “James Bond: Stirb an einem anderen Tag” (deutsch, englisch)

Homepage von Ian Fleming

Meine Besprechung von Ian Flemings ersten drei James-Bond-Romanen “Casino Royale”, “Leben und sterben lassen” und “Moonraker”

Meine Besprechung von John Gardners “James Bond – Kernschmelze” (James Bond – Licence Renewed, 1981; alter deutscher Titel “Countdown für die Ewigkeit”)

Meine Besprechung von John Gardners „James Bond – Der Mann von Barbarossa“ (James Bond – The Man from Barbarossa, 1991)

Meine Besprechung von Sebastian Faulks’ James-Bond-Roman „Der Tod ist nur der Anfang“ (Devil may care, 2008)

Meine Besprechung von Jeffery Deavers James-Bond-Roman “Carte Blanche” (Carte Blanche, 2011)

Meine Besprechung von William Boyds James-Bond-Roman “Solo” (Solo, 2013)

Meine Besprechung von Anthony Horowitz’ “James Bond: Trigger Mortis – Der Finger Gottes” (James Bond: Trigger Mortis, 2015)

Meine Besprechung der TV-Miniserie „Fleming – Der Mann, der Bond wurde“ (Fleming, Großbritannien 2014)

Meine Besprechung von Sam Mendes’ James-Bond-Films „Skyfall“ (Skyfall, GB/USA 2012)

Meine Besprechung von Sam Mendes’ James-Bond-Film “Spectre” (Spectre, USA/GB 2015)

James Bond in der Kriminalakte

Ian Fleming in der Kriminalakte

Meine Besprechung von Lee Tamahoris „Mahana – Eine Maori-Saga“ (Mahana, Neuseeland/Australien 2016)

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TV-Tipp für den 29. Juni: Erin Brockovich

Juni 28, 2019

Vox, 20.15

Erin Brockovich – Eine wahre Geschichte (Erin Brockovich, USA 1999)

Regie: Steven Soderbergh

Drehbuch: Susannah Grant

Erin Brockovich ist eine wandelnde Katastrophe: keine Ausbildung, drei Kinder, alleinerziehend, quasi pleite, nicht auf den Mund gefallen und mit Kleidungsvorstellungen, die nicht eine Anwaltskanzlei passen. Dennoch hilft sie in der Kanzlei von Ed Masry aus und stößt zufällig auf einen Umweltskandal, in den sie sich verbeißt. Der Fall wird zu einem der größten Schadenersatzprozesse der USA.

Auf einem wahren Fall beruhende, märchenhafte David-gegen-Goliath-Geschichte, die Soderbergh locker-leicht inszenierte. Er landete damit einen Kassen- und Kritikererfolg.

„Soderbergh (…) gibt einem jedenfalls den Glauben an Hollywood wieder. Als ich das Kino verließ, dachte ich: It’s a wonderful life!“ (Hans Schifferle, Schnitt 2/2000)

Julia Roberts erhielt einen Oscar als beste Hauptdarstellerin. Außerdem war der Film in den Kategorien „Bester Film“, „Beste Regie“, „Bestes Drehbuch“ und „Bester Nebendarsteller“ (Albert Finney) nominiert.

Außerdem war Susannah Grants Drehbuch für den Edgar Allan Poe Award und den Preis der Writers Guild of America nominiert.

mit Julia Roberts, Albert Finney, Aaron Eckhart, Marg Helgenberger, Cherry Jones, Peter Coyote, Erin Brockovich (Cameo als Kellnerin)

Wiederholung: Sonntag, 30. Juni, 14.30 Uhr

Hinweise

Rotten Tomatoes über „Erin Brockovich“

Wikipedia über „Erin Brockovich“ (deutsch, englisch)

Meine Besprechung von Steven Soderberghs “Girlfriend Experience – Aus dem Leben eines Luxus-Callgirls” (The Girlfriend Experience, USA 2009)

Meine Besprechung von Steven Soderberghs „Contagion“ (Contagion, USA 2011)

Meine Besprechung von Steven Soderberghs „Haywire” (Haywire, USA 2011)

Meine Besprechung von Steven Soderberghs “Magic Mike” (Magic Mike, USA 2012)

Meine Besprechung von Steven Soderberghs „Side Effects – Tödliche Nebenwirkungen“ (Side Effects, USA 2013)

Meine Besprechung von Steven Soderberghs “Liberace – Zu viel des Guten ist wundervoll (Behind the Candelabra, USA 2013)

Meine Besprechung von Steven Soderberghs „Logan Lucky“ (Logan Lucky, USA 2017) und der DVD

Meine Besprechung von Steven Soderberghs „Unsane: Ausgeliefert“ (Unsane, USA 2018)

Steven Soderbergh in der Kriminalakte


TV-Tipp für den 28. Juni: Taxi Driver

Juni 28, 2019

3sat, 22.25

Taxi Driver (Taxi Driver, USA 1976)

Regie: Martin Scorsese

Drehbuch: Paul Schrader

Taxifahrer Travis Bickle nimmt das Gesetz in die eigene Hand.

Das bekannteste Werk des Teams Scorsese/Schrader, einer von De Niros bekanntesten Filmen und die letzte Arbeit von Hitchcock-Komponist Bernard Herrmann. „Taxi Driver“ ist die eindrucksvolle Studie eines soziopathischen Einzelgängers und eine Liebeserklärung an New York. Ein unumstrittener Klassiker

mit Robert De Niro, Jodie Foster, Cybill Shepherd, Peter Boyle, Harvey Keitel, Leonard Harris, Albert Brooks, Martin Scorsese (Mann im Taxi am Filmende)

Hinweise

Rotten Tomatoes über „Taxi Driver“

Wikipedia über „Taxi Driver“ (deutsch, englisch)

Martin-Scorses-Fanseite

Meine Besprechung von Martin Scorseses “Hugo Cabret” (Hugo, USA 2011)

Meine Besprechung von Martin Scorseses „The Wolf of Wall Street“ (The Wolf of Wall Street, USA 2013) und ein Infodump dazu

Meine Besprechung von Martin Scorseses „Silence“ (Silence, USA 2016)

Martin Scorsese in der Kriminalakte


Neu im Kino/Filmkritik: „Ein Becken voller Männer“ und eine Meisterschaft im Synchronschwimmen

Juni 27, 2019

Habe ich den Film nicht schon einmal gesehen? Und ist es nicht, wieder einmal, „Ganz oder gar nicht“ unter Synchronschwimmern?

Irgendwie schon. „Ein Becken voller Männer“ erzählt die Geschichte von Bertrand (Mathieu Amalric), der an einer ausgewachsenen Midlife Crisis leidet. Er ist seit Ewigkeiten arbeitslos, schluckt Antidepressiva und hängt meistens deprimiert und antriebslos in der Wohnung herum. Niemand will etwas von ihm und niemand möchte ihm einen Job geben. Immerhin liebt ihn seine Frau.

Eines Tages entdeckt er einen Zettel, mit dem eine Synchronschwimmer-Gruppe nach neuen Mitgliedern sucht. Irgendetwas spricht ihn an und er wird Mitglied der städtischen Synchronschwimmer-Mannschaft. Sie besteht aus mittelalten Männern, die sich zwar redlich, aber glücklos bemühen, so etwas wie eine stimmige Performance zu kreieren. Trotzdem entschließen sie sich, an einer Meisterschaft teilzunehmen.

Davor müssen sie, was sie bis jetzt nicht taten, zielstrebig trainieren. Denn bis zu der Schnapsidee mit der Teilnahme an der Weltmeisterschaft waren die Treffen zum Synchronschwimmen für sie eine angenehm ambitionslose Ersatzfamilie, in der sie sich vorbehaltlos akzeptierten und über bestimmte Dinge nicht gesprochen wurde. Denn sie sind alle an ihren hochfliegenden Träumen gescheitert. So sieht der eine sich immer noch als erfolgreichen Unternehmer, während er ständig Ärger mit der Bank hat. Der andere träumt immer noch von einer Karriere als Rockmusiker, während er in einer Kantine arbeitet und in einem Wohnwagen lebt.

Diese Synchronschwimmermannschaft wird unter anderem von Mathieu Amalric, Guilaume Canet, Benoit Poelvoorde und Jean-Hugues Anglade gespielt. Und allein diese hochkarätige Besetzung ist einen Blick wert.

Die ordentlich flott erzählte Geschichte nimmt sich viel Zeit für ihre Charaktere. Sie bewegt sich dabei, mehr dramatisch und melancholisch als witzig, in den etablierten Bahnen zum Finale. Bei dem erstaunt dann vor allem die Leistung der Provinz-Synchronschwimmer-Mannschaft, die wir bis dahin ins Herz geschlossen haben und die sich bis dahin kaum über Wasser halten konnte. In diesem Moment wachsen sie, angesichts der ihnen haushoch überlegenen Konkurrenz, über sich hinaus.

Der Feelgood-Ensemblefilm „Ein Becken voller Männer“ ist das Solo-Regiedebüt von Gilles Lellouche. Er war Co-Regisseur und Autor von „Die wunderbare Welt des Gustave Klopp“ und „Männer und die Frauen“. Außerdem ist er Schauspieler. In den Krimis „Der Unbestechliche – Mörderisches Marseille“ und „Point Blank – Aus kurzer Distanz“ (der Film erhält gerade ein US-Remake) übernahm er Hauptrollen.

Angesichts der derzeitigen Temperaturen ist „Ein Becken voller Männer“ besonders empfehlenswert. Immerhin entführen diese schwimmenden Männer einen über zwei Stunden in einen dunklen, angenehm kühlen Saal.

Ein Becken voller Männer (Le grand bain, Frankreich 2018)

Regie: Gilles Lellouche

Drehbuch: Gilles Lellouche, Ahmed Mamidi, Julien Lamroschini

mit Mathieu Amalric, Guilaume Canet, Benoit Poelvoorde, Jean-Hugues Anglade, Virginia Efira, Leila Bekhti, Marina Fois, Philippe Katerine, Félix Moati, Alban Ivanov

Länge: 122 Minuten

FSK: ab 6 Jahre

Hinweise

Deutsche Homepage zum Film

Moviepilot über „Ein Becken voller Männer“

AlloCiné über „Ein Becken voller Männer“

Rotten Tomatoes über „Ein Becken voller Männer“

Wikipedia über „Ein Becken voller Männer“ (französisch, englisch)


DVD-Kritik: Corps „Germania“ unter Beobachtung

Juni 26, 2019

Es ist schon eine seltsame Welt, die Lion Bischof in seinem sehenswerten Dokumentarfilm „Germania“ porträtiert. Es ist die Welt des Corps Germania, einer in München beheimateten schlagenden Studentenverbindung. Bischof beobachtet die Corps-Mitglieder in ihrem Alltag, bei Feiern, dem Fechttraining und Ausflügen. Bier ist dabei ein ständiger Begleiter dieser jungen Männer. Frauen gibt es nur während einer bierseligen Party im Corpshaus.

In Interviewpassagen erzählen die jungen Männer über sich und was ihnen das Corps Germania bedeutet.

In seinem Film beobachtet der gerade dem Studentenalter entwachsene Bischof die jüngeren Männer ohne sie zu verurteilen. Er verzichtet auch auf einen Sprecher, der Informationen vermittelt, Ereignisse einordnet und, möglicherweise, eine Meinung und Haltung vorgibt. Die muss der Zuschauer sich, ausgehend von seinen Beobachtungen, selbst bilden.

Diese Herangehensweise führt allerdings auch dazu, dass man wenig über die Regeln und Strukturen des Corps erfährt. Zum Beispiel, wie viel Zeit die Studenten miteinander verbringen und wie sehr sie sich damit von den anderen Studenten abkoppeln.

Im Film gibt es auch keine Hintergrundinformationen zum Corps Germania, den Mitgliedern des Corps (nach Wikipedia sind die letzten beiden Politiker, die auch Corps-Mitglieder sind, FPÖ-MdEP Franz Obermayr und AfD-MdEP Markus Buchheit), der Stellung von Studentenverbindungen in Deutschland und an Universitäten und wie aus einer progressiven eine reaktionäre Bewegung werden konnte.

Unter Studenten sind sie heute eine Randgruppe. Weniger als ein Prozent der Studierenden sind Mitglied einer Studentenverbindung.

Bischof zeigt auf einer im Film nicht offen angesprochenen Metaebene die jungen Corps-Mitglieder als Suchende, die in den Traditionen und Regeln des Corps Halt finden. Eine dieser Regeln ist dabei das Verköstigen von Unmengen Bier. In der gesamten Doku gibt es kaum ein Bild, in dem nicht getrunken wird.

Über den Gruppendruck und die politischen und gesellschaftlichen Ansichten der Corps-Mitglieder erfährt man dagegen nichts. Im Audiokommentar meint Bischof, dass er nicht danach gefragt hatte, weil er darauf nur formelhafte Antworten bekommen hätte.

Germania“ erfasst, wie alle rein beobachtenden Dokumentarfilmen, notgedrungen nur einen Teil des Phänomens. Schließlich versteht man durch reines Beobachten auch nicht die Regeln eines Fußballspiels.

Als Einblick in die geschlossene Welt einer schlagenden Studentenverbindung ist „Germania“ allerdings gelungen und auch faszinierend. Schließlich sind das die Studenten, die man an der Universität nur bemerkt, wenn sie in einer Aktion in ihrer Uniform einmal durch die Universität laufen und anschließend wieder in ihrem Haus verschwinden.

Das Bonusmaterial besteht aus einem interessanten, an Hintergrundinformationen reichen Audiokommentar von Regisseur Lion Bischof. Jedenfalls wenn er redet. Gefühlt schweigt er allerdings die meiste Zeit.

Germania (Deutschland 2019)

Regie: Lion Bischof

Drehbuch: Lion Bischof

DVD

Mindjazz Pictures

Bild: 2,39:1 (Cinemascope)

Ton: Deutsch (DD 5.1)

Untertitel: Englisch, Spanisch

Bonusmaterial: Audiokommentar des Regisseurs, Trailer

Länge: 78 Minuten

FSK: ab 12 Jahre

Hinweise

Homepage zum Film

Filmportal über „Germania“

Moviepilot über „Germania“

 


TV-Tipp für den 27. Juni: I am Love

Juni 26, 2019

Tele 5, 20.15

I am Love (Io sono l’amore, Italien 2009)

Regie: Luca Guadagnino

Drehbuch: Luca Guadagnino, Barbara Alberti, Ivan Cotroneo, Walter Fasano

Die Russin Emma (Tilda Swinton) ist mit dem reichen Firmenerben Tancredi verheiratet. Ihre drei Kinder sind erwachsen. Alles scheint perfekt, bis Emma den Koch Antonio, einen Freund von einem ihrer Söhne, kennen lernt und sich in ihn verliebt.

Familienepos, das mit sicherem Gespür für Ausstattung, Kostüme und Inszenierung die Rituale und Beziehungen innerhalb einer großbürgerlichen Familie seziert.“ (Lexikon des internationalen Films)

mit Tilda Swinton, Flavio Parenti, Edoardo Gabbriellini, Alba Rohrwacher, Pippo Delbono, Diane Fleri, Maria Paiato, Marisa Berenson, Waris Ahluwalia

Hinweise

Moviepilot über „I am Love“

Metacritic über „I am Love“

Rotten Tomatoes über „I am Love“

Wikipedia über „I am Love“ (deutsch, englisch)

Meine Besprechung von Luca Guadagninos „A bigger Splash“ (A bigger Splash, Italien/Frankreich 2015) und der DVD

Meine Besprechung von Luca Guadagninos „Call me by your Name“ (Call me by your Name, USA 2017)

Meine Besprechung von Luca Guadagninos „Suspiria“ (Suspiria, Italien/USA 2018)


Neu im Kino/Filmkritik: „Wenn Fliegen träumen“, die andere deutsche Komödie

Juni 26, 2019

Bei dem Anfang wettet niemand auf das Überleben von Naja (Thelma Buabeng). Auf einer für Berliner gut erkennbaren verschneiten Brücke unterhält sie sich mit dem Tod über ihre Beerdigung.

Allerdings könnte es auch ein Traum sein und die ganze Geschichte endet doch gut für Naja.

Bis man das erfährt, nimmt uns Schauspielerin Katharina Wackernagel in ihrer ersten Spielfilmregie, auf eine ziemlich abgedrehte Reise nach Norwegen. 1999 inszenierte sie nach einem Buch von ihrem Bruder Jonas Grosch den Kurzfilm „Think Positive!“. Das Drehbuch für ihr Spielfilmdebüt schrieb ebenfalls Grosch. In den Kinofilmen „Résiste! Aufstand der Praktikanten“, „Die letzte Lüge“ und „bestefreunde“ arbeiteten sie ebenfalls zusammen. Grosch schrieb für die Filme immer das Buch und inszenierte. Wackernagel stand vor der Kamera.

Ihr Roadmovie „Wenn Fliegen träumen“ beginnt mit dem Tod von Najas Vater, zu dem sie keinen Kontakt mehr hatte. Auch nicht zu ihrer suizidgefährdeten Halbschwester Hannah (Nina Weniger). Aber das Erbe muss nun schwesterlich geteilt werden. Es besteht aus einem schrottreifen Feuerwehrauto und einem Haus in Norwegen, über dessen Zustand sie nichts wissen. Kurzentschlossen machen die beiden gegensätzlichen Schwestern sich auf den Weg. Weil Maja eine einsame Psychotherapeutin ist, wird sie von ihrer Therapiegruppe verfolgt. Schließlich können die Mitglieder der Therapiegruppe ohne ihre Therapeutin ihre Therapie nicht fortsetzen. Zur Gruppe gehört auch ein deutscher Autorenfilmer, der in jeder Situation schon Ideen für künstlerisch wertvolle deutsche Filme entwickelt.

Wenn Fliegen träumen“ von Katharina Wackernagel und ihrem Bruder Jonas Grosch ist ein richtiger Independent Film, der sich wenig um Konventionen und Zuschauererwartungen kümmert. Wie es sich für ein Roadmovie gehört, werden locker Reiseerlebnisse aneinandergereiht. Hannah und Naja kommen sich auf der Fahrt näher. Mit Carlos (Johannes Klaussner) haben sie einen jesushaften Reisebegleiter. Und ihre Verfolger finden wundersamerweise in der weiten skandinavischen Landschaft immer wieder die richtigen Spuren. Bei der Interpretation hilft dann der Autorenfilmer.

Sie alle sind eine in jeder Beziehung wundervoll dysfunktionale Familie, die gerade deshalb gut zusammenpasst. Diese schrägen Figuren mit ihrem vielen Komplexen, Eigenheiten und Schrullen torpedieren zuverlässig, allein schon durch ihre Anwesenheit, jeden Ansatz einer auch nur halbwegs stringenten Geschichte.

Wackernagel drehte die wundervolle Offbeat-Komödie mit einem Mini-Budget, viel Enthusiasmus und einem schrägen Humor. Auf Fördergelder und eine TV-Beteiligung verzichteten sie, Grosch und seine Filmproduktionsfirma Résistefilm. Wobei sicher eine Beteiligung von Arte oder dem Kleinen Fernsehspiel drin gewesen wäre. Aber in der Zeit, in der sie auf die zustimmenden Bescheide hätten warten müssen, drehten sie lieber den Film.

Wenn Fliegen träumen (Deutschland 2018)

Regie: Katharina Wackernagel

Drehbuch: Jonas Grosch

mit Thelma Buabeng, Nina Weniger, Niels Bormann, Johannes Klaussner, Katharina Wackernagel, Zoltan Paul, Tina Amon Amonsen, Robert Glazeder, Sebastian Schwarz, Helmut Mooshammer, Sabine Wackernagel, Robert Beyer, Iver Kjekshus, Marie Burchard

Länge: 83 Minuten

FSK: ab 0 Jahre

Der Soundtrack

Bratzgitarren, ordentlich abgehangener Rock und eine mehr als satte Portion Balkan-Folklore dröhnt aus den Boxen. Das macht Spaß, auch wenn man für diesen Soundtrack den Plattenspieler entstauben muss. Oder kaufen muss. Denn der Soundtrack erscheint nur als LP.

Enthalten sind Songs von Bukahara, Ali Gator & His Real Hot Reptile Rockers, Jochen Wenz, Ivana Rushaidat & Rakete, Slowdog und Ray Collins‘ Hot-Club.

Wenn Fliegen träumen (Soundtrack)

off label records/Timezone

Hinweise

Filmportal über „Wenn Fliegen träumen“

Moviepilot über „Wenn Fliegen träumen“

 


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